28. bis 31. März 2016 – Hermanus

Das perfekte Wetter meldet sich zurück, nur die Temperatur weiss noch nichts davon und hinkt mächtig hintendrein. So heize ich kräftig ein, das kleine Chemineé wird glühend heiss und das Stübelein wird bald wohlig warm. Das übliche Morgenprozedere, nur, dass wir heute ein Haus weiter müssen. Hier hat es uns SEHR gut gefallen, auch die Gastgeber, Cate & Tony sind sehr angenehme Menschen. Noch kurz zu Pick’n’Pay, aber dann, erneut, über den Franschhoek Pass Richtung Meer, resp. Hermanus. Die Fahrt muss ich nicht weiter kommentieren, da schon einmal abgespult. Unten auf der N2 reihen wir uns in den Verkehr ein, zum Glück ostwärts, westwärts Richtung Kapstadt ist die Hölle los. Eine einzige, kilometerlange Autoschlange kommt uns im Schrittempo entgegen, hat man/frau noch Töne. Wie am Gotthard! Na ja, Osterrückreiseverkehr gibt es offensichtlich auch hier. Wir nähern uns Hermanus (pop. 33,000) und noch immer ist der Gegenverkehr enorm, müssen also diverse Kapstädter über das Osterwochenende Hermanus belagert haben. Wir sind zu früh dran, so parkieren wir den Wagen beim Checkers und checken eben diesen Laden aus, gekauft wird noch nichts. Danach schlendern wir durch geschäftige, aber immer noch einen sehr guten Eindruck hinterlassende Städtchen, der Wind ist etwas angriffig, aber knapp auszuhalten. Danach leisten wir uns einen schmackhaften, wenn auch nicht phänomenalen Lunch im Simply Asia, wohl einer Restaurantkette (34 Restaurants in SA und eines sogar in Botswana). Die Preise hat Kapstädtcher Niveau, aber das Essen nicht schlecht. Dann der richtige Einkauf, ich kann nicht widerstehen und leiste uns eine Flasche Pinot Noir: 2014 Paradyskloof von Vriesenhof Vineyards, stolze ZAR 120 la bouteille. Es geht nach Sandbaai rüber, ein paar Kilometer westlich des eigentlichen Hermanus gelegen. Das Haus findet sich leicht, ist es doch an der Hauptstrasse gelegen. Andre Joubert, wohl ein Sohn von Arnold S. begrüsst uns, der Mann hat mehr Muskeln, als ich Haare auf dem Kopf. Das Haus ist gross und gut eingerichtet, nicht ganz luxuriös, aber für unsere Verhältnisse reicht es doppelt und dreifach. ZAR 5,000 für vier Nächte sind wohl angebracht. Das Meer nur wenige Gehminuten entfernt, die Umgebung ziemlich ruhig, nur Wohnhäuser hier und die Hauptstrasse nicht sehr stark befahren. Kurz: es gefällt! Wir richten uns ein und machen danach einen Spaziergang runter zum Meer. Hier hat es einen betonierten(!) Wanderweg, immer der wilden Felsenküste entlang, probieren wir doch aus. Rechts geht’s Richtung Onrus, ein paar noble Ferienhäuser säumen den Strand, dann wird es einsam und der Weg endet. Wir drehen um und schlendern ostwärts, hier nun etliche stattliche Anwesen, aber die meisten wohl nur Wochenend-oder/und Ferienhäuser. Es muss eine Menge Kohle vorhanden sein in diesem Südafrika! Dann ‘leben’ wir einmal mehr in unserer schicken Bude, der Aussenbereich ist gross & zu dreiviertel überdacht und von Nachbarn nichteinzusehen, Privatsphäre garantiert. Es wird uns bewusst, dass unsere Tag hier in Südafrika gezählt sind, in zwei Wochen geht’s in die CH. Abends ein bescheideneres Mahl als sonst üblich: Linguine an einer Pestosauce. Danach besagter Pinot Noir: ein Renner! Der beste (der wenigen, zugegeben) bis dato verkosteten ‘Burgunder’. Die Neuseeländer waren ja samt und sonders eine Enttäuschung.

Wir schlafen zu lange. Das Wetter ist gut und so machen wir uns nach dem Frühstück auf an die Grotto Beach östlich von Hermanus. Heute ist noch nicht soviel los im Dorf und auch der Parkplatz unten am Strand präsentiert sich als gähnend leer. Nun marschieren wir strammen Schrittes dem weiten, relativ spärlich besuchten Strand entlang gen Osten. Trotz ausdrücklichem Hundeverbot zähle ich 11 Hunde. Der Strand satte 18 Kilometer lang, das Wasser klamme 11°. Der Rückweg dann gegen den immer stärker werdenden Wind/Orkan. Ohne Fasi nicht zu ertragen. Im Dorf der obligate Besuch bei Checkers, diesmal kaufe ich keinen Wein. Betreffend Wein: sowohl hier, wie auch in Franschhoek war es uns möglich, am Sonntag Wein zu kaufen, sonst sind im Western Cape die Liquor Stores jeweils geschlossen…..Zurück in unserem Haus setzen wir uns hinten raus und geniessen die Sonne, der Wind rüttelt und pfeift, doch es ist dank Sonnenschein noch erträglich. Ist die Sonne weg, ist’s vorbei mit der Gemütlichkeit, auch wird der Wind immer brutaler, wir ziehen uns in die grosse Stube zurück und studieren die Speisekarten von diversen Restaurants in den Weingebieten. Abends ist ein Schweinfilet auf dem Programm, dazu Gümmel und ein 2014 Shiraz von Rainbow’s End, satte ZAR 140 teuer. Nicht ganz überzeugned in Anbetracht des hohen Preises.Das Städtchen ist ja berühmt für seine Wale, allerdings (oder zum Glück) ist jetzt nicht Saison, die Riesendinger kommen von August bis November in die Walker Bay rein, ein Touristenspektakel muss es wohl jeweils sein.

Wieder ein zu langer Schlaf, aber es tut gut. Das Wetter ist durchzogen, in der Nacht hat es Regen gegeben, wir hatten allerdings davon nichts mitgekriegt, nur das ewige Heulen des ekelhaften Windes. Den Morgen verbringen wir mit Büroarbeiten, das WiFi ist gut zu gebrauchen. Gegen die Mittagszeit geht es auf einen Sprung nach Hermanus rüber. Wir parkieren in der Checkers Tiefgarage (2 Stunden gratis) und marschieren an die wirklich nur ein paar Meter entfernte Steilküste. Ein Wanderweg, Cliff Path genannt, führt immer dem Abgrund entlang, spektakulär! Der ganze Weg soll 12 Kilometer lang sein, wir belassen es bei einer Stunde Geh/Wanderzeit. Hermanus gefällt uns immer besser! Unter uns tosende Brandung, wir oben auf den Klippen und hinter uns das Städtchen, kaum zu glauben, aber so ist es hier. Langsam meldet sich der Hunger, wir kurven nach Hause zurück und verdrücken einen späten Lunch. Nach etwas Ausruhen geht’s nochmals auf die Gasse. Erster Halt gilt dem Wine Village, hier ganz in der Nähe. 1,600 (!) verschiedene Weine wären hier zu haben. Dies ist das Paradies auf Erden! Die Preise natürlich im oberen  Bereich, die eine oder andere Flasche könnte für über ZAR 800 den Besitzer wechseln. Nicht mit mir! Ich schaue nur, gekauft wird nichts, doch die Versuchung ist riesengross. Es geht weiter zum Food Lover’s Market und dem ebenfalls dort ansässigen Super Spar. Die Weinauswahl bei tops (dem Weinladen von Spar) dann auch nicht schlecht…doch bei ZAR 300 pro Flasche hört es hier auf. Ich kaufe nichts. Wohin Herr Graf? Nach Hause! Das Wetter hat sich verschlechtert, es ist richtig kalt geworden. So heizen wir auch hier das vorhandene Mini-Chemineé ein. Das Holz ist nicht so gut oder der Ofen kriegt zu wenig Luft….auf alle Fälle haben wir unsere liebe Mühe, ein anständiges Feuer hinzukriegen. Sogar einen Föhn müssen wir zu Hilfe nehmen, aber dann brennt das Holz endlich lichterloh und die Bude wird langsam warm. Rindsvoressen mit Gümmel unser Abendessen, ein Glas 2013 Cabernet Sauvignon von (erneut) Rainbow’s End (ZAR 140) dazu. Dieser Wein nun eine ganze Spur besser, als sein gestriger Cousin. Wir sitzen danach in der Stube und erfreuen & erwärmen uns am Chemineé.

'Unser' Haus in Sandbaai

‚Unser‘ Haus in Sandbaai

...die gute Stube

…die gute Stube

....das, resp. eines der Schlafzimmer

….das, resp. eines der Schlafzimmer

....der 'Gartensitzplatz'

….der ‚Gartensitzplatz‘

Es geht heute etwas früher aus den Federn. Wäre jedoch nicht nötig gewesen, draussen ist alles grau in grau. Dies der erste Morgen, wo ein Aussen-Frühstück nicht drinliegt. Trotzdem wollen wir nach Hermanus rüber, ich möchte nochmals, diesmal mit einer Kamera bewaffnet, die Steilküste erkundigen. Parkieren, wie immer, in der Tiefgarage, ist eigentlich fast ebenerdig, aber halt gedeckt. Unsere Wege trennen sich, ich bin in wenigen Minuten in einer anderen Welt, nämlich unten am Ufer zwischen skurrilen Felsen und mächtigen Wellen. Nach anderthalb Stunden und 120 Bilder später treffen wir uns bei Woolworth wieder. Die Feinkost Abteilung wirklich fein, doch wir kaufen nichts. Meine beste Hälfte verrät mir, es solle hier ein indisch/pakistanisches Restaurant haben, dies muss ich sehen. Der Laden ist leer, aber es ist ja auch noch nicht einmal 12:00 Uhr. So marschieren/flanieren wir nochmals durch das wirklich ansprechende Städtchen, ein Wiederkommen nächstes Jahr ist schon eingeplant. OK, ab in die Beiz. Wir sind die ersten Kunden, die Bedienung freundlich, wenn auch langsam. Der Laden im ersten Stock des Village Square nennt sich Tikka Palace, die Preise halt eher im oberen Bereich, doch das aufgetragene Essen kann sich durchaus sehen lassen. Nicht so gut wie weiland das Punjab Restaurant in Dunedin/NZ oder das phänomenale Saffron in Auckland. Um ZAR 300 ärmer verlassen wir den gastlichen Ort und machen uns auf die Heimreise, resp. ans Einkaufen. Dann geht’s nach Hause, wo wir uns an die mittlerweile kräftig brennende Sonne setzen können. Abends ein Novum hier in SA: zwei Bratwürste vom Metzger. Geschmacklich nicht ganz, was wir uns gewohnt sind. Der Wein: 2014 Shiraz von Audacia (ZAR 110). Ein sehr guter Tropfen! So, auch unser Hermanus Aufenthalt nähert sich seinem Ende, morgen dislozieren wir nach Somerset West rüber.

Küste bei, resp. in Hermanus

Küste bei, resp. in Hermanus

24. bis 27. März 2016 – Franschhoek

Ich schlafe aus, ab und zu ein Auge aufs eher magere Morgenrot, mehr Action liegt nicht drin. Der Himmel ist teilweise bedeckt und der orkanartige Wind wütet erneut. Nach gemütlichem Morgenessen nehmen wir Abschied von dieser schönen Bleibe. Einzig die Nähe zur stark befahrenen Hauptstrasse gilt es zu bemängeln. Es geht wieder durch/über den Nuweklofpass nach Gouda, dann südwärts über Hermon und Wellington Richtung Paarl (an die 200,000 Einwohner). Der Wind attackiert uns von der Seite, ziemlich unangenehm, aber den anderen Verkehrsteilnehmer geht’s wohl nicht besser. In Nord Paal finden wir den gewünschten Checkers. Die Auswahl gut, aber wir haben mehr erwartet. Die Weinauswahl eher bescheiden. Es geht weiter durch die betriebsame Stadt, heute ist ja Gründonnerstag, jederfrau muss noch Einkäufe tätigen. Ein nächster Stopp gilt dem Woolworth Foods, dies nun ein ‘Edelladen’, nach unserem Geschmack, nur leider haben sie keinen Wein im Sortiment. Weiter geht die Fahrt durch die drittälteste Stadt von Südafrika. Auf der R301 kurven wir meist an Weinfelder, was sonst, vorbei. Die Gegend macht einen prosperierenden und geschäftigen Eindruck. Franschhoek (pop. 16,000) ist schnell erreicht und so stehen wir unvermittelt im Stau, das Städtchen ist nicht für den enormen Ausflugsverkehr geschaffen und erstickt beinahe unter der Lawine von meist Edelkarossen mit Kapstädter Nummernschilder. Wir sind zu früh dran, so geht’s ein paar Kilometer den Franschhoek Pass hoch, es wird sich wohl ein Plätzchen finden, wo wir unseren Lunch verdrücken können. Es hat nun mächtig dicke und sehr tiefhängende Wolken, einige schaffen es wohl nicht über die Passhöhe und regnen vorher ab, wir kriegen nur etwas Sprühregen ab. Wir müssen dank des ekelhaften Windes unser Essen im Auto verdrücken, nicht gerade unser Hobby, aber wir sind ja auch nicht in den USA aufgewachsen, wo man diese Art von Ernähren richtiggehend zelebriert. Es wird 13:00 Uhr und wir kurven ins hektische, aber schöne Städtchen zurück. Unsere Bleibe für die nächsten vier Tage nennt sich Mayflower Cottage und liegt abseits der Hauptstrasse an einer ruhigen, ungeteerten (!) Seitenstrasse. Das Cottage ist sehr edel eingerichtet, nicht riesig, aber für zwei Leute mehr als genug. WiFi ist selbstredend dabei und gratis, der freundliche Gärtner hilft mit beim Kofferschleppen. Die ganze Anlage gefällt uns, ZAR 1,100 pro Nacht nicht wenig, doch den Preis alleweil wert. Nun wagen wir uns an die Hauptrasse rauf, wir wollen Action sehen! Mächtig viel Volk ist auf der Gasse, sowohl flanierend als auch in unzähligen im Schritttempo fahrenden Automobilen. Restaurants in Hülle und Fülle, Galerien, Immobilienmakler, Hotels, B&Bs, alles buhlt um die Gunst des zahlungskräftigen Publikums. Hier werden Weine für über ZAR 700 angeboten, gelagert in (zu)warmen Läden, totale Geldverschwendung. Wir spazieren bis zum Pick’n’Pay am anderen Ende des Städtchens, die Filiale hier nicht so gediegen wie erwartet, die Weinauswahl jedoch (kühl gelagert) ein Hammer, auch hier hat es Weine für ZAR 500 und mehr. Gekauft wird noch nichts. Das Wetter übrigens wieder besser, angenehm warm, doch der kühle Wind macht sich dann und wann unangenehm bemerkbar. Unsere Vermieterin meint, die nächsten Tage werde es merklich abkühlen und heisst den Gärtner an, uns Holz in die Stube zu stellen. So könnten wir zumindest das Mini-Chemineé in Betrieb nehmen. Es soll sogar Schnee auf den Bergspitzen geben, warten wir einmal ab. Abends ein anständiges Stück Fleisch: ein Rumpsteak, nicht schlecht! Allein, der Wein ist eine mittlere Enttäuschung. 2013 Millenium (Merlot/Cabernet Franc) von La Motte (zum Rupert Imperium gehörend), ZAR 90 die Flasche. Betreffend Rupert: der Mann ist der reichste Südafrikaner (7.6 Milliarden Vermögen), die Firma Richemont jedem Schweizer ein Begriff. Für den Nichtwissenden:

Das Richemont 'Portfolio'

Das Richemont ‚Portfolio‘

Das schlechte Wetter hat uns noch nicht erreicht. Also geht’s nach dem üblichen Morgenessen auf ein Ausfährtli. Wir kurven den Franschhoekpass hoch und auf der anderen Seite logischerweise wieder runter, die Gegend recht spektakulär. Jetzt, einmal mehr leider, geht’s durch ‘abgefackelte’ Gegend. So viele Brandnarben wie hier in Südafrika haben wir in all unserer Amerikazeit noch nicht gesehen. Nun folgt der ziemlich leere Theewaterskloof Damm. In Franschhoek, so Tony, der Hausherr, soll es seit neun Monaten nicht mehr geregnet haben. Unheimlich, Endzeitstimmung kommt auf, die Landschaft nicht wirklich eines Bildes würdig, wäre zu deprimierend. Wir biegen links weg Richtung Villiersdorp, hier nun Obstplantagen, soweit das Auge reicht. Dann ein Dreh nach rechts und wir nehmen den Van der Stel Pass unter die Räder. Die Kulisse ändert: Weizenfelder, soweit das Auge reicht, eigentlich nur noch Stoppelfelder, der Herbst ist vor der Tür. Mancherorts sieht man schon farbiges Laub. Mitten im Nirgendwo treffen wir auf die Rennstrecke N2 und die Fahrt, nun Richtung Westen, kann weitergehen. Der Ausflugsverkehr (Karfreitag!) unglaublich stark. Nach wenigen, hektischen Kilometern biegen wir bei Elgin (Apfelhochburg) rechts Weg und kurven den auch sehr ansprechenden Vilijoens Pass hoch und kurze Zeit später sind wir wieder beim nun nicht mehr so riesigen Staussee. Der Kreis schliesst sich, es geht über den Franschhoek Pass zurück ins Hugenottenstädtchen, welches heute einem grossen Ameisenhaufen gleicht. Wir verkriechen uns in unsere hübsche Bleibe und ruhen aus. Viel mehr läuft heute nicht, das Wetter wird zusehends schlechter, dann und wann fallen ein paar Tropfen, aber ein massiver Sturm ist dies (noch) nicht. Der Abend eine Wohltat für meinen Gaumen und Magen: Hörnli und G’hackets. Der Wein, 2014 Pinotage von Diemersfontein (ZAR 115) bereits vor ein paar Wochen verkostet, mein zweiter ‘Weinprobierfehler’ in 10 Wochen. Doch der Tropfen schmeckt, dies der Original Mokka/Schokolade Wein. Viele sind auf diesen Modetrend aufgesprungen, in Amerika soll das Geschäft sehr gut laufen.

Am Franschhoek Pass

Am Franschhoek Pass

Der Regen ist gekommen, alles ist grau in grau. Es könne ein ‘fauler’ Tag für uns werden. Zwischen zwei Regengüssen, immer mit heftig Wind verbunden, marschieren wir zur Hauptstrasse hoch und flanieren diese hinab. Trotz des eher miesen Wetters ist der Besucherandrang sehr stark, erinnert etwas an eine Städtchen im Elsass. Bei Pick’n’Pay erwerben wir noch vier Flaschen teuren Wein. Da wir ja auf Auswärtsessen hier verzichten, investieren wir das Geld in guten Wein, den wir genüsslich zu Hause schlürfen können. Viel mehr läuft heute wirklich nicht, frau liest, man surft oder bearbeitet Bilder. Ein gemütlicher Herbsttag halt, nur dass es Ostersamstag ist. Abends zur Feier des Tages ein Rindsfilet (ZAR 239/kg), butterzart! Der Wein: 2014 Shiraz von Groote Post (ZAR 125) ein Oberknüller, so muss für mich Wein schmecken. Bleibe noch anzumerken, dass es merklich abgekühlt hat, der Sturm ist also tatsächlich gekommen. So kommt das Mini-Chemineé zu einem unverhofften Einsatz.

Herbsttag in Franschhoek

Herbsttag in Franschhoek

21. bis 23. März 2016 – Tulbagh

Punkt 6:00 Uhr geht der Wecker, sofort stehe ich auf und mache mich auf die Reise. Mit knapper Not und einem Endspurt erwische ich das Predawn Light noch. Jetzt wieder die fahlen zwanzig Minuten bevor das ‘richtige’ Licht kommt. Das Licht kommt unverhofft und auf einen Schlag, sofort sind die Cederberge total in ein rotes Licht getaucht. Nicht, wie üblich, zuerst die Spitzen, dann langsam runter bis in die Ebene, so einen Effekt hatte ich bisher nur einmal, am Ayers Rock. Doch man nimmt, was einem geboten wird, und dies war nicht schlecht. Frühstück gibt’s draussen der Festzeltbank ist ein Spur weniger unbequem, als der ‘Esstisch’ drinnen. Als Sitzgelegenheit werden Melkschemel angeboten, also lieber draussen die Bank. Freudig (!) packen wir unseren Kram wieder ein, hinterlassen dem Besitzer eine freundliche Abschiedsbotschaft (…the worst place we ever stayed at…) und machen uns auf gen Süden. Oben bei den bizarren Steinformationen machen wir einen Halt und ich erkunde kamerabewaffnet die schöne Landschaft. Weiter geht’s, Clanwilliam lassen wir links liegen, direkt ungebremst Richtung N7, welche wir nach 3km erreichen. Die stark befahrene Strasse führt durch recht ansprechende Landschaft, immer rauf und runter mit Blick auf die imposanten Cederberge. Bei Citrusdal wir es dann logischerweise ziemlich zitronig/orangig. Für all dies muss der Elefantenfluss herhalten. Immer weiter, rauf und runter geht die Fahrt, der Südfrüchteanbau ist nun passé, Weizen ist nun das Thema, natürlich bereits alles abgeerntet, uns bleibt lediglich der Anblick von unendlich ausgedehnten Stoppelfeldern. Bei Piketberg biegen wir links weg auf eine eher schlechte, holperige und auch schmale Strasse. Diese bringt uns nach Porterville, wo wir unter einem schattenspendenden Baum Mittagsrast machen. Das Dorf nicht weiter eines Kommentars würdig, wie viele halt in Südafrika: ein paar Läden und viele Leute die einfach herumsitzen/stehen/liegen. Es geht weiter südwärts, die Strasse hat nun einen Namen: R44 und im Nu erreichen wir Gouda. Hier stehen mächtige Windpropeller, gebaut von der spanischen Firma ‘Acciona’, dem Weltmarktführer in erneuerbarer Energie und Infrastruktur (so ihr Web Site…). Noch sind wir nicht am Ziel, die Strasse führt nun recht pittoresk über/durch den Nuwekloofpass, links und rechts mächtige, imposante Berge. Nach wenigen Kilometern endet die Schönheit und wir sind in einer weiten Ebene, Tulbagh ist nicht mehr weit entfernt. Unsere Unterkunft taucht linkerhand auf: Kloofzicht Estate, doch wir kurven weiter ins 3 Kilometer entfernte historische und mittlerweile In-Städtchen Tulbagh. Es findet sich ein Spar mit anständigem Angebot, der tops nebenan führt auch ganz sportlich Weine für über ZAR 300 im Sortiment. Draussen auf den breiten Trottoirs sitzen/lungern und liegen sehr viele Typen rum, einmal mehr sieht man die grassierende Arbeitslosigkeit. Nun aber ab in unsere Bleibe für die nächsten drei Tage. Der letzte Kilometer natürlich eine schlechte Schotterstrasse, aber wir, resp. der Wagen, überlebt’s. Wir werden von Tsitsi begrüsst, die schwangere Dame schmeisst hier wohl den Laden, wenn ich dies mal so salopp sagen darf. Das Cottage ist auch ‘Rustic’, aber Welten von der Cederberg Absteige entfernt. Alles ist sauber, die Küche sehr gut ausgestattet. Welch Unterschied! Wir fühlen uns sofort wohl hier. ZAR 800 pro Nacht empfunden wir als sehr angemessen, wie man/frau nun weiss, gibt es auch anderes….Wir ruhen aus während draussen der Wind immer stärker wird. Daher wohl die Windmühlen ein paar Kilometer entfernt. Abends ein Rindsfilet mit Couscous und Salat. Dazu der passende Wein: 2013 Pinotage Touch of Oak von Rijk’s, ein hiesiger Tropfen, aber satte ZAR 110 teuer. Gut, aber nicht den Preis wert.

Ein prächtiges Morgenrot bietet sich dem halbwachen Betrachter aus dem warmen Bett. Dann aber nix wie auf, immer vor 7:00 Uhr, die schönste, wenn auch heute die kälteste Zeit des Tages. Der Wind ist weg, doch er hat mächtige viele Wolken gebracht. So nehmen wir uns Zeit, gehen die Sache langsam an, immer in der Hoffnung, die Wolken werden vertrieben und es werde deutlich wärmer. Wir warten lange, doch dann geht’s ins nahe Dorf, zuerst in die Wäscherei, 5kg Ware wird abgeliefert, für ZAR 23 pro Kilo wird sie gewaschen und gebügelt! Dann flanieren wir der Church Street entlang und sehen uns die vielen historischen Gebäude an. Die meisten davon entweder Unterkünfte oder Galerien. Im Spar erwerben wir noch zwei Fliegenklatschen, die Viecher terrorisieren uns richtiggehend. Es geht nach Hause, nur um kurze Zeit später erneut auszurücken, wir wollen die ‘Secret Falls’ abchecken. Dies eine Unterkunft mit Camping hoch oben in den Winterhoek Bergen, von Schweizern geführt. Die Gegend ist ansprechend, wenn auch sehr verlandwirtschaftet, meist Reben, aber auch Apfelplantagen bekommen wir zu Gesicht. Nun wird die Strasse enger, der Asphalt endet, es geht mächtig in die Höhe, nun durch Obstplantagen, die Strasse wird zum Feldweg, wir folgen unbeirrt dem Wegweiser ‘Secret Falls’. Doch nun wird es uns zu abenteuerlich, Feldweg ist hier eher eine Übertreibung, wohl eher ein Saumpfad…… Wir drehen um, alles müssen wir ja nicht gesehen haben. Dies wär’s ausflugsmässig gewesen, es geht nach Hause. Das Wetter nun merklich besser, aber im Cottage drinnen ist es immer noch etliches kälter, als draussen. Abends ein Red Thai Curry, aber von Curry merkt man nicht viel. Der Wein, etwas unpassend zwar: 2014 Merlot/Shiraz von Cederberg Private Cellar, ZAR 90 teuer, aber ein himmlischer Tropfen, in die Top Five mit ihm! Wenn wir schon nicht in den Cederbergen wohnen können, trinken wir wenigstens Wein von dort.

Tagwache um 7:00 Uhr, das Morgenrot nicht so spektakulär. Das schöne, warme Wetter meldet sich zurück. Nach dem Morgenessen machen wir uns auf eine ‘zwei Pässefahrt’: Mitchell’s and Bainskloof Pass. Die Strasse rüber nach Ceres, der Fruchtsafthochburg von Südafrika in erstklassigem Zustand, der Lastwagenverkehr erwartungsgemäss sehr stark. Der Mitchell’s Pass eher eine Fahrt durch eine sehr schon anzusehende Schlucht, erst kurz vor Ceres muss etwas Höhe überwunden werden. Ceres präsentiert sich dann als sehr apart, besser, als manch bereits besuchtes Städtchen. Es findet sich ein sehr schöner Pick’n’Pay. Immer leicht an der Weinauswahl zu erkennen, ob hier Geld vorhanden ist oder nicht. Es ist, Weine über ZAR 300 stehen in den sauber gefüllten Regalen. Im Vodafone Shop laden wir noch je 250MB auf unseres Föns, man/frau kann ja nie wissen, CHF 4 für 250MB sind wirklich nicht alle Welt. Die Fahrt zurück über/durch den Mitchell’s Pass kann losgehen. Doch noch vor Wolseley biegen wir links weg auf die R303 welche uns nach Wellington rüber bringen soll. Anfangs noch flach und harmlos, steigt die relativ enge, kurvige (aber nicht stark befahrene) Strasse in die Höhe. Der Landschaftseindruck ein Hammer. Da und dort halten wir kurz an und geniessen die grandiose Aussicht auf unberührte Landschaft. Die Passhöhe ist erklommen und wir machen Halt. Hier oben bietet sich die Bainskloof Corner Lodge  an. Die uns umgebende Berglandschaft wirklich ein Renner, eine oder zwei Nächte hier oben in der Einsamkeit zu verbringen, wäre nicht schlecht. Der Besitzer Hassan, ein seit 30 Jahren in Südafrika ansässiger Libanese zeigt uns sein Anwesen, die Zimmer bescheiden, aber sauber, Self Catering ist ebenfalls möglich/nötig, ein Restaurant gibt es nicht. Ab ZAR 700 wären wir dabei. Interessant, interessant. Wir plaudern noch eine ganze Weile mit dem interessanten Menschen, machen uns dann aber auf den Abstieg. Diese Seite des Passes ist dann wieder ziemlich zivilisiert und verlandwirtschaftet. Wir erreichen Wellington, das übliche Stadt/Dorfbild halt. Eine knappe halbe Stunde unserer Zeit gönnen wir dieser menschlichen Ansiedlung, aber dann weiter, wieder zurück nach Tulbagh. Das Mittagessen wollen wir, spät wird es zwar, lieber zu Hause einnehmen. Um 13:00 Uhr sind wir zurück und denken sogleich ans Futtern. Danach geht es nochmals nach Tulbagh rüber, unsere Wäsche wartet dort auf uns. Benzin ist auch wieder einmal fällig, der Durst des Nissans hält sich aber sehr in Grenzen; 6,5 Liter/100km. Das Benzin übrigens einen Rand billiger als noch vor ein paar Wochen, nun bei ZAR 11.50/l. Da aber mittlerweile der Rand wieder stärker geworden ist, macht dies keinen grossen Unterschied. Abends ein Schweinsfilet mit Gümmel und dazu der absolute Renner:  2013 Shiraz von Driehoek (ZAR 140!), wieder ein Wein aus den Cederbergen, ja der Nachbar gar vom gestrigen Cederberg Private Cellar, der Wein wird sogar von letzerem gekeltert. Ein Hammer von einem Wein, dies soll ein Cool Climate Wein sein (15% Alkohol). In die ‘Top Two’ mit ihm!

Einer der besten bis dato verkosteten Weine

Einer der besten bis dato verkosteten Weine

20. März 2016 – Cederberge

Ich stehe um 7:00 Uhr auf, es herrscht schönster Sonnenschein, doch ist es noch kühl. Wir müssen heute leider Abschied von diesem schönen Strandhaus nehmen, aber nur immer Wohnen ist auch etwas langweilig, wir wollen auch noch etwas Landschaft sehen: ab in die Cederberge. Ein letztes Frühstück mit Blick aufs sehr nahe Meer und wir räumen unsere Sieben- oder auch Achtsachen in unser treues, zuverlässiges Automobil. Die 62km nach Clanwilliam sind schnell zurückgelegt, auffallend der enorme Schwerverkehr und es ist Sonntag! Ein erneuter Einkauf im Spar füllt unsere Lebensmittelvorräte wieder auf. Nicht Aufzufüllen ist unser Weinkeller: kein Alkohol am Sonntag. Die Fahrt in die Berge kann losgehen. Die Fahrt über den Pakhuispass dann sehr Scenic, die skurrilen Felsformationen die eine oder andere Aufnahme wert, doch ich muss batteriemässig sparen. Natürlich sind wir zu früh dran, vor 14:00 Uhr können wir nicht im de Pakhuys einchecken. Wir kurven, immer noch auf geteerter Strasse weiter in die Einsamkeit, vor ein paar Jahren war die Strasse nur bis zur Passhöhe asphaltiert. Nun ist es aber ein wesentlich bequemeres Vorankommen. Der Landschaftseindruck nimmt jedoch rapide ab, nun eher langweilig bis öde, die Cederberge nur noch in der Ferne auszumachen. Ein Lunchplatz will gefunden werden, es bieten sich ein paar schattenspendende Bäume an, nicht sehr idyllisch, aber der Hunger muss gestillt werden. Der spärliche Verkehr hier draussen donnert in einem unglaublichen Tempo an uns vorbei, wieso haben es die Leute in Südafrika nur alle so eilig? Schnell sind die wenigen Kilometer zurück zur Farm hinter uns. Die Zufahrtsstrasse einmal mehr eine Tortur für Wagen und Insassen doch zum Glück nicht sehr lange. Einsam und verlassen kommt de Pakhuys daher, kein Mensch weit und breit. Doch ein Zettel mit meinem Namen liegt auf: Willkommen, etc., etc. Jetzt kommt ein Motorrad angeknattert, wohl einer der Besitzer (die Familien Kruger und Botha, beides ur-südafrikanische Geschlechter, teilen sich den Besitz). Viel Worte braucht es nicht, wir wissen, wo unsere Bleibe (Blokhuys) für die nächsten vier Tage ist. Von aussen ganz hübsch anzusehen, trifft uns jedoch beim Betreten fast der Schlag. Hier sollen wir für vier Tage wohnen? Sehr, sehr rustikal kommt die Absteige daher, es kommt uns spontan nur ein Wort in den Sinn: What a Dump! Konsterniert räumen wir unser Gepäck in die enge, abgekämpfte Loge ein, es riecht muffig, das Badezimmer noch eine Steigerung von Muffigkeit. Was habe ich meiner Frau nur angetan, ich wollte ‘umsverrecken’ hier oben nächtigen. Wir genehmigen uns ein Savanna Dark und halten Kriegsrat. Aus unerfindlichen Gründen haben wir keinen Telefonempfang, trotz angezeigten vier Balken. Internet mit bestem Empfang wäre zu haben, aber saumässig teuer! Diese Bruchbude kostet ZAR 900 pro Nacht, das Strandhaus ZAR 800, will man uns hier abzocken?? Nach kurzer Pause fahren wir über den Pass zurück nach Clanwilliam, wo wir wieder Telefonempfang haben. So stehen wir am Strassenrand des mittlerweile ruhiger gewordenen Städtchens und kämpfen uns durchs Internet. Eine Bleibe so auf die Schnelle zu finden ist nicht ganz einfach. Jetzt meldet sich bei uns auch noch akuter Harndrang und so kurven wir wieder in die Höhe, resp. Einsamkeit, aber immer bedacht auf Telefonempfang. Es lässt sich beides vereinbaren, der Drang ist weg, aber der Empfang noch da. So surfen wir weiter in der Einsamkeit und finden endlich etwas passendes unten in Tulbagh. Ein Telefon und dann noch eine SMS und wir sind für drei Tage versorgt. Erleichtert treten wir die Fahrt zurück zu unserer masslos überteuerten, schäbigen Absteige an. Bald ist Apérozeit und unsere Gemüter beruhigen sich, nun, da wir nur eine Nacht in diesem Loch bleiben müssen. Ich rücke noch schwerbepackt aus, glaube, einen Standort für eine Abendaufnahme gefunden zu haben. Dies ist leider nicht er Fall, unverrichteter Dinge stolpere ich durch diese ungepflegte Farm zurück. Überall liegt Abfall rum, ausgediente Kühlschränke, Kochherde, etc, etc, werden einfach unter Bäumen ’entsorgt’, ein Sauenstall! Anstatt, wie geplant, Rindsfilet, gibt es ein schmackhaftes Chicken Rogan Josh mit Gemüse. Das gute Fleisch heben wir uns für eine schönere Umgebung auf. Wir merken, dass der Kühlschrank nicht mehr rattert, kein Wunder, schaut man das Stromkabel an, ein Skandal, unsere Ware ist bereits nicht mehr so kühl, ich empfehle, alles ins Gefrierfach zu bugsieren, meine Haushaltsexpertin will nichts davon wissen und stürmt mit Taschenlampe bewaffnet in die dunkle Nacht hinaus. Doch es findet sich niemand, der uns helfen könnte, die einzig anwesende Angestellte hat keine Ahnung und telefonieren können wir ja eben nicht. Unsere Stimmung verschlechtert sich zusehends. Wieder zurück im Cottage und nach rütteln, ziehen und klopfen hauchen wir dem Kühlschrank wieder Leben ein. Wie lange, wissen nur die Götter. Ein Highlight zumindest: der 2014 Durbanville Hills Cabernet Sauvignon (ZAR 65) kommt ganz gut bei uns an. Es hat 5 Weingläser hier, jedes anders! Vom weiteren, mageren Inventar schweigen wir lieber. Das winzige Schlafzimmer…..wie die Kissen riechen…………Das Badezimmer: eine Dusche hier zu nehmen hätte wohl ernste gesundheitliche Probleme zur Folge. Ich bereite mich für meinen Einsatz in der Früh vor, dies ja der Hauptgrund unserer Daseins hier. Unten, etwas der Geschichte vorgegriffen, das Resultat:

Die 'brennenden' Cederberge

Die ‚brennenden‘ Cederberge

17. bis 19. März 2016–Lambert’s Bay

Ich sehe keinen Berg! Dichter Nebel wohin ich sehe, ist der Herbst also quasi über Nacht gekommen. Trotz der nun recht tiefen Temperatur gibt’s Frühstück draussen, ein Faserpelz ist aber Pflicht.

Unser Häuschen...mit Sonne

Unser Häuschen…mit Sonne

Unser Häuschen…mit Nebel

Doch die Sonne ist nicht zu unterschätzen: unerbittlich brennt sie durch den Nebel und dieser gibt, widerwillig, auf. Das schöne Wetter ist zurück, allerdings ist die Temperatur nun wirklich angenehm, nicht zuletzt dem Westwind zu verdanken. Ein letztes Mal zuckeln wir die schlechte Farm Pad zur halbschlechten Strasse Richtung Dorf, dann geht’s links weg, nur noch 3km anständige Schotterpiste und wir sind wieder auf der N7. Flott kommen wir voran, die Landschaft linkerhand (Gifberg & Co.) sehr Arizona/Utah-haft. Nun wird immer mehr Landwirtschaft betrieben, natürlich ist alles bewässert in dieser Halbwüste, der Olifants Fluss muss hierfür herhalten. Man hat hier kilometerweise betonierte Bewässerungskanäle angelegt, die sich durch die hügelige Landschaft schlängeln. Meist, wie mir scheint, werden Reben angepflanzt. Wieder die berechtige Frage: wer trinkt all diesen Wein? Wir kommen in den Wochenendradius der Kapstädter, die Preise werden steigen. Clanwilliam ist nicht direkt an der N7, 3km östlich, am Fusse der bekannten Cederberge liegt dies Dorf. Ziemlich hektisch! Parkplätze nur entlang der Strasse, man/frau latscht über die stark befahrene Strasse, wo es einem gerade passt. Wir quetschen uns in eine Parklücke vor der Polizei, Abteilung Spurensicherung, hoffentlich sicher. Der ‚Super Spar‘ auf der anderen Strassenseite, Super ist nur die Grösse, nicht jedoch das Angebot. Der Wein im tops dann eher wieder zu warm gelagert, ich kaufe ein paar Flaschen im Spar, ist ja der gleiche Laden. Es kann weitergehen, Ziel das Meer bei Lambert’s Bay, 60 Kilometer entfernt. Clanwilliam ist ja bekanntlich die Hochburg des Rooibos Tees, komme nur in den Cederbergen vor, wir durchfahren endlose, flache Teeplantagen auf knapp Meereshöhe, aber ‘Bergtee’ verkauft sich werbemässig besser. Das Meer, resp. die Stadt, wohl eher Dorf, ist erreicht und der Nebel hat uns wieder. Ein Besuch im hiesigen Spar lässt Ernüchterung aufkommen, aber wir haben ja genügend Lebensmittel für die kommenden drei Tage. Wir hätten gerne Fisch gegessen, also zurück zur Info, wo frau uns ausgiebig alle Beizen erklärt, es soll hier sogar das zehntbeste Open-Air Restaurant (Muisbosskerm) der Welt haben. Bescheiden ist man hier nicht! Es verschlägt uns ins Isabella’s, unten am Hafen. Hier waren wir doch schon einmal vor ein paar Jahren? Eher eine Kneipe, aber eben bereits mit Kapstädter Preisniveau: Kingklip ZAR 112, Angel Fish ZAR 86. Die Ware ist jedoch reichlich und schmeckt auch. Ab und zu drückt die Sonne durch, doch meist sitzen wir leicht fröstelnd im Nebel, nebenan einer Kartoffelfabrik, welche Pommes produziert, richtig idyllisch ist’s nicht. Nun die kurze Fahrt zu unserer Bleibe, Abalone mit Namen. Einen Steinwurf vom tosenden Meer entfernt, präsentiert sich dies Haus als riesig: 3 Schlafzimmer, 3 Badezimmer, eine Riesenstube mit Blick aufs sehr nahe Meer, die Küche überdimensioniert und mit allem Schnickschnack ausgestattet, Garage ebenfalls dabei, weit übertrieben für uns zwei. Der Preis: CHF 50 pro Nacht! So üben wir uns einmal mehr im Wohnen, macht auch richtig Spass. Der Nebel daussen wird immer dichter, so muss ich nicht zum Strand runter, die krachenden Brecher sehe ich auch von hier aus. Das Abendessen dann reduziert, der Fisch war gut und reichlich, viel kriegen wir nicht mehr runter. Der Wein: 2012 Shiraz von Teubes, ZAR 97 sind weit überzahlt, der Tropfen vom Olifants River bei Vredendal ist anständig, aber keines wirklichen Lobes würdig.

Lambert's Bay, links die Pommes Frites Fabrik, rechts Isabella's Sea Food Restaurant

Lambert’s Bay, links die Pommes Frites Fabrik, rechts Isabella’s Sea Food Restaurant

Die Nacht war ruhig, das Meeresrauschen angenehm einschläfernd. Im dichten Nebel stehen wir spät, 7:30 Uhr auf. Gemäss Prognose soll der Nebel heute weniger dicht sein, schauen wir mal…Zuerst müssen wir den Dient des Elektroheizstrahlers (!) in Anspruch nehmen, es ist arg frisch in der grossen Stube. Der Nebel will nicht weichen, so warten wir geduldig, ein Programm für heute, ausser Mittagessen, haben wir ja nicht. Gegen die Mittagszeit machen wir uns, trotz Nebel, auf ins Städtchen. Nicht gerade umwerfend, was da einem präsentiert wird….hier wohnen zu müssen….ich weiss nicht. Die hohe Arbeitslosenrate kommt man hier brutal vor Augen geführt, sehr viele Leute hängen einfach herum, auffallend leider auch sehr viele eigentlich schulpflichtige Kinder. Diese betteln jeden um 5 Rand oder ein Brot an. So richtig kommt keine Ferienstimmung auf und es kann nicht nur am dichten Nebel liegen. Wir marschieren noch rüber auf Bird Island (ZAR 40 Eintritt ohne Wild Card), machen aber ziemlich schnell kehrt: es stinkt gewaltig bei der Vogelkolonie draussen. Ich mache noch einen Schnappschuss von vermeintlichen Fischerbooten, welche sich aber dann als Diamantenstaubsauber-Boote entpuppen. 20 Meter unter Wasser rackern sich verwegene Arbeiter (pro Monate können sie nur 6 sechs Tage arbeiten) ab, um den Meeresboden mit grossen Staubsaugern rauf zu pumpen. Oben wird der Dreck dann sortiert und man hofft in diesem Schlick Diamanten zu finden. Wir sind wieder im langweiligen Dorf zurück und können wesentlich freier atmen. Wir können uns nicht entscheiden, ob wir in der Weskus Kombuis oder erneut bei Isabella’s essen sollen. Isabella’s ist gut besucht, während das andere Etablissement mit Leere glänzt. So marschieren wir hin und her und landen schliesslich in der Weskus Kombuis. Ausser zwei Damen mit schrecklich lauten Goofen ist der Laden leer, doch nicht verzagen, wer wagt gewinnt. Crayfisch (nicht für mich!) und Calamari werden geordert. Die Gerichte kommen und schmecken ganz ordentlich, etwa in der selben Liga wie gestern. Unsere Vermieterin Theunette kommt daher und stellt uns ihren Freund/Mann (man weiss es nicht so genau) vor. Der Herr begrüsst uns mit einem herzlichen ‘Grüezi Mitenand’. Hat man/frau noch Töne! Er habe längere Zeit in Küsnacht gelebt, ja er möge sich an die Drogerie Ecke Oberwacht/Alte Landstrasse erinnern. Die Welt ist klein. Nun baut er hier Wein an, wir nippen gerade an einem seiner Tropfen. Kookfontein, sein Weingut, eine Flasche liegt in unserem Kühlschrank, wie sich nun herausstellt, als Willkommensgeschenk. Und der Wein ist nicht einmal schlecht, einer der besten bis dato verköstigten Weissweine (Sauvignon Blanc)! Ob wir seine Farm besichtigen wollen? Wir lehnen dankend ab, die Leute sind noch mitten in der Ernte, da wollen wir lieber nicht stören. Zufrieden marschieren wir zurück in unser grosses Haus, der Nebel immer noch unser treuer Begleiter. Der Lunch brachte uns um ZAR 320, vernünftig, war doch Crayfisch (ZAR 130) mit von der Partie. Wir gönnen uns ein Mittagsschläfchen, während es draussen vor sich hin nebelt. Vielleicht habe ich dies bereits erwähnt, aber wir finden beide, dass die Leute hier sehr viel angenehmer und freundlicher sind, als diejenigen in Neuseeland. Abends dann ein reduziertes Essen, lediglich schmackhaftes Hackfleisch mit Brot, dazu ein Glas 2013 Lyra, ein Shiraz Reserve  der Orange River Cellars, gut, aber nicht die bezahlten ZAR 90 wert. Es ist kühl, wir müssen, Schande, heizen! Heute haben wir die Sonne nicht ein einziges Mal gesehen. Wir wir übrigens beim Nachhausemarschieren feststellten, wohnten wir vor ein paar Jahren nur ein Haus entfernt vom jetzigen, allerdings an der oberen Strasse.

Ich stehe um 7:00 Uhr auf, alles grau in grau! Heute ist ein Outdoor Lunch am Strand auf dem Programm, wenn das nur gut geht….Erneut müssen wir die Heizung in Betrieb nehmen, es ist frisch bis kühl/kalt. Eine Terrasse hätten wir zwar, doch das Frühstück essen wir lieber in der warmen Stube. Oh Wunder, die Sonne drückt durch die schwere Nebeldecke, vielleicht haben wir Glück und kriegen einen sonnigen Tag oder zumindest Nachmittag.  Gegen 11:00 Uhr marschieren wir ins nahe Dorf, viel läuft nicht, die üblichen Herumhänger hängen halt herum. Wir kaufen noch drei Flaschen des hervorragenden Sauvignon Blanc von Kook Fontein, nun bekommen wir auch den Preis zu Gesicht: stolze ZAR 72 pro Flasche, aber der Tropfen ist sein Geld wert. Ein 1 Kilo Sack meines geliebten ‘Vital Müesli’ (ZAR 70) wird noch erworben, sollte die letzten paar Wochen hier noch reichen, Nüsse haben wir ja noch genügend. Wir schlendern noch ein wenig südwärts dem Meer entlang, hier hat es auch noch etliche, bessere Ferienhäuser, inkl. Mietunterkünfte. Das Restaurant ‘Muisbosskerm’ ist 4.5 Kilometer weiter südlich, knapp jenseits der Wander-Schmerzgrenze, so fahren wir halt runter. Der Weg hätte sowieso immer der Strasse entlang geführt, nicht sehr angenehm. Man hat uns auf 12:00 Uhr bestellt und um 12:00 Uhr stehen wir auch auf der Matte. Die Leute wollen zuerst einmal Geld sehen, ZAR 250 pro Nase scheinen uns etwas viel, aber wir bezahlen. Eine Flasche Wein (wieder der Kook Fontein) bringt uns um weitere ZAR 90. Dann beginnt die Warterei, wir warten und warten und warten. Nichts geschieht, es kommen lediglich mehr Gäste eingetrudelt, welche sich dann ebenfalls im Warten üben können. Der Himmel ist mittlerweile blau, der Nebel ist weg, wenn auch ein ziemlich forsches Lüftchen weht. In der Zwischenzeit haben wir den tisch gewechselt, die Grossfamilie vor uns mit schreienden Goofen hat die Warterei nicht angenehmer gemacht. Nun sitzen wir allein unten am Strand, die Wellen donnern ans steile Ufer, doch 20 Meter (Flucht-)Distanz haben wir noch. Nach fast ANDERTHALB STUNDEN Warten wird der erste Fisch aufgetragen. Wie die hungrigen Wölfe stürzt sich die Gästeschar auf das Essen. Die Auswahl noch bescheiden, aber alle paar Minuten gibt es mehr Fisch, auch eine sehr schmackhafte Paella ist im Angebot. Die Ware schmeckt gut, ist raffiniert gewürzt und vor allem reichlich. Aber wieso man die Leute auf 12:00 Uhr bestellt und dann erst kurz vor halb zwei das Essen auffährt, bleibt uns ein Rätsel. Fertig mit der Meckerei, es wird kräftig weitergefuttert. Die Fische schmecken wirklich alle gut, wenn auch in allen riesige Gräte drinstecken, Vorsicht ist geboten. Dann kommen noch drei Curries auf den Tresen: ein Kuttel, ein Lamm und ein Springbok, alle drei lasse ich links liegen, ich halte mich an Seafood. Nur zum Schluss gegen 15:00 Uhr leisten wir uns noch zwei Scheiben sehr guten Steaks, fünf riesige Dinger werden langsam über Holzkohle (wie die Fische natürlich auch) gebrutzelt und sind so butterzart, wenn auch eine Spur zu gut durch, das Fleisch ist im Nu weg, die Leute hier haben einen gesegneten Appetit und einen Durst noch dazu. Zufrieden geht’s heimwärts. Solch ein Essen wollte ich schon immer einmal ‘erleben’, nun wir haben’s gemacht und so schnell machen wir es nicht wieder, grenzt es doch arg an Völlerei. Es ist schönstes Wetter und warm, aber der Wind kühlt mächtig ab, so wird nix aus einem längeren Verdauungsspaziergang. Abends ein bescheidenes Abendbrot, eben Brot, Käse und Wurst. Der Wein: 2103 ‘1st Lady’ Cabernet Sauvignon von Warwick (ZAR 80). Morgen geht’s in die Berge hoch, hoffentlich habe ich noch genügend Batterie für ein oder zwei Panos der roten Cederberge.

14. bis 16. März 2016 – Vanrhynsdorp

Ich stehe um 6:10 Uhr, wie früher zu Arbeitszeiten. Nur macht mir die jetzt folgende Arbeit weit mehr Spass. Mit von der Partie natürlich wieder die beiden Hunde. Der Quiver Tree ist schnell erreicht, das Morgenorange (wieso eigentlich –rot?) ganz passabel, ein Freude hier draussen in der schönen und ruhigen Natur fotografieren zu dürfen/können. Sehr zufrieden geht’s, erneut zu Dritt, zurück.

Ein Köcherbömche!

Ein Köcherbömche!

Es folgt ein Frühstück, drinnen heute. Es ist sehr viel wärmer als gestern, der Wind macht Pause und so haben die Fliegen Jahrmarktstimmung, sind wir bereits in Australien? Nun buchen wir die Flüge nach eben diesem Fliegenland. Etwas über CHF 1,100 pro Nase finden wir sehr fair, fast schon billig. So werden wir von Mitte November bis Mitte Januar in Down Under weilen, Weihnachten inbegriffen! Es soll heute nach Vanrhynsdorp runtergehen, mit dem Abstecher nach Springbok rauf satte 300km. Nochmals sei’s erwähnt, die Unterkunft sauber, aber klein und einiges zu teuer, für ZAR 900 hatten wir schon ein ganzes, wunderschönes Haus (Prince Albert). Schluss mit lamentieren, ab in die Stadt, die Fahrt auf der Sand/Schotterpiste eine Qual für Wagen und Insassen. Nach zehn Minuten haben wir wieder Asphalt unter den Rädern, nur noch ein paar flotte km sind es bis zum Spar. Heute ist weit weniger los als als am Samstag, leer ist der Laden deswegen auch nicht. Benzin brauchen wir auch noch, der gutmütige Nissan will kaum 6.5 Liter für hundert km und wir belohnen ihn mit übelster Holperpiste. Es geht gen Süden, es sind ja nur noch knappe 600 Kilometer bis Kapstadt oder etwas über 900 Kilometer rauf nach Windhoek. Die Landschaft bleibt sehr schön anzuschauen, rote Hügel/Berge, die Strasse immer auf und ab, sehr abwechslungsreich. Dies wohl das Namaqualand, im August/September/Oktober dann nicht mehr so menschenleer, die ‘Blumenschauer’ müssen diese Gegend dann völlig überrennen, die Übernachtungspreise steigen schamlos in den meist blauen Himmel. Heute ist es wirklich eine ganze Spur heisser als gehabt, doch wir verbringen die meiste Zeit drinnen im klimatisierten Auto. Südlich von Garies, etwa auf der Höhe der Provinzgrenze Northern & Western Cape dünnt der Landschaftseindruck merklich aus. Die Strasse übrigens gut in Schuss, es wird auch kräftig ausgebessert, hier sieht man, wo der Benzinzoll hinfliesst (zumindest meine ich dies…..). Auffallend, aber nicht weiter verwunderlich, die vielen Wagen (meist deutscher Hersteller) mit Namibischen Nummernschilder welche nord- und südwärts brettern (120km/h das unterste Limit). Aus der Ferne ragt der Hausberg von Vanrhynsdorp, der Maskam Mountain wie der Bug eines riesigen Schiffes aus der Ebene empor, wir haben einiges an Höhenmetern preisgegeben, von 1,000 geht’s runter bis 140 Meter. Lunchpause machen wir unterwegs an  einer der vielen ‘Rastplätze’. Traurig immer anzusehen, dass die Benutzer nicht etwa die bereitgestelten, grossen Abfalltonnen benutzen, sondern ihren Schweinekram in die Natur hinauswerfen!  Das 5,000 Seelen Dorf Vanrhynsdorp ist erreicht, aber wir bekunden Mühe uns hier zurechtzufinden. Den einstigen Supermarkt gibt es nicht mehr, die Alternative etwas arg schmuddelig. Alles sieht irgendwie anders aus als noch vor ein paar Jahren. So belassen wir unserer Einkäufe bei einem 6 Pack Savanna Dark (ZAR 75) und holpern dann auf übelster Piste raus zur Maskam Guest Farm. Eine Tortur ersten Grades!  10 Kilometer, wenn dies nur die Reifen mitmachen! Sie halten durch und wir sind auf der Schaf/Ziegenfarm. Die Chefin ist nicht anwesend, die Angestellten leider des Englischen unkundig und wir im Gegenzug unkundig in Afrikaans. Doch wir finden unsere Behausung mit Namen Berggans, ein hübsches Häuschen am Rande der Farm mit grandioser Aussicht sowohl auf den Maskam- als auch den Gifberg. Herrlich! Die Einrichtung tipptopp, einzig ein Büro für meine Computertätigkeit vermisse ich und so tippe ich halt am Küchentresen meine Memoiren, resp. sichte meine Bilder. Internet gibt’s auch, die Begrenzung auf 500MB plötzlich nicht mehr so wichtig. Die Hausherrin erzählt dies und das, was man alles so hier machen könne…..ich will nur meine Ruhe und die Tafelberge ablichten, mehr nicht. So erkunde ich die knochentrockene Gegend um unsere Bleibe, der nahe Teich, fast schon ein See, ist mehr als nur leer, kein Tropfen Wasser, nur trockener Erde mit tiefen Rissen. Es ist enorm ruhig hier draussen! Das Abendessen: Rump Steak (Food Lover’s Market, Upington) ein Renner, butterzart, kein Vergleich zu den zähen Sirloin Steaks (Superspar, Springbok, ZAR 140/kg) vor zwei Tagen. Während des Abendessens wird der Maskam Berg immer röter, ein Pano muss her, sehr schön. Ah, der Rotwein: 2013 ‘Mountain Red’ von Thelema, ganz gut, wenn auch nicht obere Liga (ZAR 65). Danach ist erneut Star Gazing angesagt. Wieder muss ich zur Kamera greifen, die Fülle an Sternen kaum zu glauben. Hier draussen gefällt es uns ungemein!

Ich stehe natürlich weit vor Sonnenaufgang auf, die schönste und kühlste Zeit des Tages. Das Wetter ist immer noch in Topform, soll aber gegen das Wochenende einiges schlechter und kühler werden. Es findet sich ein Standort für ein Pano des langen Gifberg (=Giftberg!). Nicht knallrot, aber anständig orangerot wird er von der aufgehenden Sonne angestrahlt. Frühstück dann draussen, noch ist es auszuhalten, doch die Sonne brennt hier wirklich kräftig auf uns Erdenbürger nieder. Wir wagen einen Ausflug, trotz miserabler Strasse, zum Gifberg hoch. Die Passtrasse kühn angelegt, die Aussicht auf Berge und weite Ebenen imposant und das Geholper noch imposanter. Nach nicht sehr vielen Kilometern drehen wir um, hier oben gibt es eigentlich nicht sehr viel zu sehen, weite Einsamkeit halt. Wieder zurück im Cottage ist es bereits zu heiss draussen, so sitzen wir drin und kümmern uns um Unterkünfte über Weihnachten und Neujahr. Das Peisniveau in Australien natürlich einiges höher als hier in Südafrika, aber es hat auch ein paar sehr schöne Selfcatering Häuschen im Angebot. Ohne Reiseführer sind wir etwas orientierungslos, was wo und wie man sich in Westaustralien touristisch bewegt. Wir starten zwei anfragen, eine am Meer nördlich und eine in einer Hügellandschaft südlich von Perth. Wir wagen uns erst um 18:00 Uhr aus unserer relativ kühlen Bleibe, Apéro muss es natürlich draussen geben, die Kulisse ist es wirklich wert. Heute zeigt sich der Maskam Berg (immerhin 1,000 Meter hoch, wir hier auf 140 Meter) nicht ganz so rot, am Westhorizont hat es eine etwas trübe Suppe. Abenessen: Spaghetti! Dazu ein Glas 2014 Pinotage von Die Mas (ZAR 64), üpprig, fruchtig, fast schon süss. Das Gegenteil von einem Cool Climate Wine (dem Schlagwort in Tasmanien….). Es kühlt angenehm ab, wir sitzen draussen und schauen in die Sterne.

Milchstrasse über dem Gifberg

Milchstrasse über dem Gifberg

Ich muss mich fotomässig einschränken, das Akkuladegerät hat seinen Geist vollends aufgegeben, so bleiben mir nur noch zwei halbwegs volle Batterien…….bin nicht sehr begeistert. Vor den Sternen folgt jedoch noch eine sehr schönes After Dawn Licht, Der Maskam brennt fast, eindrücklich!

Maskam Mountain

 

Tagwache heute bereits um 5:30 Uhr, möchte trotzdem nochmals Sterne fotografieren, doch die Milchstrasse hat sich aus dem Staub gemacht und der Tage kommt unerbittlich, es ist zu hell, trotz Dunkelheit! So belasse ich es mit ein paar Bildern der Maskam Silhouette. Aber nur schon das Drausensein und die Ruhe sind Gold wert, Foto hin oder her! Morgenessen wieder draussen derweil eine Schafherde um unser Häuschen zieht und jedes noch so kleine Grünzeug wegputzt, die Gegend ist wirklich staubtrocken, könnte Regen gebrauchen. Danach wieder Bürodienst: Antwort aus Australien, die Nobelloge in North Perth wäre zu haben….der Preis….was soll’s, wir buchen und zahlen. Zwei andere Angebote sind ebenfalls da, diese in Balingup gelegen, können uns noch nicht ganz einigen. Wir machen ein ‘Ausfährtli’ nach Neuwaldstadt (Nieuwouldtville) rauf, 60 Kilometer ein Weg und 700 Meter Höhenunterschied. Der 7km ausserhalb des tristen Kaffs gelegene Wasserfall ist natürlich ausgetrocknet, trotzdem vertreten wir uns die Füsse und schauen in eine sehr grüne Schlucht runter, etwas Wasser ist vorhanden, jedoch nur in einem Pool, nichts plätschert von den Steilwänden. Das erwähnte Dorf dann eben ein Kaff, auffallend die vielen Übernachtungsmöglichkeiten….wieso nicht gleich runter ins einigermassen anständige Vanrhynsdorp?

Gifberg

Gifberg

Einzig die Temperatur ist hier oben auf knapp erträglichem Niveau. Doch wir kurven zurück, die Passstrasse imposant angelegt, einmal mehr von Pass-Guru Thomas Charles John Bain, welcher für 20 Passtrassen in Südafrika verantwortlich zeichnet, sein Vater Andrew Geddes Bain für ‘nur’ deren 8. Den Rest des Nachmittages verbringe ich hinter dem Computer oder starre in die ruhige Landschaft hinaus. Wieder wandern Schafe durch unseren Vorgarten und laben sich an weiss Gott was für Grünzeug. Gegend Abend kühlt es unerwartet ab, soll uns nur recht sein. So kann ich draussen auf der Veranda sitzen und mein Notebook quälen. Nun kommt auch noch ein Riesenwindhund daher spaziert und freundet sich sofort mit mir an. Immer noch mag ich keine Hunde, aber die scheinen dies nicht zu wissen. Chicken & Rice unser nicht ganz verdientes Abendbrot. Ein letztes Mal vor der eindrücklichen Maskam Kulisse, das Rot heute wieder etwas flau, aber rot allemal. Der 2011 Shiraz von Lomond, ein ‚Cool Climate Wine‘, mag nicht zu überzeugen, ziemlich bitter, die ZAR 90 nicht wert. Verglichen mit dem gestrigen ‚Kalahari Sirup‘ wird dieser Wein 700 Kilometer weiter südlich angebaut (Cape Agulhas). Den Rest des Abends verbringen wir erstmals drinnen, es hat merklich abgekühlt.

Maskam Mountain vor Sonnenaufgang

Maskam Mountain vor Sonnenaufgang

Gifberg (= Giftberg)

Gifberg (= Giftberg)

12. und 13. März 2016 – Springbok

Kaum geht er Wecker, bin ich auch schon auf. Gestern war ich ein paar Minuten zu spät, soll wir heute nicht passieren. Das Morgenorange (es ist eben nicht MorgenROT) erneut wunderbar. Alles klappt heute perfekt, ich habe genug Zeit, alle Einstellungen zu überprüfen, den Bildausschnitt x-mal zu verändern, bis dann der Star des Tages über den Berg lugt: die Sonne! Glaube ein gutes Bild gemacht zu haben und alsbald räume ich meine Siebensachen zusammen und schlendere gemütlich, noch ist es angenehm warm, zum Chalet zurück. Nach einer Dusche geht’s ans Frühstück, natürlich draussen, obwohl die Temperatur bereits kräftig nach oben geht. Das Morgenessen soll nicht sein: ein extrem frecher Affe reisst meiner besseren Hälfte den Toast aus der Hand und stürmt davon, aufs Dach, wo er das Diesbesgut genüsslich verzehrt. So ein Saukerl! Wir essen schmollend drinnen weiter. Ich möchte mich gerne revanchieren und lebe nochmals ein kleines Stück Brot draussen auf den Tisch. Sofort kommt ein (derselbe?) Affe angetanzt und will die Beute holen, ich schreie und fauche den Kerl an, dieser schreit und faucht heftigst zurück! Sehr aggressive Zeitgenossen! Dann lasse ich denn Dieb gewähren, aber während er das Brot in einen unglaublichen Tempo an sich reisst, kriegt er eine Ladung Wasser von mir ab. Leider nicht genug, also das Spiel nochmals von vorne. Erneut ist der freche Kerl sofort zur Stelle und rennt schnurstracks aufs Brotstück los. Diesmal kriegt er aber eine sehr feuchte Breitseite geknallt, dass er japst. Gerechtigkeit ist getan! So, wir können weiter nach Springbok, immerhin über 320 Kilometer. Noch schnell etwas Benzin gebunkert und die rasante Fahrt gen Westen kann losgehen. Anfangs eher langweilig, wird die Gegend plötzlich wunderschön: wie oben in Namibia (ist auch auch nur einen Steinwurf von hier entfernt….): wogende, weisse Grasfelder und rötliche Hügel/Berge. Kurz vor Poffadder ist Schluss mit Landschaft, sie wird langweilig wie das Dorf mit dem komischen Namen. Wir fahren einmal die Vortrekker Strasse auf und ab, das wär’s von touristischen Seite. 30km westlich von Poffadder wird’s wieder namibisch, wunderschön, wenn man diese Art von Landschaft mag, versteht sich. Wir näheren uns unerbittlich Springbok, die Gegend nun recht hügelig, sehr ansprechend fürs  Auge. Die Zivilisation (in form eines Super Spar) hat uns nach 300km wieder. Es ist Samstagnachmittag und jederfrau/man kauft ein. Der Laden sehr schön und gut bestückt. Im angrenzenden Weinladen von Spar (tops) kriegt der Connaisseur auch Weine für ZAR 500 die Flasche! Die Stadt, 1,000 Meter hoch gelegen, hat über 10,000 Einwohner, 80% Farbige, knapp 15% Weisse und 4% Schwarze. Noch sind es knappe 10 Kilometer raus zur Sperrgebiet Lodge, unserer Bleibe für zwei Tage. Die letzten paar Kilometer dann allerdings arg holperig und staubig. Die Unterkunft ist ziemlich abgelegen, umrahmt von schönen Hügeln, welche abends/morgens rot angestrahlt werden könnten. Das Häuschen ist klein aber fein und auch noch recht neu, WiFi ist im Preis inkludiert und auch recht flott. Allerdings sind ZAR 900 pro Nacht nicht sehr günstig…..wir haben uns mittlerweile ans hiesige Preisniveau angepasst. Es ist schön ruhig hier draussen, die Klimaanlage flüsterleise und auch den Kühlschrank hört man kaum. Wir geniessen die unglaubliche Weite und Ruhe hier draussen, für eine längere Wanderung ist es doch zu heiss. Ich erkunde nur die unmittelbare Umgebung, habe ich doch ein paar Köcherbäume entdeckt, immer ein sehr dankbares Fotosujet, jedoch erst nach Sonnenuntergang oder wieder vor Sonnenaufgang. Abnds rücke ich dennoch nicht aus, die umliegenden Berge sind zwar schön anzusehen, doch richtig phänomenal sind sie und das Abendlicht auch nicht. So belasse ich  es mit ein paar Bildern eines hinter unserem Rondavel stehenden Kokerboom, natülich erst nach Sonnenuntergang. Dies Ding ist jedoch nicht so stattlich, wie seine grossen Brüder nördlich der Grenze. Wir sind alleine, keine Krachmacher, sorry: Gäste stören unseren Frieden. Wir starren in den Nachthimmel hinauf, die Milchstrasse perfekt auszumachen, herrlich. Nach 40 Jahren kommt es mir in den Sinn, ich könnte auch einmal den Nachthimmel ablichten, gesagt, getan. Die Resultete ermutigend, wenn auch sehr rauschig, werde wohl morgen nochmals üben. Das Nachtessen übrigens eher mittelprächtig, die relativ teuren (ZAR 140/kg) Sirloin vom Spar entpuppen sich als enorm zäh. Zumindest tröstet uns ein sehr guter 2013 Shiraz von Backberg (ZAR 100). Es kühlt ab, wir brauchen keine Klimaanlage, können alle Fester weit offen lassen, wir haben ja unsere zwei Wachhunde, welche mich auf Schritt und Tritt begleiten, als ob ich ein Hundefan wäre!

Usner 'Haus-Köcherbaum' 10 Meter von der Stube entfernt

Usner ‚Haus-Köcherbaum‘ 10 Meter von der Stube entfernt

Ich bin zu faul, um aufzustehen, das Predawn wäre wohl vorhanden, aber….Um 6:30 Uhr geht’s dann trotzdem los, allerdings ohne Fotoapparat, aber mit den beiden Hunden. Ich rekognosziere noch einmal den Hügel, zehn Minuten Fussmarsch entfernt, die Köcherbäume dort wären wirklich für ein Morgenabenteuer geeignet.  Wir drei machen uns auf den Heimweg, die Hunde rennen, was die vier Beine hergeben, ich gehe es gemütlicher an. Es ist übrigens recht kalt, der Wind weht nun wieder einmal von Westen. Trotzdem essen wir unser Frühstück draussen, ein Aussentisch wird leider nicht geboten, ziemlich Schade. Heute machen wir……nichts! Ich habe immer noch genug mit meinen Bildern zu tun und wir müssen auch noch tüchtig für den kommenden November recherchieren, das WiFi, wie gesagt, von der flotten Seite. Immer noch ist es recht kühl, eigentlich gerade angenehm,die Mordhitze bei den Augrabies Fällen war doch etwas arg lähmend. So einigen wir uns nun definitiv auf Westaustralien, auf direktem Weg (halt über Dubai…), nicht mit Stopover Singapur. CHF 600 sind so zu sparen auch nicht schlecht. Buchen wollen wir allerdings erst Morgen, man soll solche wichtigen Entscheidungen eine Nacht  überschlafen.

Mein Lieblingsbaum - der Köcherbaum

Mein Lieblingsbaum – der Köcherbaum

Bald wird es wieder Abend, haute hat es auch Mitbewohner, ein Ehepaar unmittelbar neben uns, die Rondavels sind etwas eng zusammengebaut, Platz hätte man hier draussen zwar in Hülle und Fülle. Ein anders Paar dann etwas weiter von uns entfernt. Wie es Murphy so will, hören unsere Nachbarn bei offenen Fenstern Fernsehen, nicht sehr rücksichtsvoll, hier in der wunderbaren Ruhe. Chicken mit Ginger und dazu Couscous, war das heutige Abendessen. Der Wein: 2012 Cabernet Sauvignon/Merlot von Beyerskloof (ZAR 72) schmeckt vorzüglich. Wieder ist Sternengucken angesagt, leider mit Fernsehlärm….. Ich übe noch einmal, die Milchstrasse abzulichten. Diesmal habe ich einen guten Vordergrund gefunden: ‘mein’ Kokkerboom, zehen Meter vom Rondavel entfernt. Der viertelmässige Mond beleuchtet diesen speziell dreinschauenden Baum wunderbar, die Sterne kommen trotzdem sehr gut zur Geltung…..doch ISO 6400 sind etwas arg viel für die betagte Kamera (welche eigentlich schon lange gestorben sein sollte, ginge es nach den Leuten von Nikon Kapstadt).

Ein Köcherbaum und die Milchstrasse

Ein Köcherbaum und die Milchstrasse

8. bis 11. März 2016 – Augrabies Falls National Park

Das Wetter ist in seiner alten Form zurück: keine Wolke am Himmel. Dafür ist ein paar angenehme Grade kühler als auch schon. Ein, resp. zwei Plätze im Frühstücksraum zu ergattern erweist sich als unmöglich: alles besetzt. So sitzen wir draussen im eher kühlen Schatten und müssen nach zwei Minuten bereits den Faserpelz montieren, der Wind ist KALT. Viel esse ich nicht, möchte lieber mein obligates Müesli ‘mampfen’, dies mache ich wenig später auch, allerdings in unserem Zimmer. Die Gruppe, welche den Esssaal in Beschlag genommen hat ist mir zu laut und Essmanieren lassen einige Leute auch vermissen. ‘Women for the Struggle Against Poverty’ steht auf den T-Shirts geschrieben, man/frau überfüllt jedoch die grossen Teller mit allerlei Essbarem und lässt kurze Zeit später mehr als die Hälfte davon einfach stehen! Wir räumen das Feld, ein grösserer Einkauf steht an bevor wir zu den Wasserfällen rausfahren. Die Weinauswahl bei Checkers sieht nach genauerer Prüfung nicht mehr ganz so toll aus, SPAR (resp. tops) hat das bessere/edlere Angebot. Es kann definitiv raus in die Wüste gehen, Essen und Trinken haben nun wir für etliche Tage. 10km ausserhalb der recht ansprechenden Stadt merken wir, dass 3 Wäschestücke fehlen, zwei davon sind meine geliebten Hawaii Hemden. Also wieder zurück, nochmals durch den dichten Verkehr bis zur Lodge am Fluss. Man hätte uns angerufen und sogar ein e-mail gesandt. Na ja, ist ja alles gutgegangen. Nächster und letzter Versuch, Uptington zu verlassen und der gelingt auch, wir fahren durch endlose Weinfelder, wer trinkt nur all diesen Wein? Mit Verlaub, hier wird nicht der beste Wein des Landes angebaut, nur die grösste Menge. Orange River Cellars, 850 Weinbauern die zugleich Aktionäre sind, pflanzen auf 4,200 Hektaren allerlei Trauben an welche 50 Millionen Liter Wein erbringen (aus 123,000,000kg Traubengut). Die Rebstöcke enden erst kurz vor Erreichen des National Parks, kaum zu glauben. Ohne den gutmütigen Oranje würde wohl hier kaum ein Träubchen wachsen. Wie gehabt, können wir nicht vor 14:00 Uhr Zimmerbezug machen. So marschieren wir halt zuerst den den nahen Fällen runter und es kommt tatsächlich Wasser runter, haben die durstigen Weinbauern noch nicht alles Wasser in ihren Weinfelder umgeleitet. Der Wasserfall ist so, wie wir in bisher immer gesehen haben, doch auf Bildern sieht man ihn auch ganz anders, tobende, tosende und brodelnde Wassermassen stürzen von allen Seiten hinunter in die enge Schlucht. Ok, Lunch ist auch gleich fällig, wird auf den Picknick Area erledigt. Nun ist es 14:00 Uhr, ich besorge mir den Schlüssel für (Halb)bungalow #7. Nicht das neueste Modell, aber weit besser, wie auch schon gehabt (CHF 65 pro Nacht). Vor ein paar Jahren waren wir erst mit dem dritten inspizierten Chalet halbwegs zufrieden. Die Klimaanlage wurde endlich ersetzt, die neue ist einiges leiser, aber immer noch laut. Wohnraum ist eher knapp bemessen: Stube & Küche kombiniert, alles halt schon in die Jahre gekommen. Ein Nachtrag noch: wir konnten hier oben erst ab heute ein freies Bungalow kriegen, alles war vorher restlos ausgebucht. Nun wissen wir auch wieso: auf der Fahrt hierher kamen uns unzählige Nobelkarossen aus dem Schwabenland entgegen, alle mit Nummernschildern Stuttgart oder Böblingen. Wieder so eine Hitzetest wohl für die Klimaanlagen. Letztes Mal waren hier die Kollegen aus München und hatten am Abend im Restaurant ihren Auftritt. Damals testeten die ganz coolen Typen wirklich ihre Klimaanlagen, also nehmen ich an, dass es die Schwaben heuer auch gemacht haben. Die recht grosse Anlage (gegen 50 Chalets) ist nun nämlich sehr spärlich belegt. Wir räumen unseren gesamten ‘Karsumpel’ ein, was seine Zeit nimmt, ich arbeite nun im hier üblichen Tempo, langsam, denn es ist mittlerweile wieder sehr heiss geworden. Abends ein mittelprächtiges Chicken Curry, vorher verschwinde ich allerdings noch für eine halbe Stunde auf einen nahen Hügel, ein oder zwei Panoramas stehen auf meiner Wunschliste. Die Sonne geht perfekt unter, meine Berge werden rotangestrahlt, bin aus technischer Sicht eigentlich zufrieden, allerdings lässt die künstlerische Umsetzung zu wünschen übrig. Was nicht immer an mir liegen muss, es darf auch einmal die nicht sooo spektakuläre Landschaft schuld sein.

Aloe dichotoma

Aloe dichotoma

Die Nacht war dank offenen Fenstern sehr gut auszuhalten. Gemäss Vorschriften/Anleitungen hier sollte man/frau allerdings keine Fenster und Türen offen lassen: …’to keep Animals, Reptiles and Insects out’. Sind letztere nicht auch Teil der Tierwelt? Die Temperatur ist bereits jenseits der angenehm Marke. Ohne Kopfbedeckung geht’s bei Morgenessen nicht. Wir wollen heute zum Ararat Viewpoint raus fahren, ein paar Kilometer nur, aber natürlich Naturstrasse. Dreimal quert auch ein Bach/Flüsschen die einigermassen präparierte Piste, doch das Wasser ist nicht erschreckend tief. Einmal draussen am Aussichtspunkt spurte ich sogleich los……es ist heiss, aber nicht so heiss wie seinerzeit im Februar als ich fast einen Hitzschlag bekam. Die Landschaft eindrücklich, ein Bild des weit unter uns vorbeifliessenden Oranje zu machen ist hingegen eher schwierig, so konzentriere ich mich auf die diversen skurril geformten roten Steine. Nach einer knappen Stunde treten wir die Rückfahrt an. Ein Stopp gibt’s noch beim Moon Rock, den wir aber leider nicht finden, doch Bewegung tut gut, wenn es auch arg heiss ist. Nachtrag: der ‚Mondstein‘ war derjenige, auf dem wir rumgekraxelt sind. Zurück im kalten Bungalow macht jeder was er will, ich muss natürlich meinen Bilderberg wieder abtragen, habe viel zu viele Nashornbilder geschossen…. Ein Rindsfilet ist angesagt, dieses wird butterzart, himmlisch, dazu zwei (!) Gläser des ebenfalls himmlischen 2012 Shiraz ‘Christina van Loveren’, ZAR 150 die Bouteille, aber seinen stolzen Preis spielend wert. Danach zügeln wir wieder auf die Terrasse und schauen uns einmal mehr den grandiosen Südsternenhimmel an.

Ein Klippschliefer (Procavia capensis)

Ein Klippschliefer (Procavia capensis)

Das knallorange Morgenrot weckt mich! Ich setze mich draussen auf die Terrasse und schaue der Farbenorgie zu. Allmählich dämmert es mir, dass ich auch den Rucksack und das Stativ schnappen und etwas fotografieren könnte….man wird halt älter/bequemer. Die Wasserfälle ‘bringen es nicht’, zu wenig Wasser und den Aufschlagspunkt (oder wie der wohl heissen mag) sieht man von der Plattform aus nicht, sodass ein Bild etwas kastriert daherkommt. Ich versuche mein Glück noch mit der aufgehenden Sonne, bin aber 30 Sekunden zu spät dran. Für Morgen vorgemerkt: Sonnenaufgang links den den Fällen, könnte ein anständiges Bild geben. Dann noch ein par Steine, kann es halt nicht lassen und ein Pano oder zwei, auch ein Dassie liegt noch drin. Es ist mittlerweile 8:00 Uhr und warm/heiss geworden. Nach einer kühlen Dusche dann Frühstück. Heute ist nicht viel angesagt, wir leben, meist drinnen, das Thermometer soll die 40° Marke knacken. Ich habe ja immer noch alle Finger voll zu tun mit Bilder löschen. Am Nachmittag ein kurzer Spaziergang ins Office, wir wollen ab Abend, resp. in der Nacht erneut auf einen Night Drive, schauen wir mal, ob es hier mehr Tiere zu sehen gibt, als im Karoo NP. CHF 12 pro Nase für zwei Stunden scheint uns ein fairer Preis zu sein (Karoo: CHF 17 für knappe 90 Minuten). Auch schlendern wir nochmals den den Fällen raus, mehr als körperliche Ertüchtigung denn als touristischer Anlass gedacht. Anders, als wohl jeder Amerikaner, kühlen wir unsere Bude gerade mal auf 25° runter, immer noch eine grössere Anstrengung für die laute Klimaanlage. Die Gegend hier oben werden wir bei unserem geplanten nächsten Besuch eher auslassen, zu grosse Distanzen, zu wenig Szenerie und VIEL zu heiss.  Die National Park Wild Card (gekauft für CHF 210) werden wir von nun an nicht mehr benötigen, es stehen keine weiteren Park mehr auf unserer Reiseroute. Hätten wir für jeden Park einzeln bezahlen müssen, wären ZAR 10,500 (CHF 680) fällig geworden. Ganz schön happig die ‘Eintrittspreise’, in den USA (noch) einiges günstiger. Ein Beispiel: der Grand Canyon kostet USD 30 pro Auto (4 Personen) für eine Woche, im Addo Elephant würden die vier Leute für eine Woche glatte CHF 470 bezahlen müssen. Nicht alles ist billig in Südafrika! Nach sehr gutem Hörnli & G’hackets machen wir uns auf die Reise. Total vier Teilnehmer plus Fahrer teilen sich den grossen, offenen Lastwagen. Los geht die Fahrt in den spektakulären Sonnenuntergangshimmel. Herrlich, die Farben, die Weite und die Stille (OK, der Motor dieselt halt vor sich hin…). Tiere bekommen wir nicht sehr viele zu Gesicht, ein paar Klippstringer, Steenbokkie, Hasen, Schakale und diverse Vögel. Aber die Fahrt ist das Ziel, es ist auch immer noch angenehm warm, ein perfekter Abend. Nach über zwei Stunden sind wir zufrieden zurück in unserem Chalet und laben uns an hiesigem Wein: ein 2013 Petit Verdot von ‘Die Mas’ zu ZAR 70 die Flasche. Das Weingut wirklich gleich ums Ecke hier, der Wein üppig, schwer und etwas charakterlos, vielleicht besser mit einem Stück Fleisch zu trinken. Wieder geniessen wir den Sternenhimmel, einfach unglaublich eindrücklich.

Zu Stein erstarrtes Monster.....

Zu Stein erstarrtes Monster…..

Um 6:00 Uhr geht’s los. Wieder ist das Morgenorange eine Wucht und heute weiss ich, dass man durchaus auch fotografieren kann, statt einfach so in die Landschaft zu starren. Schnell bin ich unten an meinen Standort, die Sonne sollte links im Bild über den Fällen aufgehen, so war’s zumindest gestern. Das Morgenrot ist weg, es folgt die kalte, flaue Phase aber um 6:47 Uhr lugt bereits ein erster Sonnenstrahl über den Hügel. Jetzt geht es zackig, mir bleibt gerade mal eine Minute, ein paar Bilder zu schiessen, dann ist die gelbe Scheibe oben und viel zu hell für weitere Bilder. Das hat geklappt! Morgen nochmals, aber vom weiter hinten liegenden Standort, etwas mehr Umschwung darf’s dann schon sein. Frühstück natürlich draussen, danach Wanderschuhe montiert und den 2.8 Kilometer langen Ebony Trail abgespult. 90% sollen im Schatten liegen, hat uns gestern der Guide versichert. Die stimmt auch, aber die Bäume sind so tief, dass ich meist stark gebückt durch die Landschaft wandern muss. Hier hat es, der Name des Weges lässt es vermuten, Ebenholzbäume. Nicht sehr stattlich anzusehen, doch das Holz eben weltberühmt. Weiter kriechen wir durch dichtes Unterholz, viel wird hier wohl nicht gewandert, und wir erreichen einen  grossen Kameldorn Baum. Auf, resp. in diesem tollen über 10 Vervet Monkeys herum, beim Näherkommen nehmen sie jedoch samt und sonders reissaus. Noch ist die Fast-Kriecherei nicht zu Ende. Doch die ganze Sache macht auch mächtig Eindruck, man fühlt sich wirklich in Afrika. Schlangen bekommen wir zum Glück keine zu Gesicht, eine mürrische Pavian Mutter und Kind reichen auch. Zurück im Chalet ruhen wir aus, nun folgt der heisse Teil des Tages, die Klimaanlage läuft jedoch nicht ununterbrochen, es wäre sonst zu kalt und zugig. Den Rest des Nachmittages verbringen wir abwechselnd drinnen und draussen, je nach Grade der Durchfrierung. Abends den Rest vom Vortag, aber immer noch gut: G’hackets mit Nudeln. Dazu ein sehr guter 2014 Cabernet Sauvignin ‚Rooisbos Wooded‘ von Audacia (ZAR 110), relativ teuer aber jede müde Mark wert! Heute sitzen wir drinnen, den Sternenhimmel haben wir nun bereits ‚gesehen‘. Die vier Tage hier waren eher auf der zu heissen Seite, diese Ecke des Landes lassen wir beim nächsten Besuch wahrscheinlich aus. Nichts gegen die Landschaft jedoch, diese ist wunderschön (…namibisch!).

Sonnenaufgang über den Augrabies Wasserfällen

Sonnenaufgang über den Augrabies Wasserfällen

6. und 7. März 2016 – Upington

Es geht mir einiges besser, Fieber ist weg, aber der Appetit auch (noch). Heute sind wieder an die 300 Kilometer zurückzulegen. Diesem Dorf weinen wir keine grosse Träne nach, nichts wie weg. Die Landschaft ändert sich ziemlich rasch, die weiten Ebenen und die Tafelberge am Horizont weichen hügeligem Land mit rotem Sand. Wir sind in der Kalahari. Einiges schöner anzuschauen, als gehabt! Sehr viele Siedelwebernester hängen an den Telefonmasten, zum Teil riesige, imposante Bauwerke. Auch es es grüner, die Vegetation üppiger, muss wohl auch an der Nähe zum grossen Oranje liegen. Upington, unser heutiges Ziel liegt ja in der grünen Kalahari, so die Werbung. Die Strasse nun nicht mehr schnurgerade und langweilig, sondern mit sanften Kurven ausgestattet, mal geht es rauf, mal runter, sehr ansprechend. Die Stadt am Fluss mit über 100,000 Einwohnern ist erstaunlich schnell erreicht. Um 12:30 Uhr sind wir bereits in der Kalahari Mall, ziemlich neu und recht gediegen. Wie eine Mall in den USA vor dem grossen Mall-Sterben. Es findet sich sogar ein Ocean Basket und ich bestelle mutig einen Kingklip mit Reis. Na ja, es hiess ja nicht Baby Kingklip wie in unten in Simonstown, dieser Fisch hier wohl eher ein Opa Kingklip, aber geniessbar. Der Checkers sehr gut bestückt und: gutes Brot! Wir kurven zu unserer temporären Bleibe am Fluss, dem Waterfront Guesthouse, runter. Die Anlage eigentlich eine Farm mit ein paar Gästezimmern (ZAR 1,950 für zwei Nächte), diese jedoch schön eingerichtet und sauber, wenn auch etwas eng. Interessant vielleicht die Adresse: Steenbok Avenue, arg übertrieben für eine holperige Schotterpiste zu einer Farm runter. Die Temperatur übrigens  immer noch sehr hoch: 37°, aber ein kommendes Gewitter soll für Abkühlung sorgen. Ich muss etwas für meinen Übermut betreffend Mittagessen büssen, der Fisch bekommt mir nicht sehr, Details nicht weiter nötig. Auch auf ein Abendessen muss oder will ich verzichten, zwei Stück guten Brotes (ein 500g Roggen Brot für ZAR 10) und Fruchtsalat reichen. Doch eine Wein muss trotzdem her, hilft ja sicher. Der Nederburg 2013 Shiraz ‘Winemakers’s Reserve (ZAR 80) eine wahrhaftig bittere Enttäuschung.

Der Name stimmt: Waterfront Guesthouse, Upington

Der Name stimmt: Waterfront Guesthouse, Upington

Endlich hat es Wolken am Himmel, heute soll es nicht mehr als 28° warm werden, na ja,  sehen wir mal. Vorsichtshalber verzichte ich auf eine üppiges Frühstück, ich knabbere an einem Toast und würge ein paar Löffel Mieliepap runter, den Rooisbos Tee giesse ich nach drei Schlucken aus, kann den Hype um diese Teesorte nicht verstehen. Die Wolken verziehen sich (leider) und es wird drückend schwül…von wegen 28°! Wir kurven in die nahe Stadt hoch, Ziel ist mein Nusslieferant Food Lover’s Paradise. Der Laden riesig und sehr gut bestückt aber bitterkalt, welche Energieverschwendung! Meine Nussmischung haben sie ausgerechnet nicht und so muss ich jede Sorte einzeln abfüllen. OK, jetzt rüber zur Mall, wo jederfrau/man machen kann was sie/er will. Viel hat die Mall für mich nicht zu bieten, so sitze ich draussen an der Wärme (drinnen ist es viel zu kalt, wieder eine enorme Energieverschwendung) und lese etwas Zeitung, WiFi gratis….. Der Himmel ist mittlerweile ziemlich bedeckt, die Temperatur richtig angenehm, das ewige Schwitzen hat ein momentanes Ende. Lunch, magerer zwar, gibt’s auf dem Zimmer. Bin immer noch oder wieder schlaff…also muss ein Nickerchen her. Danach endlich das Aussortieren der unzähligen Nashornbilder. Dann fällt der Strom aus, eigentlich verständlich bei diesen Riesenverschwendern in der Stadt oben……Der ‘Pfuus’ ist wieder da und fällt sogleich wieder aus, wir sind in Afrika. Es regnet draussen und nicht eben wenig, gut für hier wohl. Schliesslich wollen wir morgen etwas Wasser die Augrabies Fälle hinunterdonnern sehen.

5. März 2016 – Prieska

Wieder stehe ich früh auf, kann mir diese Stimmung nicht entgehen lassen. Heute plagt mich allerdings mein Bauch ziemlich stark. Ich verzichte sogar auf das opulente Morgenessen, stattdessen bleibe ich im warmen Bett. Jawohl, ich habe Fieber, sehr ungewöhnlich und seit Urzeiten nicht mehr gehabt.  So fahren wir erst nach 10:00 Uhr los, auch die Zeche muss noch bezahlt werden, wir hatten ja nur das Chalet gebucht (total ZAR 1,600), jetzt kommen noch Mahlzeiten und Getränke sowie Trinkgeld hinzu. Der Spass bringt um um ZAR 3,000, knapp CHF 200, völlig in Ordnung für die gebotene Leistung. Es kann weiter nordwärts gehen, zuerst auf der R63 bis nach Ubuntu (oder Victoria West), dann nordwärts auf der N12 bis Britstown, beide passierten Käffer schrecklich langweilg, überhaupt ist nun die Landschaft die trostloseste bis dato. Es ist heiss, ich friere dank meinem Fiber jedoch, die Fahrt will und will nicht enden. Ausserhalb von Britstown biegen wir links auf die N10 ab, deswegen wird der Landschaftseindruck nicht besser, im Gegenteil: öde, öde, öde. Nach knapp 300km erreichen wir Prieska, dies Dorf etwa in der gleichen Liga, wie die zuvor erwähnten. Wie und wieso kann man hier draussen wohnen? Eine Info gibt es natürlich nicht und so kurven wir ziellos durchs Dorf, es muss eine Unterkunft her. Das erste angepeilte Hotel ist rammelvoll, Rugby ist hier (im Dorf) angesagt. Man gibt uns ein paar Telefonnummern durch, doch nach der ersten Absage fahren wir wieder rauf ins Dorf, am Eingang dieses sahen wir das BK Guesthouse, Boutique Accommodation. Ein weiterer, diesmal erfolgreichen Telefonanruf und wir beziehen eine sehr gediegene, wenn auch kleine Loge für ZAR 900. Egal, ich zahle jeden Preis, ich muss ausruhen, das Fieber steigt immer höher: 38.9°. Sofort lege ich mich aufs sehr bequeme Bett und schlafe ein. Mit Essen ist nicht sehr viel, ein paar Cracker und eine Handvoll Nüsse reichen. Danach schlafe ich erneut ein. Gegen 22:00 Uhr erwache ich und mache mich bereit für die anstehende Nachtruhe. Keine Viertelstunde später bis ich wieder ‘weg’.  Noch zwei Bilder vom Camp Nguni

Nashorn neben dem Speisesaal

Nashorn neben dem Speisesaal

Links Speisesaal, rechts Lounge mit Blick aufs Wasserloch

Links Speisesaal, rechts Lounge mit Blick aufs Wasserloch