20. bis 22. September 2019 – Bryce Canyon, UT

Es ist frisch, draussen wie drinnen! Wir lassen Furny kurz seinen sehr wichtigen Dienst verrichten, schlürfen keinen heissen Kaffee. Wir brechen auf, der Kaffee kann warten, es sind nur 12 Meilen bis zum Bryce Canyon, unserem Ziel. Das Wetter könnte schöner nicht sein, allerdings ist die Temperatur etwas ‘im Verzug’. Die Warteschlange am Eingang dann sehr kurz, doch danach kommt’s dicke: der sehr unfreundliche ‘Geldeintreiber’ schnauzt uns an was wir hier mit unserem Camper wollen. Wir wollen nur auf den grossen Parkplatz gegenüber des Visitor Centers. Geht nicht, keine RV zugelassen, Parklimit sowieso nur eine Stunde. Erst ab 19:30 Uhr ist wieder freie Fahrt für grosse Fahrzeuge, um 19:31 Uhr geht die Sonne unter und der letzte Bus fährt  um 19:47 Uhr ab Inspiration Point, meinem Fotostandort. Also drehen wir frustriert um und parkieren auf dem immer grösser werdenden Parkplatz gegenüber des Ruby’s Inn RV Parks. Ab hier verkehr ja auch die Shuttlebusse. Es gibt endlich den nun wohl verdienten Kaffee, dann ein Morgenessen und Kriegsrat halten. Freundlicherweise werden hier dem auf die nicht so zahlreich verkehrenden Busse wartenden Parkbesucher sehr saubere und neue Toiletten zur Verfügung gestellt. Auch WiFi gibt’s, allerdings nicht bis zum Parkplatz raus. Wir bleiben bis 12:00 Uhr und dislozieren dann über die Strasse in den sündhaft teuren RV Park. USD 157 für drei Nächte, Facilities gross und sauber, WiFi recht flott, auch ein Pool und ein Jacuzzi wären im Angebot. Der Laden ist ausgebucht, sei nebenbei bemerkt. Gegen 16:00 Uhr machen wir uns auf in den Park, ein Shuttle kommt nach wenigen Warteminuten, die Haltestelle ein paar Meter von unserem Site entfernt, sehr praktisch. Wir lassen uns bis zum Bryce Point rausschaukeln. Nun geht’s dem Rim entlang zurück zum Inspiration Point. Hier möchte ich eigentlich mein Nach-Sonnenuntergang Pano machen. Doch die Muse blieb wohl im Bus sitzen, ich bin ziemlich uninspiriert, natürlich ist auch das Licht noch lange nicht nach meinem Gusto. So schnappen wir uns am Inspiration Point wieder einen Bus und es geht zurück zum Visitor Center, meine Beste Hälfte steigt sogar erst beim RV Park aus, ich bin auf mich alleingestellt! Killing Time, so meine Devise für die nächste halbe Stunde, im Visitor Center ist es deutlich wärmer als draussen in der schönen Natur. Frisch aufgewärmt entere ich erneut einen Bus und es geht raus zu besagtem Fotostandort. Noch hat es zu viel Licht und meine Muse muss sich wohl total verlaufen haben, sie kann mir nicht helfen. Programmänderung: ich marschiere dem Rim entlang zurück zum Sunset Point, unterwegs finde ich dann meinen ‘alten’ Standort wieder. Hier soll das Pano entstehen, denn von hier bis runter zur Busstation Sunset Campground sind es nur ein paar Minuten. Ich friere und friere und schaue wie das eindrückliche Amphitheater langsam Schatten kriegt. Das Licht ist weg, die Zeit ist knapp und die ‘Arbeit’ kann beginnen. Nach nur vier Versuchen ist Schluss, ein Pano wird wohl schon brauchbar sein. Es geht runter zur Busstation, ich bin zu früh dran und erwische so noch den Bus bei der Hochfahrt zum Bryce Point. Eine längere Fahrt ist also angesagt, doch zumindest sitze ich im ‘Last Bus’ an der Wärme. Wieder draussen auf dem RV Park ist es zappenduster, ich finde kaum unser hoffentlich warmes Heim. So, schnell ein Sandwich und ein paar Penne verdrückt, dann geht’s bereits an den YT Schlummertrunk. Peter und Erin sind endlich angekommen, es hat kurz vor dem Park einen schrecklicher Busunfall gegeben, die Strasse war stundenlang gesperrt. 4 Tote und etliche Schwerverletzte, so die traurige Bilanz.

 

1.7°, angesagt unter Null. Heaty läuft bereits seit ein paar Stunden, also ist’s drinnen bereits17°. Heute soll es natürlich rein in den Park gehen. Wir verabreden uns mit Peter um 13:00 Uhr, Erin bleibt im Camper bei Leila. Wir haben uns den Navajo und Queens Garden Trail vorgenommen. Das Wetter ist sehr gut, wenn auch der kalte Wind immer noch mit von der Partie ist. Auch mit dabei natürlich Myriaden von Mit-Touristen. Es wird viel geplaudert, haben wir doch nicht oft die Möglichkeit mit Landsleuten zu plaudern. Deutsch und Französisch die Hauptsprachen der anderen Mitwanderer. Die Landschaft ist schon noch zwei, drei Klassen besser als die im auch schon guten Red Canyon. Die Zeit vergeht im Nu und bald sind wir auch schon wieder oben am Sunrise Point. Ein übervoller Shuttle nimmt uns mit, raus zum RV Park. Es folgt ein längeres Ausruhen, gefolgt von einem köstlichen Abendessen bei unseren Freunden. Wir plaudern viel und trinken auch schon mal etwas Wein und auch (leider?) wieder den sehr süffigen Rum aus Nicaragua. Diese Sünde werden wir morgen in der Früh sicherlich bereuen.

 

2.8°, angesagt erneut unter Null. Heute geht es bereits um 11:00 Uhr los. Erin bleibt wieder daheim bei Camper & Hund. Wir entern erneut einen Shuttle Bus und lassen uns raus zum Bryce Point chauffieren. Hier nun geht’s in die Tiefe, Peekaboo Trail unser Weg. Das Wetter noch besser als gestern, der Wind weniger bissig, einfach herrlich. Die Landschaft noch besser als gestern, falls überhaupt möglich. Auch ich als Wiederholungstäter mache viel zu viele Bilder, die Gegend absolut phänomenal. Die 5 National Parks hier in Utah konnten von 2013 bis 2017 eine Besucherzunahme von 68% verzeichnen. Ein Grund sicher die vor einiger Zeit lancierte Mighty 5 Kampagne in diversen Zeitungen in Kalifornien und anderen Staaten mit zahlungskräftiger ‚Kundschaft‘. Die Kampagne wurde mittlerweile eingestellt, zu viel Leute haben Utah regelrecht überschwemmt. Wir verlassen den von ‘Rossbolle’ verzierten Wanderweg und wechseln auf den Navajo Loop und dieser führt nach kurzer Zeit steil nach oben zum Sunset Point. Die heutige Wanderung definitiv Top 5 Material! Per Shuttle geht’s zurück zum Campingplatz. Essen bei uns, nur wir zwei. Danach geht’s jedoch wieder zu den Costa Ricanern. Heute jedoch etwas zurückhaltender: kein Rum und auch Rotwein nur in Massen. Gegen 22:00 Uhr lösen wir ungern die lustige und interessante Runde auf. Wir werden die beiden wohl in +/- zwei Wochen unten in Tucson wieder treffen. Die Zeit hier war gut, Fotos habe ich eher wenig gemacht, aber ich habe ja bereits ein Unmenge Bilder von diesem, trotz Touristenflut, wunderschönen Ort.

 

16. bis 19. September 2019 – Red Canyon, Utah

Es hat und hat nicht abgekühlt, leicht durchschwitzt stehe ich um 7:00 Uhr auf, es ist immer noch 19° draussen, dafür hängt über uns eine praktische geschlossene Wolkendecke. Kein superschönes Morgenlicht, leider. Es windet, nebenbei bemerkt. Also Kaffee und dann auch Frühstück drinnen. Wir packen unsere Siebensachen und die Fahrt gen Süden kann weitergehen. Heute sind es nur 110 Meilen, Ziel der Red Canyon, etwas westlich des berühmten Bruders, dem Bryce Canyon. Die Autobahn nun in sehr gutem Zustand, so flitzen uns die unzähligen Trucks mit 80 Meilen um die Ohren. Auch noch um die Ohren fegt es den nun recht starken Wind, dieser kommt von Süden, also Gegenwind. Ein erster Halt in Beaver, hier hatten wir vor zwei Jahren eine grössere Ausgabe: vier neue Reifen wurden uns empfohlen/aufgeschwatzt(?). Komischerweise sehe ich den Garagisten wieder bei einem ‘potentiellen’ Kunden und der (gutgläubige) Mann wird wohl gleich einen oder auch mehrere neue Reifen für seinen Trailer kaufen. Er werde es sich überlegen…..ich schleiche mich davon, der Garagist schaut etwas streng zu mir rüber, bin ich doch in naher Hörweite. Bin mir nun nicht mehr ganz so sicher, ob wir seinerzeit wirklich neue Reifen brauchten! Dank Gas Buddy tanken wir nicht hier, viel zu teuer (auch ohne neue Pneus!), drüben in Panguitch ist der Sprint 15 Centes günstiger. Billiger kann ich nicht gut sagen, bewegen wir uns doch über der USD 3 Marke. Also weiter, noch 15 Meilen dann geht’s links weg rauf in die Berge, die Gegend wird einsam, es wird ein namenloser Pass von 7,920 Fuss (2,414 Meter für uns normale Menschen) erklommen. 10 Meilen vor Panguitch, mitten im Nichts endet diese Strasse (#20) und es geht’s auf dem 89er südwärts bis eben Panguitch, unserem Tankstopp mit dem günstigeren Benzin. 10 Meilen und wir werden belohnt: USD 3.15 die Gallone! Dies seit längster Zeit der stolzeste Spritpreis. Hier buhlen viele Hotels & Motels um die Gunst übernachtungswilliger Bryce Canyon Besucher. Wir wollen weiter, es sind nur noch wenige Meilen bis in den Red Canyon. Der RV Verkehr natürlich nun sehr stark. Der Campingplatz, hart an der Strasse gelegen, ist erreicht. Zu unserem Erstaunen findet sich kaum ein freies Site. Doch das Schicksal hat Erbarmen mit uns, wir sichern uns ein offenes, sonniges Site. Vorausgesetzt, die Sonne scheint auch, dies tut sie momentan leider nicht. USD 18 sind zu entrichten, Gegenleistung ganz enorm: Flush Toilets, zahlungspflichtige Duschen (USD 2.50), Wasser und sogar eine Dump Station. Die Anlage macht einen sehr gepflegten Eindruck, der Preis wirklich ‘heiss’. Einzig wieder die Nähre zur Strasse, doch der Bryce-Verkehr nimmt gegen Abend ab und wir haben unsere Ruhe.

15° draussen und 17° drinnen, nicht schlecht und dies um 7:00 Uhr und auf 2,200 Meter über Meer. Aber es hat natürlich diverse bis etliche Wolken. Keine Ausreden, es geht auf Fotopirsch in die nahe, aber wunderschöne Landschaft. Nach viel zu vielen Bildern geht’s zurück in die warme Stube, nicht, dass es hier draussen etwa kalt wäre, nur ein leicht kalter Wind macht die Sache etwas kühler. Ein heisser Kaffee, ein Morgenessen und wir sind fit für den Tag, was immer Gutes er auch bringen wird. Der Wind nimmt noch an Stärke zu, also packen wir uns wärmer als üblich ein. Der Golden Wall Trail soll es sein, vier sehr schöne Meilen. Zuerst runter zum nahen Visitor Center, immer auf dem spärlich benutzen Veloweg, dann geht’s links weg in die steinige Wildnis. Nach wenigen Meter hört man/frau die stark befahrene Strasse nicht mehr, wir sind ‘eins mit der Natur’. Der Wanderweg führt rauf und runter, alles ziemlich rutschig, unsere Wanderstöcke wären vielleicht hilfreich….. Der böige Wind macht sich mehr denn weniger öfters unangenehm bemerkbar, ansonsten geht keine Klage ein. Doch: es hat eindeutig zu viele Mitwanderer: total 12 Leute innerhalb zweierhalb Stunden, fast schon klaustrophobische Verhältnisse! Die Wanderung ist erledigt, wir ruhen uns aus und beobachten unserer neuen Nachbarn, sind sie wohl von der leisen Sorte, sehen wir dort nicht einen Generator hinter dem Trailer hervorlugen, etc., etc. Der bald kommende Abend bringt das erhoffte Ergebnis: alles ziemlich still um uns herum. Zwischen Apéro und Nachtessen bin ich dann mal schnell weg, der Felsen jenseits der Strasse wird immer röter, es hat keine Wolke am Westhimmel, wunderbar. Etwas zu spät dann mein Erscheinen zum Abendessen, aber die Stimmung war soooo gut/schön/farbig. Nach der üblichen Verdauungsrunde gibt es nochmal ein paar letzte Bilder, der Felsen brennt wirklich (nicht wirklich ‘wirklich’, ist halt so eine Metapher). Der Verkehr lässt nach, wir haben unsere wohlverdiente Ruhe.

Hoppla! 10° kälter als gestern morgen und dies eine Stunde später. Auch in der Stube ist es nur gerade 8°, also muss Furny einschreiten. Die Batterien haben genug ‘Pfuus’ und die Sonne kommt ja bald. Das Wetter ein Traum, abgesehen von der Temperatur natürlich. Kein Wölkchen weit uns breit, doch der Wind treibt bereits wieder sein Unwesen. Also lassen wir uns Zeit mit der anstehenden Wanderung. Erst um 11:45 Uhr geht’s los. Heute machen wir dieselbe Wanderung wie gestern, allerdings im Uhrzeigersinn. So kommt der steile Saumpfad am Anfang, aber wir sind ja noch frisch und ausgeruht. Wir sind ‘oben’, war gar nicht so schlimm. In der Gegenrichtung sieht die Landschaft, man/frau glaubt es kaum, ganz anders aus, aber immer noch wunderschön, wenn nicht schöner. Wir machen heute den Abstecher rauf zum Aussichtspunkt, gestern einfach ‘fallengelassen’. Buckhorn Trail heisst der keine 400 Meter lange Saumpfad und er ist eng und steil, links geht’s in die Tiefe und rechts erst recht! Trittsicherheit ist gefragt, gut haben wir diesmal die Wanderstöcke dabei. Die Aussicht oben eine Wucht! Nicht das absolut phänomenale Erlebnis wie oben am Bryce, aber phänomenal alleweil. Kein Mensch weit und breit! Halt, eine halbe Stunde später kommen uns zwei Wanderer entgegen, mehr nicht. Es geht rauf und runter und nochmals rauf und runter und natürlich nochmals rauf und runter. Diese Wanderung kommt definitiv in die Top 10!  Immer noch keine Wolke am Himmel und immer noch pfeift dann und wann eine steife Brise um unsere Ohren. Neue Nachbarn auf dem Campingplatz, werden sie wieder von der ruhigen Sorte sein? Erneut mache ich mich zwischen Apéro (leider drinnen, der Wind…..) und Abendessen auf eine Fotosafari, keine 200 Meter von der guten Stube entfernt. Der gestern rot gewordene Felsen tut dies auch heute, wunderbar, richtig kitschig. Um 22:00 Uhr haben wir dann die Gewissheit: unsere Nachbarn verhalten sich ‘anständig’, also verordnen wir uns Nachtruhe.

Es geht wieder aufwärts: 8°, trotzdem müssen wir heizen, drinnen ist es fast frostige 10°. Das Wetter ist perfekt, doch der Wind heute noch stärker, unangenehmer. Dies der Vorbote einer neuen Kaltfront, welche uns morgen erreichen soll. Dann werden wir zumindest Strom für unser Elektroöfeli haben und die Temperaturen können uns wurscht sein. So halten wir uns mehrheitlich drinnen auf, obwohl draussen schönstes, aber kühles Wetter herrscht. Wir machen Pläne für die uns noch verbleibenden Tage hier in den USA, in einem Monat geht’s bereits wieder in die Schweiz. Wir lassen dies Mal den Grand Canyon sausen, wollen aber unser Glück im Needles erneut herausfordern, es ist Hochsaison, ein Campsite zu kriegen fast schon ein Lottogewinn. Wir werden sehen. Viel Bewegung leisten wir uns heute nicht, ein paar Platzrunden und ein weiterer Ausflug ins Gebüsch nach dem Abendessen. Campground Full auch heute! Unser Nachbar ist einer der Permanent-Boiler Sorte, der Water Heater faucht alle halbe Stunde und dies auch die ganze Nacht über, eine schreckliche ‘Saumode’, welche sich immer mehr Camper aneignen. Der Wind ist natürlich auch am Abend noch mit von der Partie, so sitzen wir halt, einmal mehr, nicht draussen.

14. und 15. September 2019 – Fillmore, Utah

Ja, die Nacht war SEHR laut! Nichts wie weg von hier. Wenn nicht einmal Ohropax helfen, was dann? Natürlich sind wir fast die letzten der Durchreisenden, welche den Platz verlassen, je älter die Gäste, desto früher sind sie auch wieder weg, scheint es zumindest. Nebenan gibt’s noch nicht ganz so billiges Benzin: USD 2.72 die Gallone, aber in Utah war es noch nie richtig günstig. An vielen Tankstellen gibt es auch richtiges Benzin, 91 Oktan und ohne Maiszusatz, der ‘Edelsprit’ natürlich fast einen Dollar teurer. Nun aber auf auf den Freeway, heute sind es etwas über 200 Meilen, die abgespult werden müssen. Der Verkehr extrem dicht, die Fahrweise regelrecht kalifornisch, soll heiss, eher rücksichtslos und schnell.  So durchfahren oder wohl eher streifen wir die erwähnten 25 Städte entlang der Wasatch Front. Wohnsiedlungen wechseln ab mit Gewerbe und Industrie, dazwischen kaum Platz für die Natur. Auf 100 Meilen ein langes Siedlungsgebiet. Linkerhand die Wasatch Range, zum Teil schon mit etwas Schnee, der höchste Berg, Mount Nebo, immerhin 3,637 Meter hoch. Der zweithöchste und wesentlich fotogenere  Berg dann der Timpanogos mit 3,582 Meter.Südlich von Payson dünnt die Zivilisation endlich aus, die vierspurige Rennbahn wird normal zweispurig, der Verkehr lässt nach. Wir erreichen Nephi, nun wird’s ländlich provinziell. Noch sind es genügend Meilen bis zu unserem Ziel, doch nun ist die Hektik weg, es reist sich einiges gemütlicher. Fillmore ist endlich erreicht, der angepeilte Campingplatz nur eine Meile vom Freeway entfernt mitten im Nichts. Etwas über USD 44 (Strom/Wasser) sind pro Nacht zu entrichten. Geboten werden erstklassige Facilities, ein zweitklassiges WiFi und eine ansprechende Umgebung, um uns herum gelbes, hohes Gras, in einiger Entfernung unzählige Berge, diese jedoch noch ohne Schnee. Der Platz hier, ich hab’s vergessen, ein Weekendstandort für ATV/OHV (oder wie die knatternden, sinkenden Dinger auch heissen mögen). Jedermann/frau hat solch ein Vehikel hier, wir kommen uns etwas als Aussätzige vor, doch der Platz ist und bleibt auch erstaunlich ruhig. Es ist heiss, über 30°, so muss die Klimaanlage ans Werk. Erst nach Sonnenuntergang, der apokalyptisch daherkommt, kühlt es recht schnell ab, kalt wird es jedoch noch lange nicht.

Eine herrlich ruhige Nacht, der Freewaylärm weit entfernt, wirklich nicht störend. Das Predawnlicht ein Renner, leider nur als Zuschauer aus dem Schlafzimmerfenster betrachtet. Doch für den Sonnenaufgang bin ich dann kamerabewaffnet draussen, die sonne geht nicht perfekt ‘sauber’ auf, aber dieser Moment ist einfach immer etwas Ausserirdisches, zumindest für mich. Nach sehr vielen, wohl auch unnötigen, Bildern gibt’s einen Kaffee, natürlich draussen. Es ist bereits 17° und wird wahrscheinlich in kurzer Zeit noch viel wärmer. Frühstück dann auch draussen, jedoch bereits im Schatten, die Sonne brennt, was sie nur kann, der Herbst muss noch warten, wenn auch die Blätter unablässig von den nahen Bäumen fallen. Wir bleiben noch einen Tag hier, es gibt noch die oder das zu erledigen. Doch das Internet erweist sich als eher störrisch und langsam. Am Nachmittag ziehen dunkle Wolken auf, gibt es ein Gewitter? Bei diesen hohen Temperaturen gut möglich. Ich sitze drinnen bei über 30° und übe mit einer neuen Software, draussen weht ein kühlender Wind, doch ich bleibe stur und schwitze vor mich hin. Am Nachmittag muss die Klimaanlage für eine Stunde herhalten, es ist zu heiss. Wolken ziehen heran, es könnte einen interessanten Himmel geben. Leider geben die Hügel hinter dem Camping nicht die allerbeste Kulisse ab, doch für ein paar semi-dramatische Bilder reicht’s. Der Sonnenuntergang dann leider nichts, zu viele Wolken und einen Afterglow können wir uns sowieso abschminken. Der Platz heute nicht ganz so gut belegt wie gestern, ruhig ist er zum Glück auch heute. Das WiFi heute leider sehr störrisch.

13. September 2019 – Brigham City, UT

Das Wetter ist mittelprächtig bis schön, noch etwas kühl, aber die Sonne wird’s schon richten. Es soll runter in den Staat mit dem ‘erhöhten Leben’ gehen, früher auch einfach Utah genannt. Nach verlassen des nun wirklich nicht so schlechten Snake River RV Parks (ausgenommen die nächtlichen Rangierfahrten der Güterzüge!) und bunkern gleich nebenan Propan zu günstigen USD 2.19 die Gallone. Auf der Camping zu weit höherem, geradezu überrissenem Preis zu haben gewesen. Nur einmal haben wir diesen Fehler begannen, Bequemlichkeit kostet halt, ist aber doch sooo bequem, nicht mit uns rüstigen Rentnern! Die Fahrt gen Süden eintönig und recht langweilig, alles flaches Farmland, doch es bringt anscheinend Geld. Erst vor Pocatello (pop. 56k, elev. 1,36k) wird die Landschaft wieder interessant, es tauchen unvermittelt Hügel und Berge auf. Einen Stopp können wir uns verkneifen, ausser einem regen Güterzugsverkehr haben wir nichts von dieser Stadt in Erinnerung. Die Gegend wird noch gebirgiger, sehr schön anzuschauen, das Grass sehr hoch und dunkelgelb, es wird langsam wüstenhaft. Es gefällt! Wir näheren uns dem Bienenstock-Staat. Die Umgebung bleibt gleich, doch in der nun nicht mehr so fernen Ferne tauchen richtige Bergketten auf, die Wasatch Range beginnt und endet erst 260 Kilometer weiter südlich. Die Zivilisation beginnt langsam, die Wasatch Front, 160 Kilometer lang und 25 Städte stark kann mit 2,000,000 Einwohnern aufwarten. Der Verkehr nimmt mit jeder Meile südwärts zu. Nach über 160 Meilen erreichen wir unser Ziel, den Golden Spike RV Park in Brigham City (pop. 19,400, elev. 1,350m). Doch zuerst geht’s nebenan auf einen längeren Sprung zu Walmart. Der Laden, riesig (wie meist) und sauber aufgeräumt (nicht immer). Es ist übrigens ganz schön warm geworden, nicht so heiss, wie vor exakt zwei Jahren jedoch. Drüben auf dem recht engen RV Park kriegen wir ein Site, welches nicht ganz so nah am Freeway-Zubringer liegt. Doch der Lärm ist immer noch ohrenbetäubend. Für knappe USD 45 sind exzellente Facilities und ein brauchbares WiFi enthalten, dazu noch eine grosse ‘Büchertausch-Bibliothek’. Die Anlage etwa zur Hälfte mit Dauermietern belegt, der Rest, wie wir, gewöhnliche Durchreisende. Ich muss nochmals den unglaublichen Lärm erwähnen, der Verkehr extrem stark, hat denn jeder hier vier Autos und fährt mit diesen gleichzeitig diese Strasse auf und ab? Wir sitzen drinnen und hören der ebenfalls lauten Klimaanlage zu, so verdrängen wir den Aussenlärm. Es ist nun heiss geworden. Gegen Abend kühlt es ab, nur der Verkehr will nicht nachlassen, es ist Freitagabend. Wir wohnen zu müssen wäre ein extreme Strafe für uns zwei Ruhesuchende und doch scheinen dies etliche Leute zu können (oder müssen?). Über 80% der Einwohner hier bekennen sich zum LDS Glauben.

11. und 12. September 2019 – Idaho Falls, ID

5°! Immer noch ist das Wetter miserabel, Regen gibt’s zwar noch nicht, aber er wird schon noch kommen. Heute heisst es Aufbruch, runter nach Idaho Falls. Die Fahrt etwas über 110 Meilen. Die durchfahrene Landschaft zur Hälfte recht ansprechend, wenn auch die tiefhängenden Wolken die Fernsicht erheblich trüben. Bei Ashton erreichen wir die Ebene, die Strasse wird breiter und Landwirtschaft prägt das Bild. Das Wetter  immer noch trüber als trüb, aber ändern können wir es ja nicht. Bald erreichen wir die auf 1,400 Meter gelegene Stadt mit etwas über 60,000 Einwohnern, der Grossraum sogar 143,000. Die Arbeitslosigkeit soll lediglich 2.5% betragen, dies wohl die Sockelarbeitslosigkeit oder anders rum, es herrscht Vollbeschäftigung. Erster und wichtiger Halt bei Fred Meyer, unsere Weinvorräte sind wieder aufzufüllen, noch zwei Tage Idaho, dann ab nach Utah, wohl für eine ganze Weile. Der grosse Laden wir momentan umgebaut, es herrschen etwas chaotische Zustände. Yellow Tail ist gegenüber Juli um einen $ teurer geworden, ist aber immer noch günstig zu haben: +/- USD 6, inkl. Tax, abzüglich 10% Mengenrabatt. Es ist auch hier unten recht kalt, 600 Meter machen wohl doch nicht alle (Temperatur-)Welt aus. Dann aber ab in die Innenstadt, hinter dem grossen Stadthaus hat es einen ebenso grossen Parkplatz und erst noch gratis, liebes Zürich! Ohne Probleme findet sich ein Platz für unser Mobil, warm angezogen und los geht der kurze Fussmarsch ins Krung Thep. Der Laden sehr gut besucht, also speisen doch nicht alle Amerikaner in Fast Food Läden der Sorten McDonald’s, Burger King, usw. Ein rotes und ein Panang Curry unser Wahl. Beide schmecken sehr gut, wenn auch etwas ‘ländlich’, was aber keine Kritik sein soll. USD 25 die Zeche mit Tax & Tip. Zurück zum Camper und weiter zum nächsten Parkplatz, dieser nun vor dem grossen Walmart Supercenter. Ein längerer Einkauf steht an. Diesmal prüfen wir beim Verlassen des Ladens den Kassenzettel….gebrannte Kinder. Es geht noch eine Meile weiter, das Ziel der Snake River RV Park. Die Saison hier geht wohl doch langsam ihrem Ende entgegen, der Platz ist nur gerade zur Hälfte voll und wird in den nächsten Stunden auch nur wenig voller. Knappe USD 40 für Full Hook-up, anständige Facilities und ein mit Extender brauchbares Wifi werden geboten. Es ist immer noch kühl bis kalt, Heaty Logan schafft Abhilfe. Dann beginnt der Regen, unsere Nachbarn haben soeben ein Riesenfeuer entfacht, doch dieses stirbt einen langsamen und nassen Tod. Der Lärmpegel auch von der nahen Autobahn her, im Rahmen, also doch kein sooo schlechter Ort für ein zwei Tage. Aus der Tagespresse: von Januar bis Juni 2019 wurden in Kapstadt 2,302 Menschen ermordet (Quelle NZZ vom 11.9.2019).

 

Keine Wolke am stahlblauen Himmel! Die Temperatur bei 8°, drinnen erst 17°, habe wohl Heaty Logan zu spät einschalten lassen. Ein richtig schöner Herbsttag! Wir benutzen das, dank Extender, durchaus brauchbare Wifi und erledigen dies und das. Um 11:15 Uhr geht’s los, natürlich zu Fuss. Wir wollen nochmals ins Krung Thep. Der Spaziergang, zuerst der Strasse entlang, doch dann dem trägen Snake River entlang in die Stadt ganz angenehm. Nach etwas über einer Stunde und ein paar Runden durch die ansprechende Innenstadt geht’s zu Tisch. Das Restaurant heute nicht so voll wie gestern, doch das Essen erneut gut. Das Green Curry, wie schon das rote gestern, eher auf der ländlichen, rustikalen Seite. Dies soll nicht etwa abwertend sein, die Curries oben im Simply Thai in Vancouver sind einfach etwas, sagen wir mal, ‘moderner’. Der Glass Noodle Salad allerdings in einer Klasse für sich! Erneut werden USD 25 fällig, sehr zivil die Preise hier. Ein Gericht über Mittag kostet USD 10, dazu dann natürlich Tax und Tip. Wir marschieren zurück zum Campingplatz. Es ist immer noch herbstlich warm und ein kühler Wind weht, sehr angenehm. Weiter südlich werden wir dann sicherlich die dort immer noch herrschende Hitze zu spüren bekommen. Der Campingplatz heute noch etwas weniger belegt und eigentlich sehr ruhig. Erneut dann ein leichtes Abendessen, ein Roastbeef Sandwich, mehr gibt’s nicht, aber dieses schmeckt vorzüglich: Fleisch von Fred Meyer und Brot aus der hauseigenen Bäckerei. So waren die zwei Tage Pause hier sehr gut und erholsam, kulinarisch interessant. Morgen geht’s runter nach Brigham City in den sehr zentral gelegenen RV Park mit Namen Golden Spike.

 

3. bis 10. September 2019 – Baker’s Hole, West Yellowstone, MT

Um 7:00 Uhr geht der Wecker und 7° ist es draussen. Der Sonnenaufgang fast so wunderbar farbig wie gestern der Untergang. Wir machen uns zeitig auf die Socken, resp. Räder, wieder gilt es eine grössere Distanz zurückzulegen. Ziel wäre ein Campingplatz südlich des Skigebietes Big Sky, etwas über 40 Meilen vom wahren Ziel, dem Baker’s Hole Campground entfernt. Die Fahrt meist sehr ansprechend, wieder das Montana, welches mir gefällt: man sieht den Horizont, es hat viele Berge und auch Wald. Es muss eine Kombination dieser Faktoren sein, welches mir die Landschaft als sehr beruhigend ‘rüberbringt’. Es geht rauf und runter, mal langsam, mal schneller, ich kann die Bergketten die wir sehen gar nicht alle aufzählen, es sind sehr viele und alle schauen sie ‘apart’ (finde kein besseres Wort) drein. Wieder erleben, resp. erfahren wir: Montana ist riesengross! Allerdings hinterliess der grosse Ostteil des Staates (vor ein paar Jahren einmal ‚ausprobiert‘) einen weit weniger starken Eindruck auf mich, flach und langweilig und endlos. Bei Three Forks ‘entsteht’ der Missouri. Die Flüsse Jefferson, Madison und Galatin treffen sich hier und heissen ab sofort Missouri. Es böte sich der Missouri Headwaters State Park für eine Übernachtung an, würde mich schon interessieren, doch wir sind auf den Yellowstone fixiert. Vielleicht nächstes Jahr. Belgrade ist erreicht, nebenan wäre auch noch Manhattan, hier geht’s runter vom geschäftigen 90er und auf die ebenso geschäftige Strasse mit der Nummer 85 , später dann 191. Ein Tankstopp ist fällig, kein Einkaufsstopp jedoch. Es hätte einen Albertsons. Der Ort sehr ‘gwurlig’, alles will wohl oder kam vom Yellowstone. Nach etlichen Meilen südwärts wird’s dann ruhiger und der Tannenwald hat uns wieder. Die Strasse führt dem Gallatin River entlang, die Landschaft schön. Wir liegen gut in der Zeit und so beschliessen wir einen Mad Dash runter zum eigentlichen Ziel, dem Baker’s Hole Campground zu wagen. Wir passieren den Skiort Big Sky, doch dieser liegt nicht an der Durchgangsstrasse, sondern zwei Meilen den Berg hinauf, Big Sky Village dann nochmals sieben Meilen weiter. Die Strasse führt nun durch den National Park, allerdings nur ein Stück, denn geht’s wieder raus auf Montana Staatsterritorium. Baker’s Hole ist erreicht, wir sind gespannt, machen uns aber keine grosse Hoffnung, um 13:00 Uhr noch ein Site mit Stromanschluss zu kriegen. Alles voll, zumindest die Stromplätze. Doch Hartnäckigkeit macht sich bezahlt, die ‘Bewohner’ von Site 50 verlassen trotz anfänglichem Verneinen ihren Stellplatz und wir parkieren sofort um. Dies ein Randsite, nur von zwei Seiten hat es Nachbarn, aber natürlich die nahe Strasse. USD 28, wie gehabt, die Pit Toilet hier oben auch schon von der etwas strenger riechenden Sorte. Es ist Sommerwetter und anständig heiss hier oben auf 2,000 Meter Höhe. Ausruhen von der 200 Meilen langen Fahrt ist angesagt und wird auch gemacht. Wir fahren heute nicht mehr in den nahen Park, dieser kann bis morgen auf unseren Besuch warten. Heuer hat es leider sehr viele Mitcamper mit Generator im Schlepptau, aber Hauptsache wir haben ein Stromsite, dies wird sich sicherlich in der morgigen Früh bezahlt machen.

7:00 Uhr ist Aufstehzeit, die Sonne macht dies ebenfalls, sind wir also schon etwas spät dran. Ohne Kaffee geht’s zum Norris Geyser Basin, 30 Meilen, aber keine Freeway Meilen. Tiere: ein, zwei Büffel, ein paar Wapiti, das wär’s. Noch hat es auf dem Parkplatz Platz en masse, aber es herrscht bereits ein stetig Kommen und Gehen. Immer früh dran sind die asiatischen Busgruppen. Die ältesten Reiseteilnehmer werden runter ins Geyser Basin geführt/gestützt/getragen, alle Achtung. Auch ich renne runter, der Dampf ist gut, die Sonne noch relativ tief. Wieder mache ich viel zu viele Bilder, aber ich habe ja meine gute Freundin, die Delete Taste. Endlich zurück im Camper, gibt’s erst den üblichen und heute mehr als verdienten Kaffee. Es folgt ein Frühstück und dann erneutes Ausrücken, diesmal zusammen. Das Wetter perfekt, fast schon zu heiss, aber bitte nicht jammern, in einer Woche könnte, so die Prognosen stimmen, Schnee im Anmarsch sein! Der Boardwalk um das Porcelain Basin ist endlich fertiggestellt, weit über ein Jahr hat die Sache gedauert. OK, die Saison hier ist relativ kurz. Auch die Bohlen zum Steamboat Geyser bedürften dringend einer Erneuerung. Zurück auf dem nun übervollen Parkplatz ruhen wir aus. Plötzlich herrscht hier auf dem Bus und RV Parkplatz gähnende Leere, was ist auch los? Doch nach einer halben Stunde ist wieder ‘Business as Usual’. Langsam denken wir an die Heimreise. Vor den Gibbon Falls kommen wir in einen grösseren Verkehrsstau, gibt’s hier im Park ja immer, wird wohl wieder ein Viech oder sogar zwei am Strassenrand stehen. Wir warten und warten, nix geht! Dann ein paar Meter und wieder stehen wir. Ein Auto aus der Gegenrichtung hält an und erklärt uns den Grund: ein Unfall! Ein Helikopter sei unterwegs, es könne noch eine Weile dauern. Ein paar Minuten später weiss ein texanischer Mitwarter zu berichten, ein Auto sei ein Kliff hinuntergestürzt, es wird ja immer besser. Das Kliff entpuppt sich glücklicherweise ein paar Minuten später als Strassengraben, keine zwei Meter tief. Doch der Wagen sieht zerdeppert aus, mehr sehen und wollen wir auch nicht sehen. Stau durch Gaffer…….Wir sind wieder auf dem Camping, die Nachbarn noch die selben, doch morgen gibt’s Wechsel. Apéro draussen, Abendessen auch draussen, es ist angenehm warm, wenn auch die zu nahe Strasse dann und wann wirklich sehr stört, vor allem die Trucks, welche mit meist über 100 ‘Sachen’ vorbeidonnern.

 

6:35 Uhr, bitte schön! 10° am Morgen, einige Wolken. Unser heutiges Ziel: Old Faithful. Natürlich herrscht bereits starker Verkehr. Eine kleinere Wartezeit müssen wir in Kauf nehmen, Wapitis äsen hart an der Strasse, die Autos stehen einmal mehr kreuz und quer in der Landschaft und die Leute rennen kopflos zwischen diesen herum um noch näher an die armen Tiere zu kommen. Auch den einen oder anderen Bison, allerdings in weiter Entfernung bekommen wir zu Gesicht. Nach 32 Meilen sind wir auf dem noch ziemlich leeren Parkplatz beim Old Faithful. Die nächste ‘Vorstellung’ des Geysers wäre für 8:49 Uhr angesagt. Also zuerst einen verdienten Kaffee. Die Vorstellung dann eher kümmerlich, dafür 10 Minuten zu früh. Zurück und ein Frühstück verspiesen. Dann nochmals los, der Alte Treue soll ja alle +/- 90 Minuten ausbrechen. OK, diese Vorstellung ist einiges besser als die vorige. Nun kann es ans Wandern gehen, durch das Upper Geyser Basin rüber zum Bisquit Basin haben wir uns ‘auf die Fahnen geschrieben’. Die Landschaft, ich muss es nochmals loswerden, einfach unbeschreiblich schön und eindrücklich. Das Wanderaufkommen auf den teilweise sehr wackeligen Bohlen nicht erdrückend. Leider kommen wir nicht in den Genuss eines weiteren/anderen Geyserausbruches, aber auch ohne ist es halt einfach obersapertonihaftig! Recht erschöpft sind wir wieder auf dem nun vollen Parkplatz und ruhen aus. Dann geht’s nach Hause, bevor dies alle anderen auch unternehmen. Kein Stau auf der Rückreise. Das Unfallfahrzeug von gestern steht am Parkeingang, wohl als Abschreckung gedacht. Das SUV sind wirklich nicht mehr so taufrisch aus. Das Gras nun dunkelgelb, die Wolken schneeweiss und tiefhängend, in der Ferne imposante Bergriesen. Der Camping ist voll, nicht anders zu erwarten. Temperatur ist hoch, wir brauchen die Klimaanlage, hoffen aber, damit nicht das Klima kaputtzumachen! Es sind nun wohl die meisten Familien ‘weg’, dafür sind nur noch Rentner mit ihren riesigen 5th-Wheels oder Class A Motorhomes auf dem Platz. Aber sind wir nicht auch so etwas wie Pensionisten? Apéro und Abendessen erneut draussen, drinnen kühl es nur langsam ab. Der Abend wird, abgesehen vom Strassenlärm, ruhig.

 

Um 4:00 Uhr beginnt es zu regnen, davon war verständlicherweise in den Prognosen nicht die Rede. Es regnet und regnet, zumindest ein sanfter Regen und kein Gewitterregen mit Blitzeinschlag und folgendem Waldbrand. So verbringen wir den Tag mehrheitlich in der warmen Stube, draussen ist es 10° kälter als gestern, 16° liegen gerade noch drin. Ich unternehme einen Fotoausflug runter zum träge dahin fliessenden Madison River und knipse dies und das ab, mit dabei die Fuji, welche sich seit ein paar Tagen sehr anständig benimmt. Selbstverständlich gibt es auch noch, trotz Kühle, die obligate Platzrunde, resp. deren zwei. Der Platz ist voll, es ist ja auch Freitag. Apéro und Abendessen drinnen, draussen regnet es erneut und nicht eben wenig!  20% der arbeitenden Bevölkerung von Montana sind vom Staat angestellt. Noch eine Zahl: von hier rauf zum ‘relativ nahen’ Glacier National Park wären es noch 640 Kilometer! Der Eintrittspreis pro Wagen in den Yellowstone bei USD 35! Zum Vergleich 1993: USD 10.

 

 

 

Wir stehen erst um 8:00 Uhr auf. Draussen herrscht Nebel, dieser soll sich im Laufe des Morgens verziehen und schönem Wetter Platz machen. Es ist frische 8°, natürlich nur draussen. Nach dem Morgenessen geht’s in die Stadt, resp. zum dortigen Visitor Center des Staates Wyoming (allerdings auf Montana-Gebiet!). Das WiFi gar nicht schlecht, wir können unsere Teneriffa Flüge buchen, etwas über 800 ‘Stutz’ für die beiden Tickets, war auch schon günstiger….. zu Beispiel letztes Jahr: CHF 550! Ist hier der ‘Greta Reuebatzen’ schon inkludiert? Zum Vergleich: Zürich – Hong Kong – Sydney –> CHF 1,070! Dann eine Sitzplatzreservation für den Flug Las Vegas – Zürich, zähneknirschend berappen wir die geforderten total CHF 58.00. Nun aber ab in den Park, es ist bereits 11:00 Uhr. Kein Stau am Eingang, eine kleinere Überraschung! Das Wetter bessert sich nur langsam, aus dem Nebel sind nun dichte Wolken geworden, diese Wetterpropheten! Wie können nur ihre wohl besser bezahlten Kollegen behaupten, dass es in 30 Jahren 0.5° oder so wärmer sein soll, wenn die weniger gut bezahlten nicht einmal das Wetter für Übermorgen raten können? Der Fountain Flat Drive, resp. das Ende dieses ist erreicht, hier einen Parkplatz zu finden ist ein Kinderspiel. Es gibt hier auch nichts zu sehen und so kurven sicherlich 90% der ‘Kunden’ ohne auszusteigen wieder zurück auf die Hauptstrasse. Es windet und obendrein ist es noch recht kühl. Also gibt’s einen frühen Lunch, danach ist das Wetter nicht besser, nur die Uhrzeit fortgeschrittener. Warm angezogen geht’s raus in die wunderschöne Landschaft, hier draussen hat es Platz, kaum ein Wanderer begegnet uns. Begegnen wollen wir auch keinem Bären, die Warntafeln tun eben dies: sie warnen vor einer möglichen Begegnung, wer keinen Bärenspray sein Eigen nennen kann, soll bei einem Angriff ruhig am Boden liegen bleiben, die Hände hinten auf den Nacken gedrückt. Wenn das mal gut geht! Wir schaffen es bis rauf zur Aussichtsplattform auf die Grand Prismatic Spring. Erneut ein erhabener Anblick, den wir natürlich mit diversen anderen Touristen teilen müssen oder eher dürfen. Wir machen uns auf den Rückweg, das Wetter immer zwischen Sonnenschein und Regen, die schweren, tiefhängenden Wolken unsere ständigen Begleiter. Wir treten die Rückfahrt an, Tiere eher wenig bis keine, die obligaten Büffel muss ich nicht jedes Mal erwähnen. Der Camping ist bereits voll, es hat sich halt in Pensionärskreisen herumgesprochen, dass man/frau hier für USD 18 (nur Retired US Citizens/Residents) günstig maximal 16 Tage verbringen kann. Ohne Strom kostet’s sogar nur USD 10, was ja auch kein Problem ist, heute, wo jederman/frau mindestens einen Generator dabei hat, manche davon leider der nicht so leisen Sorte.

 

 

 

 

 

Um 7:00 Uhr geht der Wecker, wir hätten ihn gehen lassen sollen, das Wetter ist schlecht! Trotzdem stehen wir brav auf und es geht ohne Kaffee zum Old Faithful. Der übliche Bison am mehr oder weniger Wegesrand, sonst gibt’s keine Tiere zu Gesicht. Es gibt endlich Kaffee! Dann folgt ein Morgenessen, auf einen Old Faithful Ausflug haben wir momentan keine Lust, es ist immer noch 8°. Doch das schlechte Wetter, angekündigt erst für morgen, will nicht besser werden. Das Quecksilber steigt über die 10° Marke, also Wanderschuhe montiert und ab in die geothermische Natur. Trotz Lausewetter sind natürlich viele Leute unterwegs, alle jedoch warm angezogen. Nach einer halben Stunde wandern setzt der Regen ein, zuerst sanft, dann immer stärker. Wir denken an eine Rückreise, doch der Camper ist leider weit entfernt und so werden wir, trotz Regenschutz, ziemlich nass. Lunch dann in der warmen Stube  und wir denken bald an unsere Heimreise, drüben in Montana wartet ein Stromanschluss auf uns. Das Besucheraufkommen nur minim geringer, dies trotz nun Dauerregen. Endlich wieder in Baker’s Hole, hängen wir uns sofort an den Strom und Heaty Logan kann seine wichtige Arbeit beginnen. Es ist kalt und ungemütlich! Es regnet immer noch, die Temperatur bei bescheidenen 12°. Morgen soll das Wetter noch schlechter werden, kaum zu glauben, die Temperatur könnte noch etwas sinken, mehr liegt wohl nicht drin an Schlechtwetter.

 

Es hat GEREGNET! Stundenlang! Der Morgen präsentiert sich grau in grau, die Temperatur bei 8°. Dabei sollte das schlechte Wetter erst heute kommen, müssen sich die Wetterpropheten je für ihre ‘Falschmeldungen’ entschuldigen? Also geht’s nicht vor 8:00 Uhr aus den warmen Federn. Zu der leicht kühlen Temperatur gesellt sich noch ein forsches Windchen. Stubenarrest! Heaty Logan macht Überstunden, werden ihm wohl bald eine Gehalterhöhung zugestehen müssen. So bleiben wir drinnen, abgesehen natürlich von ein paar Platzrunden zwischen diversen Regengüssen. Wir nehmen uns nochmals unsere weitere Reiseroute vor, Resultat: wir bleiben auch morgen noch hier, dann aber runter nach Idaho Falls für zwei Tage. Danach Brigham City, jawohl auf den lauten Campingplatz hart an der Durchgangsstrasse gegenüber von Walmart. Nächster Stopp erst wieder unten in Filmore auf dem recht ansprechenden KOA (!?). Heute ist hier eine grössere Umschichtung im Gang, diverse Langzeitmieter ziehen endlich von dannen, aber es warten natürlich schon neue ‘Kunden’. Der Platz nun wirklich voll mit Rentnern, wir natürlich mitgerechnet. Das Wetter bessert sich nur zögerlich, nach etwas blauem Himmel folgt die Strafe sofort mit noch mehr Regen. Die gute Seite daran wohl, dass so schnell kein Blitzschlag ein Riesenfeuer entfachen kann. Die Bäume um uns herum alle triefend nass, unser Camper natürlich auch. Aber es werden sicher wieder warme bis sogar heisse Zeiten kommen. Am 20. September sind wir mit Leila, ich meine natürlich Erin & Peter und nicht (aber auch) ihrer Schäferhündin unten im Bryce Canyon verabredet. Diesmal wird’s wohl klappen, vor ein paar Monaten hatten wir uns um ein paar hundert Meilen ‘verpasst’. Kurz vor Sonnenuntergang zeigt sich noch die Sonne, mal schauen wir weit es danach mit der Temperatur in den Keller geht. Etwas in den alten Tagebüchern geblättert: heute vor 27 Jahren waren wir im Hoh Rainforest, 1993 dann im Lamoille Canyon unten in Nevada, 1995 im Grand Teton NP, 1996 in Moab, Utah. 2014 im Canyonlands NP, 2015 wieder im Canyonlands NP, aber oben im Island in the Sky, 2016 in Bennett, Colorado, 2017 in Ririe, Idaho und letztes Jahr im Grand Teton NP.

 

 

 

Es hat in der Nacht kurz geregnet, doch auch um 7:00 Uhr schaut der Himmel nicht viel besser aus, im Gegenteil, es könnte in Kürze wieder Regen geben. Trotzdem stehen wir auf, lassen aber die Fahrt rüber zum Grand Canyon of the Yellowstone sausen. 43 Meilen pro Weg bei diesem Hundewetter…..? Nein! Nach dem Kaffee beginnt es zu regnen, der Himmel bleiern, die Temperatur bei sehr bescheidenen 5°. Stubenarrest ist angesagt. Einer unserer Nachbarn ist schon früh weg, doch um 7:15 Uhr(!) ist das Site bereits wieder besetzt, erneut Rentner, diese aus Minnesota. Es ist 13:30 Uhr, der Regen macht Pause und die Temperatur Fortschritte: 8°! Ohne Strom kämen wir wohl etwas in einen ‘Heiz-Engpass’, die Sonnenkollektoren suchen vergeblich nach der Sonne und so wären die Batterien wohl sehr schnell am Anschlag. Der Strom setzt zwei Mal kurz aus, es sind wohl zu viele ‘Mitfrierer’ am Netz. Im Tagebuch entdeckt: Kalifornien hat 31.4 Mio. Einwohner, davon 26% Hispanics, allerdings sind diese Zahlen von 1995. 20 Jahre später sieht’s so aus: 39.2 Mio. Einwohner, davon 39% Hispanics (diese Zahlen aus dem World Almanac 2018). Das Wetter bessert minim gegen Abend, aber Apéro draussen, leider nicht! Morgen soll’s runter nach Idaho Falls gehen, in die Zivilisation sozusagen.

 

 

 

 

 

2. September 2019 – Deer Lodge, Montana

Um 7:00 Uhr geht der Wecker, der heutige Weg ist lang und der Kurven werden da viele sein. Es ist frisch, also ein kurzer Griff zur Heizung. 15° in der Stube ist nicht arg viel. Die Sonne lugt nicht vor 8:00 Uhr über den nahen Berg. Um 8:30 Uhr haben wir dann bereits Licht auf den Panels. Anderthalb Stunden früher mit nur anderthalb Meter Verschieben, eine Meisterleitung von uns zwei.  Um 9:00 Uhr sind wir bereits auf der Gasse, es geht immer dem sehr flachen Lochsa River entlang Richtung Lolo Pass, resp. dann Montana. Der Verkehr für diese doch abgelegene Gegend stark, es ist Laborday Montag ab nach Hause. Die Strasse steigt erst auf den letzten paar Meilen steil zu Pass hoch. Obligater Halt beim grossen Visitor Center, ich könnte wieder einmal neues Kartenmaterial mitnehmen, die Auswahl hier enorm gross. Erneut sind wir in Montana, die Gegend wird langweiliger, dafür hat es weniger Kurven. Kaum zu glauben, aber das Speed Limit hier ist satte 70mph! Wir sind nicht auf einer breiten Strasse oder gar einem Freeway, wohlverstanden. Bals ist Lolo erreicht, hier ein Tankstopp, USD 2.75 die Gallone sehr attraktiv. Weiter geht’s nach Missoula rauf, wir wollen noch bei Walmart vorbeischauen. Es ist warm bis heiss, aber es weht ein stärkerer Wind. Leider werden wir von der Kassierperson (geschlechtsneutral!) über den Tisch gezogen. Es werden uns zwei Gallonen Antifreeze verrechnet, immerhin total USD 21. Wie der Trick genau abging, wissen wir leider nicht, das Geld ist jedoch weg, zurückfahren liegt nicht drin, es wären dies über 60 Meilen. Der Wald weicht offener Gras- und Hügellandschaft, es wird trockener, was bleibt ist natürlich der starke Freizeitverkehr nun auf dem Freeway mit der Nummer 90. Unser anfängliches Ziel den Beavertail State Park lassen wir rechts liegen, wir sind noch früh dran, also soll es weiter bis Deer Lodge(pop. 3,020, elev. 1,400m) gehen. Der auserwählte RV Park dann praktisch auf der Autobahn, Lärm, Lärm, Lärm und natürlich kommt noch die Eisenbahn dazu. Also muss Plan B ‘auf den Plan’. Dies wäre ein KOA, welcher einiges weiter vom Freeway entfernt ist, doch die Eisenbahn bleibt, es gibt kein Entrinnen. Der Laden klein und etwas heruntergekommen, nicht heruntergekommen jedoch der Preis: stolze USD 44.81. Geboten werden zwei Toiletten, eine Dusche pro Gender. WiFi geht nicht…… Zumindest meint es die Sonne gut mit uns, sie brennt unbarmherzig auf uns und unser Mobil runter, Schatten: keine Spur! Wir sind nun wieder in der Mountain Time, welche uns eigentlich besser ‘passt’ als die pazifische. So warten wir auf den Sonnenuntergang und die Apérozeit, beides kommt unweigerlich. Der Sonnenuntergang wird grandios, solche Farben haben wir schon lange nicht mehr erlebt. Das Leben ist anders, wenn man/frau den Horizont sieht, die ewigen Tannli sind wirklich nicht unser Ding. Es gibt auch noch einen kurzen Spaziergang in die nahe Innenstadt, etwas arg verschlafen, aber aufgeräumt. 10 Kirchen stünden hier zur Auswahl, die originellste wohl die Depot Church, untergebracht im ehemaligen Bahnhof. Schlechte Nachrichten vom Yellowstone: es kommt eine Kaltfront runtergebraust, wir müssen uns auf sehr kalte Zeiten einstellen.

 

2,380 Meter

29. August bis 1. September 2019 – Wilderness Gateway CG, Lowell, ID

Der Verkehr der doch nahen Strasse ab 5:00 Uhr in der Früh ist enorm! Auch geizen diverse Lastwagenfahrer nicht mit der fürchterlich lauten Motorenbremse. Es soll heute zeitig losgehen, wir wollen einen schönen und hoffentlich ruhigen Platz im Wilderness Gateway Campground ergattern. 80 Meilen die Fahrt, der Himmel düster bis schwarz. Es beginnt,  wie könnte es nach dem Wagenwaschen auch anders sein, zu regnen. Die Fahrt entlang dem sehr seichen und klaren Clearwater Fluss aufwärts sehr schön, der Verkehr stark, Logging Trucks prägen das Strassenbild. Bei Lowell, mitten in der Einsamkeit, fliessen der Selway und der Lochsa River zusammen und der Fluss heisst eben nun Clearwater. Die Fahrt zieht sich in die Länge, ist die Strasse doch sehr, sehr kurvig und mehr als 40 Meilen pro Stunde liegen im Durchschnitt nicht drin. Das Ziel ist erreicht, wir kurven hoch zum C Loop, der B Loop eher für Motohomes, der D Loop für Leute mit Pferden. Der A Loop seit längerem gesperrt. Der C Loop geteilt in Sites mit Flussanstoss und links der Strasse ohne solchen. Es geht erneut auf Site Nummer 3, ohne Zugang zum Lochsa River, doch hoffentlich ruhig. Der Platz präsentiert sich jetzt noch praktisch leer, aber etliche Sites sind ja reservierbar und davon wurde auch Gebrauch gemacht. Morgen kommt wohl der grosse Ansturm, das Laborday Weekend steht vor der Tür. USD 14 (immer noch!) der Preis, die Gegenleistung Pit Toilets und Wasser, wenn auch nur an einem Spigot. Am Dienstag wird das Wasser ganz abgestellt, so die eine Mitteilung an der Eingangstafel. Unten auf dem praktisch leeren B Loop sind sogar die Flush Toilets geschlossen. Daher wohl der bescheidene Ansturm auf die recht zahlreichen Stellplätze. Es ist überraschend aber angenehm kühl, wir haben hier schon reichlich Hitze erduldet, aber das Wetter soll ja wieder besser werden und die Temperatur auch. Wir geniessen die noch herrschende Ruhe, machen keine grossen Sprünge, lediglich ein ausgedehnter Spaziergang durch die weitläufige Anlage liegt drin.

 

Ein ruhige und kühle Nacht weicht einem schönen (Herbst-)Tag. 15° zu 14° die momentan herrschenden Temperaturen um 8:00 Uhr. Doch wir heizen unser Stüblein nicht auf, dies soll die aufgehende Sonne für uns übernehmen. Tut sie auch, doch sie braucht ihre Zeit um über die hohen Hügel zu klettern. Nach dem Morgenessen geht es auf den üblichen ‘Waggel’, der Trail 211 wird einmal mehr unter die Wanderschuhe genommen. Alle anfänglichen Wolken sind weg, die Sonne brennt auf uns hernieder, doch der staubige Wanderweg ist da und dort unter schützenden Bäumen. Etliche Wanderer und eine Pferdekarawane treffen wir an. Es ist schön, hier die Füsse zu vertreten, die Aussicht auf die umliegenden bewaldeten Hügel eindrücklich. Trotz der Bäume fühlen wir uns nicht so eingeengt etwa wie oben im Hoh Regenwald. Solange mein Blick auf 50% Himmel trifft, ist alles im grünen Bereich. Zurück auf dem immer noch spärlich belegten Camping, ruhen wir aus, sind uns das stundenlange Wandern nicht mehr gewohnt. Unser Site hat bereits Schatten, ganz im Gegensatz zum Juli, wo das Thermometer weit über der 30° Marke liegt und dies auch im Innern des Campers. Nun sind wir bei vertretbaren 25° drinnen und draussen. So lässt’s sich gut leben, wenn ich auch mit dem zur Verfügung stehenden Strom etwas haushalten muss. Der Platz wird zu unserem Erstaunen auch heute nicht stärker belegt, so muss Camping sein. Der Abend wird kühl und ruhig, wobei kühl relativ zu verstehen ist, unter 20° gibt’s erst nach 22:00 Uhr.

 

14°, also doch kühl! Schnell für ein paar Minuten die Heizung an, dann kommt die Sonne. Doch die Solar Panels werden erst nach 10:00 Uhr angestrahlt. Wir halten Kriegsrat und beschliessen, den Wagen keine zwei Meter nach rechts zu bewegen, dies in der Hoffnung, morgen einiges früher in den Genuss von Sonne zu kommen. Ich erlaube mir, in Anbetracht des geringen Tätigkeitsaufkommens, die beiden Tage zusammenzufassen. Es kommt, wie erwartet, zu Temperaturen jenseits von 30° und somit halten wir unsere Wandertätigkeit in engen Grenzen. Auch im Camperinnern werden über 30° gemessen, nicht mehr ganz so angenehm, wie auch schon. 640 Meter hoch sind wir hier, sei noch angemerkt. Auf unseren kurzen Streifzügen durch den weitläufigen Camping sehen wir ein Reh und eine Schlange. Auch schaffen wir es endlich, die halbe Meile durch den Wald zum angegebenen Aussichtspunkt abzuspulen. Der Ausblick runter auf den sehr wenig Wasser führenden Lochsa River noch ganz passabel. Da die Welt ja so klein ist, kommt der Jeep mit Luzerner Nummer, den wir oben im Olympic auf dem Camping gesehen haben und parkiert in nächster Nähe zu uns. Nun müssen wir anstandshalber Grüezi sagen, sind wir unseren Landsleuten wohl schuldig. Wir plaudern noch ein ganze Weile mit den beiden jüngeren Leuten, sehr angenehme Zeitgenossen. Die Umparkiererei hat sich gelohnt, kurz nach 9:00 Uhr haben wir bereits kräftig Licht auf den Panels. Doch um 14:00 Uhr ist bereits wieder Schluss, die Sonnenbahn bereits etwas flach und die Bäume zu nah und zu hoh, es ist ja auch bald Herbst. Wenn nicht doch ein Negativwunder geschieht, war die ein sehr ruhiges und erholsames Laborday Weekend! Letztes Jahr hatten wir uns ja in Ririe eingenistet und diese Idee war dann nicht ganz so toll. Aber warten wir einmal ab, wie der Besucheransturm im Yellowstone sein wird, ganz leer wird’s wohl kaum sein. Die Campingplätze sind noch ziemlich stark bis komplett ausgebucht. Doch zuerst geht’s wieder rüber nach Montana, wo die Distanzen enorm sind und die Campings immer am Freeway und/oder in unmittelbarer Nähe eines stark befahrenen Schienenstrangs sind.

 

 

28. August 2019 – Orofino, ID

In der Früh wurde es dann doch noch kühl, doch nach 7:00 Uhr ist es immer noch oder wieder 17° draussen. Die Nacht war ruhig, aber das war es dann auch schon, hier länger zu verweilen, nein danke. Wir kurven los, auf West Richland folgt logischerweise Richland. An vielen Orten werden sehr schöne und grosse Häuser gebaut, Boomtown sozusagen. Die Strassen breit und sauber, keine Hektik. Heile Welt oder was? Es folgt die nächste der Tri Cities: Pasco, weiter südlich, nicht an unserer Route, wäre noch Kennewick. Der Grossraum hier kann, wie Yakima, mit einer Viertelmillion Einwohner aufwarten. Müssten wir wählen, dann lieber hier als in Yakima, obwohl es keine Berge und Wälder in unmittelbarer Nähe hat. Wir überqueren, per Brücke natürlich, den breiten Columbia River, wenig später den nur unwesentlich schmäleren Snake River, die beiden Flüsse vereinigen sich hier und der Snake muss seinen Namen abgeben. Es geht hinaus aufs Land, die Strasse #124 bringt uns ostwärts. Immer noch Landwirtschaft hier, nun aber riesige Weizenfelder, die meisten leider schon abgeerntet. Die Gegend wird hügelig, die Weizenfelder bleiben, nein, dominieren sogar die Landschaft, kaum ein Flecken nicht bebaut. Wir passieren kleine, recht hübsche Dörfer mit Namen wie Prescott, Waitsburg, Dayton oder Pomeroy, alle im vorletzten Jahrhundert gegründet und jeweils mit einer schönen Innenstadt mit gemauerten Gebäuden versehen. Landwirtschaft muss, oder hatte sich zumindest einmal, doch rentiert. Dies im Gegensatz zur landläufigen Meinung: Crime Doesn’t Pay, Neither Does Farming. Kurz vor Clarkston fahren wir ein Stück dem langen Lower Granite Lake entlang, der Snake River muss natürlich das Wasser dazu liefern. Mittedrin hätte es eine Insel mit State Park inkl. Campground. Doch wir müssen/wollen weiter, Orofino das noch ferne Ziel. Die Doppelstadt Clarkston/Lewiston ist erreicht, auch hier scheint es den Leuten gut zu gehen. Einkaufsmöglichkeiten praktisch überall, wir machen nur bei Albertsons einen Stopp, nebenan wäre auch gleich Walmart. Hier wieder ein ähnlichen Brücken/Flussspiel wie gehabt: es geht über den Snake River, dann über den Clearwater River. Lewiston ist schon Idaho, Schluss mit Washington wohl für längere Zeit. Die Landschaft nun eher wieder walding, keine Weizenfelder, die Strasse führt immer dem Clearwater River entlang in die ‘Wildniss’. Es ist heiss! Orofino ist erreicht, etwas über 3,000 Einwohner zählt das kleine, einigermassen ansehnliche Städtchen. Ohne Umschweife geht’s zum Car Wash, der Wagen hat es bitter nötig. Wahrscheinlich wird es morgen regen, war bis jetzt meistens so. Die Waschanlage eng, aber günstig, ich werde klitschnass, aber die Sonne trocknet mich in kurzer Zeit. Es geht auf den Clearwater Crossing RV Park am gleichnamigen Fluss. Die Anlage nun halbleer, letztes Mal kriegten wir keinen Platz. USD 34 werden fällig (inkl. Good Sam Rabatt), geboten werden sehr saubere Facilities, ein brauchbares WiFi und ein Stellplatz hart am Flussufer. Als Dreingabe gibt’s noch ein schattenspendendes Bäumchen, doch die Sonne bleibt ja nicht am Himmel hängen und so kriegen wir am späteren Nachmittag ihre volle Kraft zu spüren. Natürlich läuft die Klimaanlage, es ist 35°. In der Nähe brennen übrigens zwei Feuer, eines absichtlich (Prescribed Fire) gelegt, das andere wohl ein ‘Unfall’. Die Sonne verschwindet hinter dem Wald, es wird erträglich, kühlt aber nicht so schnell ab, wie gehabt, resp. empfunden, verglichen mit früheren Besuchen hier. Der Verkehr der nahen und stark befahrenen Strasse lässt nach, Ruhe kehrt ein. Unser Nachbar einer der leisen Sorte, kommt ja auch von Kanada…. Die heutige Fahrt happige 190 Meilen, dies ist zum Glück nicht jeden Tag der Fall, einmal oben am Lochsa River werden wir uns für ein paar Tage verkriechen.

27. August 2019 – West Richland, WA

Um 7:00 Uhr stehen wir auf, es ist ein paar Grade wärmer, aber doch nicht warm genug. Furny richtet ‘die Sache’ innert weniger Minuten. Es geht heute ohne Kaffee und Frühstück rauf an die Reflection Lakes. Das Wetter ist gut, aber leider bläst bereits ein nicht ganz so schwacher Wind. Oben dann die Gewissheit: es windet, keine Spiegelung. Doch wer Geduld hat, den belohnt das Leben. Nicht die beste aller Spiegelungen, aber durchaus zu gebrauchen. Nun kurven wir auf der Stevens Canyon Road in die Tiefe. Beim Box Canyon Picknick Platz dann endlich Kaffee & Frühstück. Die WC Anlage hier riesig, das Besucheraufkommen = Zero! Schnell noch ein Bild des in der Ferne aufragenden Mount Adams, 3,743 Meter hoch und ziemlich verschneit. Die Fahrt kann weitergehen, wir verlassen den Park und kämpfen Wir passieren den recht grossen Rimrock Lake, der Tieton River wird hier wohl aufgestaut, die Staumauer immerhin 97 Meter hoch und bereits 1925 erbaut. Einen nächsten Stopp gönnen wir uns erst unten in Yakima, Fred Meyer heisst uns und unsere Kreditkarten willkommen. Es ist sehr heiss hier unten auf  320 Meter über mehr. 94,000 soll es hier geben, kann ich anhand es hektischen Verkehrs gut glauben. Der Grossraum kann sogar mit einer Viertelmillion Menschen aufwarten. Die Brüder Mahre wurden hier 1957 geboren, wem dies was sagt. Weiter geht die Fahrt, allerdings nur ein paar Meilen bis zum riesigen Parkplatz vor dem ebenso riesigen Walmart. Lunchbreak! Immer noch laben wir uns am vorzüglichen Roastbeef von Fred Meyer, mein Übertritt zu den Vegetarier ist bis auf weiteres auf Eis gelegt. Auf der Autobahn geht’s nun immer ostwärts, kein Baum weit und breit, eine richtige Augenweide! Die Hügel nackt und gelb, es sei denn, es wächst was drauf, hier natürlich Obst, aber immer mehr auch Weintrauben. Die Reben hart Autobahnrand, wohl ‘Château Autoroute’ oder so genannt. Der herrschenden Hitze nach zu beurteilen gibt es wohl Glühwein hier. Die Fahrt ist lang und noch länger, die Landschadft lang…weilig. Endlich erreichen wir West Richland und verlassen die Strasse #12,nun geht’s für wenige Meilen nur nordwärts zum auserwählten Übernachtungsort, Red Mountain RV Park. Vorbei geht’s an Weinfeldern und so illustren Strassennamen wie Antinori Drive. Ziel erreicht und etwas über USD 36 weg von der gutmütigen Kreditkarte und wir stehen Tür an Tür unter der sengenden Sonne mit unseren Mitcampern. Alles ausnahmslos Dauermieter (USD 440 pro Monat). Die Facilities sehr sauber, da kaum benutzt, unsere Mitstreiter logieren meist in grossen 5th Wheels oder überlangen Wohnwagen. Das WiFi recht flott und so wird halt wieder viel Zeit vor oder hinter dem Computer/Tablet verbracht. Wieso hat es hier nur so viele Weingüter? Knapp 800 (in ganz Washington wohlgemerkt) sollen es sein, etwas gleich viele wie der südliche Nachbar Oregon aufweisen kann. Natürlich ist Kalifornien die unangefochtene #1 mit 4,500 Wineries. Auf ‘unserem’ Camping hier wohnen allerdings meist Leute, welche ich eher mit der Ölindustrie in Verbindung setzen würde: riesige Arc Welder auf den bulligen Pick-ups, Nummernschilder von Texas und Oklahoma.…..doch Washington hat kein Öl, zumindest nicht hier (vor der Küste bei Bellingham soll es etwas davon haben). Vielleicht sind diese Leute ja im Clean-up Project Hanford tätig, welches Atomabfälle ‘vitrifiziert’, die Kosten dafür sollen sich auf weit über USD 100,000,000,000 belaufen. Es ist heiss, sehr heiss, einiges über 30° und kein Bäumchen weit und breit. Nach Sonnenuntergang kühlt es langsam ab. Die Klimaanlage kann Feierabend machen, wir öffnen alle Fenster und die Haustüre, Blasi Boise macht sich an die Arbeit. Es ist trotz der Enge sehr leise, keine Autobahn, Bahnlinie oder laute Nachbarn.

Ein Dank dem Internet: in Afrika brennt es weit stärker, als im Amazonasgebiet, doch davon ist in den Zeitungen nicht die Rede. Quelle: FIRMS NASA.

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