19. bis 27. April 2017 – In der Schweiz

Um 5:00 Uhr klingen, surren, singen die diversen Wecker, ein Verschlafen liegt heute wirklich nicht drin. Um 5:45 Uhr fahren wir los, raus in die dunkle aber bereits nicht mehr so stille Nacht. Nach 200 Metern dann der erste Stopp, wir brauchen noch Benzin, hier herrscht ein regelrechter Grossandrang, wir müssen warten und es ist noch nicht einmal 6:00 Uhr in der Früh. Es kann weitergehen, schnell sind wir auf der Autobahn N2, der Verkehr in Gegenrichtung (stadteinwärts) enorm. Um 6:15 Uhr sind wir bereits am Flughafen, sind ja auch nur ein paar Kilometer. Der Wagen wird retourniert, noch eine kürzere Wartezeit bis Bidvest das Schadenprotokoll kopiert hat (der Kopierer schläft noch….). Dann die Überraschung: vor den drei Edelweiss Schaltern hat es eine sicherlich 50 Meter lange Schlange. Anstehen und Geduld üben, mehr können wir nicht. Die Schlange wird noch länger, hinter uns zum Glück. Alles hat ein Ende, auch das Einchecken, wir lassen unsere Siebensachen kontrollieren/durchleuchten und begeben uns zum Gate, viel Zeit bleibt uns nicht mehr. Wenige Minuten später beginnt, ohne Ankündigung (!) das eher chaotische Einsteigprozedere, ob die oben noch eincheckenden Leute es wohl schaffen werden, rechtzeitig im Flieger zu sein? Der Ferienflieger, wie nicht anders zu erwarten, wird rappelvoll, natürlich auch mit schreienden Klein- und Kleinstkindern. Es scheint, als hätten es wirklich alle auf die Maschine geschafft, wir starten mit nicht all zu grosser Verspätung. Die knapp elfeinhalb Stunden vergehen unerwartet schnell, das Essen und der Rotwein (Senza Parole, nun auch in Weiss….), wie immer, gut. Erneut ist der Service sehr gut, Emirates könnte hier noch sehr viel lernen! Es folgt die Landung in einer winterlichen Schweiz. Wir werden, wie meist, abgeholt und sind alsbald im wirklich wintrigen Langnau.

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Die nächsten Tage erledigen wir halt das übliche, anstehende: Steuererklärung, Arztbesuch, GV der Swiss Re und natürlich auch Stammtisch. Das Wetter meist, siehe Bilder, recht betrüblich, kalt, nass und ungemütlich. Nur gerade am Sechseläuten herrscht schönstes Sommerwetter. Dank Einladung der UBS können wir dieses Spektakel vom 5. Stock ihres Bürogebäudes am Bellevue mitverfolgen. Apéro gibt’s natürlich auch und dies nicht zu knapp! Ein Abendessen wird somit hinfällig. Ein anderer Abend gilt einem Treffen mit dem ‚alten Team‘. Ganz lustig, nur nicht, was die Arbeitssituation, resp. Moral und Teamspirit betreffen.

14. bis 18. April – Kapstadt

Die letzten vier Tage hier in Südafrika beginnen. Wir verlassen das gastliche Haus (einzig das fehlende WiFi könnte man/frau bemängeln) und fahren die 120km nach Kapstadt runter/rüber. Etwas über CHF 50 pro Tag sind sicher mehr als nur günstig. Wir nehmen die Strecke über die Autobahn N2, untenrum über Gordon’s Bay wäre zu lange und dann hätten wir einmal mehr unseren Lunchstress. So planen wir, unten an der Waterfront genüsslich zu tafeln. Ich wiederhole mich, was den Verkehr betrifft….doch heute ist wirklich die Hölle los, jedermann ist ‘auf der Gasse’, die meisten jedoch kommen von Kapstadt, nur wir wollen nach Kapstadt, kann und soll uns sehr Recht sein. Wir sind schnell in der Mutterstadt, mittlerweile wohl gegen vier Millionen Seelen stark (3.7mio in 2011). Unsere Bleibe finden wir problemlos. Der Apartment-Komplex an der Boundary Road 9 gelegen, sieht ansprechend aus, nicht obernobel, aber für den günstigen Preis von CHF 240 für vier Nächte kann man dies auch nicht erwarten. Natürlich von einer Mauer inkl. Elektrozaun umgeben und bewacht von den allgegenwärtigen Security Guards. Im ganzen Land soll es 200,000 Polizisten und 400,000 eben dieser privaten Sicherheitsleute haben. Der Security Guard kommt anmarschiert, wir erklären unsere ‘Situation’, parkieren den Wagen auf dem Platz für die Loft Nummer 17 und marschieren alsbald runter an die Wasserfront. In einer knappen halben Stunde sind wir unten, das durchwanderte Quartier macht einen sicheren und aufgeräumten Eindruck. Unten am Touristenmagnet Nummer 1 von ganz Südafrika (#2 ist der Krüger National Park, #3 der Tafelberg) sind wir dann mitten im Gewühl, dabei hatten wir gedacht, alle Welt fährt aus Kapstadt raus! Es geht auf Beizenschau, unsere Mägen knurren. Wir werden nicht richtig fündig, können uns dann aber auf ein Lokal mit Namen Sol e Mar einigen. Dies ein Portugiese und so bestellen wir halt eine Cataplana. Allerdings sind der Küche die Muscheln ausgegangen, so wird’s halt mehr ‘Kalmar’ geben. Das Essen kommt relativ speditiv und schmeckt nicht schlecht, hat allerdings nicht das Format der Cataplana, welche wir letzten Frühling in der Algarve hatten. Der Preis (ZAR 350 für zwei) natürlich nicht mehr sooo heiss, wir sind ja an der Wasserfront und die Touristen haben genügend Geld. Verdauungsspaziergang! Dann geht’s wieder rauf in unsere Loge. Der freundliche Herr von vorhin öffnet uns Tür und Tor, die Schlüssel zur Loft seinen in der Wohnung. Die Wohnung dann klein, aber mehr als genügend Platz für zwei bietend, auch sind zwei WCs vorhanden und der Blick runter an die Wasserfront oder rüber an den Tafelberg allein schon der Preis wert. Wir fühlen uns sofort wohl. Natürlich gibt es ein reduziertes Abendessen, viel wird in den nächsten Tage hier nicht gekocht werden. Das Wetter übrigens eher auf der sehr windigen und kühlen Seite, es soll aber besser werden. Sogar die Heizung kommt zum Einsatz, in der Loft ist es empfindlich kühl geworden, wohl der schlechten Isolierung und den riesigen Fenstern zuzuschreiben. Der Abend und die Nacht werden ruhig, die nahe Strasse ist nicht sehr gut zu hören und von etwaigen Nachbarn hören/sehen wir auch nichts.

V&A Waterfront, Kapstadt

V&A Waterfront, Kapstadt

Die nächsten Tage fasse ich zusammen: wir geniessen unsere Zeit hier unten. Das Wetter will es auch noch einmal wissen und lässt die Temperatur in die Höhe schnellen, nix mit Heizung, eher wohl Klimaanlage, die es aber hier nicht gibt. Wir wandern in der Stadt umher, endlich finden wir den touristisch sehr schönen Stadtteil Bo-Kaap, eigentlich nur ein weiterer Steinwurf von unserer Bleibe entfernt. Auch entdecken wir noch eine ganze Anzahl sehr schöner Self-Catering Unterkünfte ebenfalls in nächster Nähe, jedoch höher am Hang und dementsprechend höher im Preis. Bo-Kaap dann wirklich eine kleine Perle, doch allein sind wir nicht: fest in Deutscher Hand, so scheint, resp. klingt es zumindest. 6,000 Leute sollen hier leben, 90% Muslime, 10 Moscheen. Doch die Gentrifizierung kommt immer weiter von der Long Street hoch, da sieht man schon eine  schicke Galerie neben einem knallgrünen Wohnhaus der halt eher abgekämpften Sorte. Natürlich geht es nochmals für länger an die Wasserfront, Lunch leisten mir uns im formidablen Den Anker. Muscheln, Seared Tuna und Kudufilet, nicht ganz billig der Spass und leider die Bedienung eher unterdurchschnittlich. Am Ostermontag hüpfen wir in den Hop-on Hop-off Bus und fahren die rote und die blaue Route ab. Es herrscht ein Traumwetter, ohne Fahrtenwind fast schon zu heiss. Erneut kurvt der grosse und recht gut besetzte Bus durch die hypernoblen Vororte mit Namen Camps Bay, Clifton, Bantry Bay, Green Bay. Eine extreme Konzentration von Reichtum hier, wirklich kaum zu fassen. Südafrika hat ja die zweitschlechteste Einkommensverteilung der Welt (nur Lesotho ist noch ungerechter dran). Die Schweiz soll laut diesem Gini Inex auf Rang 128 liegen, also alles im grünen Bereich, alle Leute gleich reich/arm. Die Ukraine liegt sogar auf Platz 144, dort sind mit Ausnahme einiger Oligarchen wohl alle arm, daher die Einkommensverteilung gerecht. Soviel zu Statistiken. Wie glaube ich letztes Jahr bereits erwähnt: ein Parkplatz in Clifton kostet soviel wie andernorts ein ganzes Haus.

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Mittagessen leisten wir uns in der Mariners Wharf in pittoresken und ebenfalls mit sehr vielen reichen Leuten ‘gesegneten’ Hout Bay (pop. 18,000). Das Restaurant sehr schön aufgemacht, die Bedienung exzellent und die Preise durchaus im Rahmen. Eine Perle! Das Essen wirklich sehr gut: Seafood Curry, ein lokales, schmackhaftes Bier und natürlich ein Glas guter Weisswein. Es folgt ein Verdauungsspaziergang am lebhaften Fischerhafen. Dann wieder mit dem roten Doppeldecker zurück in die Stadt. Ein Tagespass kostet übrigens faire ZAR 190. An der Wasserfront angekommen, werden wir fast von der Touristenmasse erdrückt, es hat heute noch viel mehr Touristen als am Samstag, kaum zu glauben! Wir marschieren die letzte halbe Stunde nach Hause und ruhen uns aus. Der letzte Abend dann dem Packen gewidmet, am Dienstag in der Früh muss es leider losgehen. Die Zeit hier unten war ‘meistheitlich’ sehr gut, wenig gibt Anlass zu Kritik. Wir werden, so alles nach unseren Wünschen läuft, nächstes Jahr wieder aufkreuzen.

4. bis 13. April 2017 – Hermanus

Die Nacht war ruhig, der Morgen auch, die Hunde scheinen heute frei zu haben. Wir packen zusammen, es geht weiter, rüber oder besser runter nach Hermanus. Die Hausherrin, immer zu einem kürzeren (oder meist längeren) Schwatz aufgelegt, erzählt dies und das. Ganz interessant, leider auch betrüblich/bedenklich. So gilt die Autobahn N2 von Somerset West nach Kapstadt als gefährlicher als einige Gebiete in/um Johannesburg. Nur ja nie anhalten, bei einem platten Reifen weiterfahren, bis man in ‘Sicherheit’ ist. Hat man noch Töne! Auch hier in dieser anständigen Wohngegend hätten sie bis vor kurzem täglich, besser wohl nächtlich drei Einbrüche gehabt. Danach hätte man eine Art Bürgerwehr aufgestellt, in der Nacht wird patroulliert, zusätzlich zu den bezahlten Sicherheitsdiensten. Dafür haben sie von eben diesen 24h Armed Response Firma ZAR 100 Rabat bekommen. Seither sei es ruhig(er). Doch an eine Auswandern denken die wenigsten hier unten (im Gegensatz zu Johannesburg). So, der Dame ist ‚der Schnauf‘ ausgegangen und wir reissen uns los. Ein erster Halt erneut dem Shopping Center. Dann aber weiter, wir nehmen angesichts der vorgeschrittenen Stunde nicht die Strasse entlang der Gordon’s Bay, sondern bleiben auf der Autobahn, eben der berüchtigten N2. Den Sir Lowry’s Pass gilt es zu erklimmen, die Strasse recht steil und natürlich auch gut benutzt. Oben sind wir nun im Apfelanbaugebiet um Grabouw und Elgin. Aber bald schon geht es wieder talwärts, bei Botrivier geht’s rechts weg auf die R43, dieses sehr gut ausgebaute Strasse bringt uns im Radumdrehen ins gewünschte Hermanus. Wir disponieren kurzfristig um und speisen bei Ocean Basket und nicht, wie zuerst beschlossen nebenan beim Inder. Diesen heben wir uns auf, wenn wir mehr Zeit haben, müssen wir doch um 14:00 Uhr in unserer neuen Loge sein. Die Cajun Calamari erneut ein Renner! Der Laden und auch die Strassen scheinen recht voll zu sein, die Schulferien haben begonnen. OK, das Essen ist erledigt, die kurze Fahrt zum Fernkloof Village kann losgehen. Dies eine mit hohen Mauern und Elektrodraht eingezäunte Wohnanlage, ein eher komisches Gefühl. Unsere Kontaktperson ist nicht auffindbar, eine kurzes Telefonat klärt die Sache, wir hätten gar nicht rein dürfen, doch der freundliche Gatekeeper hat dies anders gesehen. Soviel zu strikter Zutrittskontrolle. Unser Haus, die Nummer 75, eher ein nüchterner Betonbau inmitten von vielen anderen Häusern/Anwesen. Doch innendrin schaut’s sehr wohnlich aus, es gefällt auf Anhieb. ‘Nur’ zwei Schlafzimmer, dafür 3 WCs, einen grossen, überdachten Gartensitzplatz, eine riesige Küche, die Stube voll mit sehr lesenswerten Büchern, allein die Zeit fehlt. Dies wohl das ‘Ferienhaus’ von Frau Professor Antonissen, der akademische Titel erklärt die vielen komplizierten Bücher in den diversen Regalen, viele in Englisch, aber auch erstaunlich viele in Deutsch und natürlich Afrikaans. Am Nachmittag ruhen wir aus, wir müssen die momentan noch vorhandene Sonne ausnützen. Die Wetterprognosen für die kommenden Tage sind schlecht und um es vorwegzunehmen: sie stimmen mit einer Ausnahme nicht!

Aus der Tagespolitik...

Aus der Tagespolitik…

Aufruf zum Sturz des Präsidenten

Aufruf zum Sturz des Präsidenten

So kann ich getrost ein paar Tage zusammenfassen: wie wohnen und leben. Ein Ausflug, natürlich zu Fuss, ins wirklich nahe Fernkloof Nature Reserve, in fünf Minuten sind wir oben, Eintritt wird nicht erhoben. Sehr schön, wenn auch, wie so oft, ziemlich trocken. Wir marschieren durch schöne Landschaft, da und dort blüht eine Königsprotea oder auch deren zwei, herrlich. Ein nächster Ausflug gilt der wilden Küste, diese jedoch 10 Fussminuten entfernt. Leider weht ein starker Wind, das schlechte Wetter kündigt sich an, trotzdem ist die Sache, einmal mehr, eindrücklich. Natürlich sind auch Einkäufe angesagt, diese jedoch mit dem Auto, die Innenstadt ist doch vier Kilometer entfernt. Auch die nächsten Tage verlaufen ähnlich: entweder marschieren wir dem Meer entlang oder oben im Fernkloof Nature Reserve. Nachmittags ist jeweils Ausruhen und Ausmisten (meine Bilder) auf dem Programm. Das Wetter jeden Tag anders, noch nie richtig schlecht, ein Tag gibt es mit kräftig Regen, sonst meist Wind, blauer Himmel und herbstliche Temperaturen. Wie bereits vor einem Jahr dreht sich hier unten alles um Präsident Zumgabe (oder wie heisst der neue Diktator gleich?) trotz grossen Protestmärschen und unzähligen Zeitungsartikeln, welche sein Absetzen fordern, lächelt der Mann, ein Vollblut-Politiker eben. Das Leben in unseren umzäunten Anlage ganz angenehm, wenn auch der Baulärm nebenan ziemlich stört. Am Wochenende ist mehr Betrieb hier, ein Zeichen, dass es doch mehrheitlich Zweitwohnsitze sind. Leider läuft unsere Zeit hier unten ab, doch wir sind fest entschlossen, auch nächstes Jahr wieder drei Monate in diesem schönen Land (mit all seinen Problemen) zu verbringen.

Küste bei Hermanus

Küste bei Hermanus

Küste bei Hermanus

Küste bei Hermanus

Küste bei Hermanus

Küste bei Hermanus

Am letzten Tag zeigt sich das Wetter dann von seiner kalten, eher ungemütlichen Seite. Angekündigt sind maximum 17°. Der Himmel ist bedeckt, aber es scheint aufzuklaren. nichts wie ab in die Stadt, ich möchte nochmals Wellen und Felsen fotografieren. Nach anderthalb kühlen Stunden treffen wir zwei uns bei Ocean Basket. Nochmals verdrücke ich sehr gute Fish & Chips (ZAR 59), meine Beste Hälfte Monkfish Tails (ZAR 105). Zufrieden mache ich mich nochmals runter an die wilde Steilküste, es sind nun dunkle Wolken im Angebot, schöner könnte es sich nicht sein, fotografisch, versteht sich. Ich werde ziemlich verregnet, doch nach einer Viertelstunde ist der Spuk vorbei und ich kann wieder ‘an die Arbeit’. Danach noch etwas Shopping und es geht nach Hause.

75, Fernkloof Village, Hermanus

75, Fernkloof Village, Hermanus

Mauer des Nachbar Hauses, auf 'DDR Mauer 'getrimmt

Mauer des Nachbar Hauses, auf ‚DDR Mauer‘ getrimmt

Mauer des Nachbarn auf 'Konzetrationslager Stimmung' dramatisiert

Mauer des Nachbarn auf ‚Konzetrationslager Stimmung‘ dramatisiert

31. März bis 3. April 2017 – Somerset West

Jawohl, das angekündigte schlechte Wetter ist da. Trotz Kühle essen wir unser Frühstück draussen, danach räumen wir das Feld. Die Unterkunft war gut, wenn auch nicht spektakulär, von den Gastgebern sahen wir überhaupt nichts, ein kurzes Hallo wäre zumindest angebracht gewesen. Dafür hatten wir Strassen- und Hundelärm zu Genüge. Nicht ein Ort, den wir auf unserem Radar behalten werden. Wir fahren nochmals über den Bain’s Kloof Pass, der Verkehr zum Glück spärlich, dafür, wie erwähnt, die Strasse schmal. Nach der Passhöhe, auf der Wellington Seite, wird das Landschaftserlebnis einiges weniger imposant. Dies liegt nicht nur an der schwarzen abgebrannten Umgebung, es ist einfach eher langweilig. In Wellington dann herrscht (erneut) ein unglaubliche Hektik, wir fahren durch, die Strasse nach Paarl runter stark befahren und rechts und links ziemlich mit Häusern zugebaut. Auch Paarl würdigen wir keines Stopps, nichts wirklich schönes/attraktives im Angebot hier. Wir näheren uns unerbittlich Stellenbosch und natürlich ist auch hier wieder die Hölle los, es ist Freitag, jedermann/frau ist auf der Gasse. Der erste Halt heute gilt einer kleinen, aber feinen Shopping Mall ausserhalb von Stellenbosch Richtung Somerset West. Lunch wäre langsam fällig, doch wir sind uns nicht ganz einig, was und wo. Wir einigen uns auf das Piza e Vino (ja, nur ein ‘Z’) aber drinnen, draussen ist es einiges zu kühl. Der Laden ist noch leer, wird sich aber im laufe der nächsten Stunde radikal ändern. Eine richtige kleine Perle haben wir hier gefunden. Die Pizza so, wie sie sein muss, ein Gedicht! Und dies hier in Afrika, kaum zu glauben. Santa Lucia weit, weit und noch weiter abgeschlagen. Dazu ein Glas = 0.25l!) sehr guten Shiraz von Leeuwenkuil Vineyards. Eine Pizza kommt auf anständige ZAR 82 zu stehen, ab heute für uns Ausländer 5% billiger, einen Dank an den Präsidenten dieses Landes, welcher den fähigen Finanzminister nun definitiv entlassen hat. ‘Präsident Zuma’ gibt es nicht mehr, nun heisst es ‘Diktator Zuma’, so eine Zeitung hier unten. Wir nehmen die letzten paar Kilometer nach Somerset West unter die Räder, der Verkehr sehr stark und das Stadt-resp. Strassenbild der grossen ‘Ansiedlung’ äussert verworren. 55,000 Einwohner soll es hier haben, ich glaube jedoch es sind einige mehr. Wir finden unsere Unterkunft, ziemlich nahe beim famosen Weingut Vergelegen (gegründet 1700) . Es ist dies, wie letztes Jahr oben bei David, ein Hausteil, mit eigener Eingangstüre etc. Nicht mehr sehr neu, man kann sagen in die mittleren Jahre gekommen, aber es lässt sich gut leben, glauben wir zumindest. Nach kurzem Einräumen machen wir uns erneut auf ins Gewühl, wir wollen in die nahe Waterstone Village Shopping Mall. Es stehen diverse Einkäufe, nicht zuletzt Wein, an. Wie es das Schicksal so will, findet auch dieses Jahr auf dem nahen Lourensford Winery Areal die riesige Cape Getaway Show (eine südafrikanische FESPO) statt. Dies erklärt zumindest einen Teil des riesigen, fast erdrückenden Verkehrsaufkommens. Es findet sich eine Parklücke und wir verziehen uns in den noblen, gediegenen Woolworths. Alles und noch viel mehr & teurer gäbe es zu kaufen. Wir belassen es bei zwei Stück Rindfilet für ZAR 100, knappe CHF 8 und ein paar weiteren Notwendigkeiten. die kurze, kilometermässig, aber zeitmässig lange Heimreise kann angetreten werden. Die schmalen Strassen wurden nie und nimmer für dieses Verkehrsvolumen gemacht, es droht der Verkehrs-Infarkt! Wieder zurück in unserem Stübelein müssen wir dann leider feststellen, dass es hier nicht ganz so ruhig ist. Verkehr hat es praktisch keinen, doch das ewigwährende Kötergekläffe bringt uns fast um unseren Verstand. Wie halten dies all die Leute hier nur aus? Abends dann das Rindsfilet, ein Traum! Von draussen dringt der Albtraum rein in die gute Stube, also Musik an und das Gebell wird übertönt. Hier könnten wir nie und nimmer leben.

Die nächsten Tage wieder in geraffter Form. Wir machen einen Spaziergang rüber zum schönen Weingut Vergelegen (>100ha Rebland), bezahlen die ZAR 10 pro Nase Eintritt und schlendern durch die wirklich sehr schöne Anlage, noch hat es wenig Volk, sind wohl alle drüben an der Getaway Show. Wir inspizieren das Picknick Areal, unter hohen Camphor Bäumen gelegen und können uns durchringen, am Montag hier zu speisen. Das Wetter soll Samstag und Sonntag eher schlecht sein, ab Montag dann wieder wärmer. Wir marschieren zurück, der Verkehr Richtung Lourensford Weingut steht, kaum zu glauben, jedermann will an diese FESPO. Wir möchten nochmals dem gediegenen Wooly einen Besuch abstatten und so kurven wir auf Nebenstrassen durch zum Teil pompöse Wohnquartiere um nicht die Lourensford Road benützen zu müssen. Klappt ganz gut, ohne gutes Kartenmaterial wären wir aber ziemlich aufgeschmissen. Alle Menschen dieser Erde scheinen doch nicht an der FESPO zu sein, wir kriegen hier nur gerade einen Platz im Overflow zugewiesen. OK, es ist Samstag und die Schulferien haben begonnen. Viel brauchen wir eigentlich nicht, aber der Laden ist wirklich Spitze, wie Globus Delikatessen oder einst Oggenfuss in Küsnacht. Wieder kurven wir durch ruhige, gediegene Wohnquartiere nach Hause. Hier lassen wir uns ab und an von ekelhaftem Kötergejaule akustisch vergewaltigen. Abends ein sehr gutes Geschnetzeltes vom Schweinefilet, dazu Rösti, die Kartoffeln etwas zu lange gekocht, doch morgen ist auch noch ein Tag für einen weiteren Versuch, Härdöpfel haben wir ja noch in Hülle und Fülle. Es folgt etwas Bing Bang Theory, die Kläffer hören wir so nicht mehr ganz so gut.

Eigentlich sind die Nächte ja ruhig, doch kaum wird es ansatzweise hell, geht das Geheul los. Unglaublich und enorm störend, zumal einer der Hauptakteure nur ein paar Meter von uns entfernt seine Tätigkeit ausübt. So bleibt uns keine andere Wahl, als nach dem Frühstück das Feld zu räumen. Wir spazieren zum nahen (1.8km) Helderberg Nature Reserve hoch. Der Park ist 403ha gross und der freundliche Gatekeeper lässt und für ZAR 10 pro Nase rein: Senior Discount 50%. So schlendern wir durch schöne, wenn auch arg trockene Landschaft, immer mit Blick auf den imposanten 1,137 Meter hohen Helderberg (‘klarer Berg’). Da und dort blühen jedoch wunderschöne Königsproteen (Protea cynariodes). Die Marschiererei macht Spass, Bewegung tut einfach gut. Nach zweieinhalb Stunden sind wir wieder unter in unserer momentan ruhigen Bleibe, ein Lunch wird  fällig, dann gibt’s wieder Hundegebell. Zum Glück kommt und der Comedy Central Kanal zu Hilfe und lässt uns einige Big Bang Theorie Folgen reinziehen. Abends erneut Rösti, diesmal mit einem sehr guten Hamburger von Woolworths.

Der neue Finanzminister

Der neue Finanzminister

Oh Schreck, der ganze Himmel ist bedeckt, grau in grau. Die Prognose war für heute ganz anders….. Zumindest ist es nicht kalt, nur etwas kühler. Gegen Mittag klart es doch langsam auf. Um 12:00 Uhr marschieren wir rüber zum Weingut Vergelegen. Der Verkehr heute spärlich, die FESPO ist ja vorbei. Man gewährt uns freien Eintritt: Montag ist Senior’s Day. Wir werden zu unserem (etwas wackeligen) Tisch unter hohen Bäumen geführt. Die Bedienung höflich, aber auch zu Scherzen aufgelegt. Der Picknick Korb wird herangeschleppt. Die Ware schaut appetitlich aus, entpuppt sich dann aber als eher durchschnittlich, geschmacklich eher fade. Der Wein, ein 2012 Vergelegen Shiraz gut, aber kein Hammer. Für ZAR 145 kann man wohl nicht mehr verlangen. Es muss wohl erst der ‚grosse Bruder‘ bestellt werden, dieser dann satte ZAR 295 teuer. Leisten wir uns nicht, glasweise kann man hier übrigens nichts haben, nur ganze Flaschen, ebenso wird uns ein weiteres Stück Brot zum Käse verwehrt. Der Korb kostet ja auch nicht alle Welt: ZAR 470! Trinkgeld natürlich nicht inbegriffen. Hier scheinen die rigorosen Sparmassnahmen des Anglo American Konzerns zu greifen. Seit Mitte 2015 wurde keine Dividende mehr ausbezahlt. Die Belegschaft wurde von 134,000 auf unter 80,000 ‚dezimiert‘. Wir hatten den letztjährigen Picknick auf Warwick besser in Erinnerung. Nach etwas über zwei Stunden (die Holzstühle sind eher unbequem) bezahlen wir die geforderten ZAR 720 und marschieren zufrieden, aber nicht ekstatisch nach Hause, 1.7km, ein Pappenstiel. Wir ruhen uns von der ‘Anstrengung’ aus, aber unsere Gastgeber, resp. deren Goofen produzieren leider einen Höllenlärm draussen. Der Entschluss ist eigentlich schon länger gefasst: hierher gibt es kein Zurück, viel zu laut, seien es Hunde oder Kinder. Wandertechnisch sehr gut gelegen, aber die Minuspunkte überwiegen massiv. Abends ein leichtes Mahl, Salat und dergleichen. Morgen dislozieren wir nach Hermanus runter/rüber. Das Wetter für die kommenden Tage soll schlecht sein, Regen, aber (noch) nicht kühl/kalt.

Weingut Vergelegen

Weingut Vergelegen

Beaumont Cottage, Somerset West

Beaumont Cottage, Somerset West

28. bis 30. März 2017 – Wolseley

Erneut ein wunderprächtiger Tag. Doch wir wollen/müssen/dürfen weiter. Ziel das heisse Landesinnere. Die Tage hier waren kühl und erholsam, die Unterkunft halt nicht so ganz privat und auch das Drumrum in der Ferienhaussiedlung nicht unser Ding. Es geht zuerst zurück nach Malmesbury. Hier ein Kurzeinkauf im schönen Pick’n’Pay, dann weiter ins Innere Afrikas. Die Gegend immer noch flach und ‘befeldert’, doch die ersten Bergrücken tauchen in der Ferne auf. Das Thermometer steigt, bleibt aber im erträglichen Rahmen. Es geht über den Boothmanskloof Pass, ein paar Kurven und dies ist erledigt. Nun tauchen immer neue Berge, ja richtige Bergketten auf. Bei Hermon, einem Nest im Nichts, geht’s links weg Richtung Gouda (nicht in Holland!). Kurz vor Erreichen des Dorfes jedoch sucht sich die stark befahrene (Lastwgen en masse) Strasse einen Weg durch eine Art Schlucht (Nuwekloof Pass) und wir erreichen Tulbagh, fast, noch sind es 3km bis ins pittoresken Städtchen. 9,000 Einwohner sollen hier auf 800 Höhenmetern leben. Gegründet wurde die Stadt im Jahre 1700 und soll klimatisch begünstigt sein (es fällt manchmal Schnee im Juli/August), umgeben von den über 2,000 Meter hohen Groot Winterhoek und Witzenberg Bergen. Mittagspause ist fällig. Wir versuchen unser Glück im Paddagang Restaurant, die ersten beiden Besuche vor Jahren endeten kombiniert im Mittelmass: das 1. Mal sehr gut, das 2. Mal eher gar nicht. Das 3. Mal nun in der Mitte, keine wirklich gute Küche, doch die Bedienung sehr höflich, witzig und zuvorkommend und das Ambiente auch sehr schön. ZAR 350 kostet uns der Spass hier, kann man/frau verkraften, jetzt, wo der Rand wieder kräftig sinken könnte. Einmal mehr liegen sich Herr Zuma und Finanzminister Gordhan in den Haaren (wenn auch beide keine mehr haben…..). Nach einem Verdauungsspaziergang nehmen wir die letzten 20km unter die Räder. Wir durchfahren meist Weinland, dazwischen auch die eine oder andere Viehweide und rechts und links imposante Berge. Die Big Sky Cottages sind einfach zu finden, thronen sie doch hoch über der Strasse am Hang der Mostertshoek Berge. Wir finden ein verschlossenes Gate vor, doch haben wir vorher einen Code bekommen: Sesam öffne dich! Es geht steil in die Höhe, zum Glück nur ein paar Meter. Oben stehen 5 grosse Bungalows, immer zwei Units drin. Wir haben die Nummer 7. Auch hier wieder ein Code und wir halten den Hausschlüssel in Händen. Der Bungalowteil ist neu, sauber und gut eingerichtet. Die Aussicht imposant, das WiFi gratis und schnell. Doch es ist heiss, alle Türen und Fenster auf! Die Gegend hat Potenzial für ein Bild oder zwei, vielleicht sogar eine Milchstrassen-Aufnahme. Wir sind die einzigen Gäste, die Betreiber 100 Meter unter uns in ihrem Farmhaus, doch niemand würde schnell Hallo sagen……ziemlich unpersönlich. Am Wochenende ‘beRand’ man hier stolze 1,300, wir haben jedoch den Mid-Week Special 3 für 2 gebucht. So fällt der Preis auf angemessene ZAR 866 pro Nacht. Kurz vor Sonnenuntergang schnell eine Aufnahme der imposante Bergkulisse Richtung Ceres. Nach verspiesenem Abendessen und einer Stunde Warten mache ich mich raus in die dunkle Nacht, die Milchstrasse zeigt sich strategisch günstig über den nahen Bergen.

Milchstrasse über den Mostertshoek Bergen

Milchstrasse über den Mostertshoek Bergen

Am Mitchell's Pass

Am Mitchell’s Pass

Die nächsten beiden Tage werden zusammengefasst. Das Wetter ist gut, aber es wird immer wärmer/heisser. Mit Fotos in der Früh ist nix, die Sonne geht am falschen Ort auf. Abends jedoch liegt das eine oder andere Bild drin, natürlich auch wieder eins oder zwei der Milchstrasse. Ausser Ruhen und die Aussicht geniessen machen wir einen Ausflug zum nahen Bain’s Kloof Passe hoch. Die Strasse ziemlich eng und die Fahrweise der Einheimischen eher ruppig und schnell und nicht rücksichtslos sagen zu müssen. Oben angekommen, machen wir einen kürzeren Spaziergang in die eigentlich sehr schöne Landschaft, wären da nicht die hässlichen Wunden des grossen Feuers vom 7. Februar. Mein heimlicher Wunsch, hier oben zu nächtigen (schon letztes Jahr geträumt) wird angesichts der eher tristen Häuseransammlung wieder kleiner. Die Lodge des Libanesen, na ja, vielleicht nächstes Jahr. Die Berge um uns wirklich eindrücklich, aber es geht runter, wollen wir doch noch auf einen Sprung nach Ceres. Ceres ist die Hochburg des Fruchtsaftes, in jedem Supermarkt sieht man, soweit das Auge reicht Tertrapacks mit den diversesten Säften, alle hier von Ceres (pop. 33,200, elev. 450m). Die Stadt soll ein mediterranes Klima haben, im Winter jedoch Schnee. Ein Halt gilt dem hiesigen Pick’n’Pay, ein recht ansehnlicher Laden. Ein weiterer, dieser etwas länger, Ausflug machen wir rauf in die Karoo. Die Fahrt geht Richtung Ceres, kein Halt diesmal und dann recht schnell in die Höhe, 1,200 Meter dürfen es schon sein. Hier oben sind wir ziemlich allein, abgesehen vom erstaunlich starken Schwerverkehr. Die Gegend Karoo-haft, schöne Tafelberge und spitze Koppies, Vegetation recht spärlich, aber sehr schön anzuschauen weil……menschenleer! In der nicht so weiten Ferne Bergrücken an Bergrücken, imposant! 9km westlich von Touws River, mitten im schönen Nichts treffen wir auf die Rennbahn N1, diese soll uns bis Worcester runter bringen. Immer noch ist die Gegend schön, wird dann aber noch einiges eindrücklicher, je näher wir besagter Stadt kommen. Wir sind hier immer noch auf 900 Meter, müssen dann aber in kurzer Zeit auf 200 Meter runter, natürlich wird dies spektakulär, erinnert an den Freeway Nummer 70 vor Green River, Utah. Ich bin beeindruckt! Leider reicht es nicht für ein Bild. Nun sind wir auf einer Art Zwischenebene, 400 Meter über Meer, im Hex River Valley. Weinbau ist hier angesagt, dazu eine spektakuläre Aussicht auf unzählige imposante Bergspitzen. Leider etwas zu zersiedelt, um an anständige Fotos zu denken, aber schön ist’s schon. Wir machen Mittagrast an einer Tankstelle mit Picknickgelegenheit, es ist heiss, 37°, doch es weht ein starker, warmer Wind. Das frischgeschnittene Brot wird in wenigen Minuten zu Toastbrot! Weiter geht’s, wir müssen nochmals in die tiefe, Worcester das nächste Ziel. Dies die grösste Stadt im Inland des Western Cape, Einwohner an die 100,000 auf einer Höhe von nur noch 200 Meter. Es findet sich eine wirklich riesige Shopping Mall, kaum zu glauben, hier weit draussen in der Pampa. So vertreten wir uns die Füsse für eine Stunde bevor es an den Heimweg geht. Am Abend kühlt es erstaunlich  schnell ab, zum Glück, muss ich sagen, war es doch heute fast unangenehm heiss. Morgen soll schlechtes Wetter kommen, schauen wir mal.

Big Sky Cottages - Wolseley

Big Sky Cottages – Wolseley

Big Sky Cottages - Wolseley

Big Sky Cottages – Wolseley

Big Sky Cottages - Wolseley

Big Sky Cottages – Wolseley