27. September 2019 – Monticello, Utah

17° zu 17°, es wird immer wärmer. Heute gibt’s zur Abwechslung keine Bilder. Das Wetter perfekt, keine Wolke mehr am Himmel und wir könnten, so wir wollten, sogar noch eine Nacht hier bleiben. Wir müssen ablehnen, man/frau soll gehen, wenn es am Schönsten ist. Aber es wird noch schöner: die Fahrt durch den Park Richtung Hanksville sucht wohl ihresgleichen! Bei Caineville wird’s dann weniger schön: wir stehen unvermittelt im Stau, vor uns ein schwerer Unfall. Also heisst es warten, doch nach 20 Minuten können wir weiter, der sehr starke Verkehr wird einspurig um die Unfallstelle geführt. Die Sache sind gar nicht schön aus, weit mehr als Blechschaden. Später erfahren wir, dass es ein Todesopfer und eine Schwerverletzte gab, beides Australier. Die beiden anderen Beteiligten nur leicht verletzt (da viel grösseres Auto), diese beiden aus Österreich, resp. der Schweiz. Mit mulmigem Gefühl im Magen geht es weiter nach Hanksville. Unser üblicher Halt im skurrilen Supermarkt. Der Weg ist noch weit, wir wissen nicht genau, wo wir überhaupt nächtigen wollen/sollen/können. Nun ist die zweitschönste Strasse, UT95 am Zug (UT24 vielleicht noch schöner, gerade eben ‘befahren’), zuerst recht flach und langweilig, rechterhand die herbstlich verfärbten Henry Mountains geht’s an Little Egypt (von der Strasse aus leider nicht einsehbar) vorbei langsam in die Tiefe, rote Sandsteinformationen tauchen wieder auf, wunderbar. Ein kurzer Halt an einer, nein, der einzigen Raststätte weit und breit, und wir kurven noch tiefer in die Sandsteine. Dann geht’s in die Höhe, dem Aussichtspunkt hoch über dem kümmerlichen Rest des oberen Lake Powell entgegen. Hier natürlich ein längerer Stopp und wir müssen eingestehen, dass es so wenig Wasser gar nicht hat, wir hatten schon weit weniger gesehen. Also müssen Alibibilder her zum Vergleich mit früheren Jahren (falls nicht schon lange gelöscht).

Die Strasse führt runter zum Lake Powell, hier gäbe es die Möglichkeit an ein paar Orten relativ primitiv zu campieren, Pit Toilets sind im Angebot und USD 6 (gemäss Peter G.) wären zu berappen. Doch kein Schatten weit und breit und die Temperatur angenehm bis schon zu hoch für uns zwei. Wir kurven weiter, die Landschaft immer noch ein Knüller. Nun folgen wir längere Zeit dem engen White Canyon, leider nicht viel zu sehen vom Auto aus, man/frau müsste schon hinunterklettern. Dies könnte man dann etliche Meilen später im Natural Bridges NM. Der dortige Mini-Camping immer sehr gut besucht, wir versuchen unser Glück schon gar nicht. Es folgt ein weiteres Highlight, die Fahrt durch die Comb Ridge, es geht rauf und runter und rauf und runter, ohne Ende, so scheint’s zumindest. Endlich erreichen wir Blanding (pop. 3,400, elev. 6,100’) und steuern schnurstracks den uns bekannten Blue Mountain RV Park an. Der Schreck ist gross, alles restlos ausgebucht, OK, es ist Freitag, aber trotzdem…… Die Leute sehr freundlich, man ruft sogar nach Monticello rauf an und versucht bei zwei anderen RV Parks ein Site zu ergattern. Beim zweiten klappt’s: Old West RV Park. Beruhigt können wir nun ans Einkaufen denken. Es bietet sich der nicht einmal schlechte Clark’s Supermarket an. Die Preise natürlich weit über Walmart Niveau, aber wir brauchen Groceries und bezahlen sie halt. Noch 22 Meilen bis Buffalo, nein: Monticello (pop.2,000, elev. 7,100). Der RV Park ist mitten in der ‘Stadt’, hart an der Durchgangsstrasse angesiedelt. Wählerisch können wir nicht sein, wir bezahlen die geforderten USD 35, die Leute sehr freundlich und kommunikativ, wir eher müde und abgekämpft. Es wird ein sehr brauchbares WiFi geboten, die Facilities klein, aber blitzsauber, der Stellplatz eng, aber die Nachbarn bis jetzt leise. Man hatte uns unten in Blanding von einem neuen Thai Restaurant hier erzählt, so marschiere ich durch das kleine Dorf und treffe auf das Visitor Center und erkundige mich nach eben dieser Beiz. Jawohl, brandneu und gleich neben dem RV Park, wird mir mitgeteilt. Tatsächlich, keine 50 Meter von unserem Camper entfernt befindet sich das Restaurant. Nach unserem kustomarer Apéro kugeln wir dann rüber, das Etablissement hat bereits diverse Gäste. Muss wohl bis vor kurzer Zeit ein Western-Schuppen gewesen sein, das Décor sieht stark danach aus, von Thai-Atmosphäre keine Spur. Der Besitzer, ein Thai mit Cowboyhut hantiert noch etwas gar unsicher an seiner Kasse/Computer herum, alles geht ziemlich langsam über die Bühne. Endlich können wir bestellen und warten dann eine geschlagene Dreiviertelstunde auf ein Green Curry und einen Beef Salad. Was können wir sagen ausser: immenses Verbesserungspotential ist vorhanden. Die Speisen harmlos, das Curry noch einiges besser als mein lieblos fader Rindersalat. USD 34 waren hier wohl eine Fehlinvestition, wir werden kaum Wiederholungstäter werden. Zurück auf dem immer noch ruhigen Platz, erholen wir uns von der 185 Meilen langen Fahrt bei unserer Flasche YT.

Kein Camperbild, die Aufnahmen sind irgendwie ‚verloren‘ gegangen…..

 

28. September 2016 – Hanksville (mehr oder weniger), UT

Es ist erneut um 12°, also die Heizung angeworfen, diesmal jedoch Heaty Logan, Strom haben wir und bezahlt ist er auch. Nun ist aber eine lange Dusche fällig, dann ein gemütliches Morgenessen, ein Anruf nach Bülach und die Reise kann weitergehen. Die Fahrt führt durch wunderschönste Steinlandschaft, der mittlerweile bekannte 95er wirklich eine Wucht, nicht so sehr die Strasse sondern eben die Natur. Der Verkehr ziemlich stark für eine so abgelegene Gegend. Aber hier könnte bald ein neues National Monument mit Namen Bears Ears entstehen, 1,900,000 Acres gross, immerhin 7,700 km2. Obama muss sich beeilen, lange ist er nicht mehr im Amt und die hiesige Opposition scheint sehr gross zu ein. Allenthalben sieht man Schilder am Wegensrand: No Monument! Zuerst immer dem mäandrierenden White Canyon entlang führt die Reise nördlich Richtung Lake Powell, resp. was davon noch übrig ist. Vor Hite dann der grandiose Blick auf dunkelrote Sandsteinburgen mit den imposanten Henry Mountains im Hintergrund. Weiter geht die grandiose Fahrt Richtung Hanksville, 20 Meilen davor wagen wir enen Abstecher ins Nichts raus. Die Strasse ein besserer Feldweg, aber hier ist Little Egypt, bereits 2010 mit einem Mietcamper (!) besucht. Doch heuer scheint die Sache ganz anders auszusehen, die Strasse wird immer schlechter, ja es kommt uns noch eine grosser Truck in forschem Tempo entgegen, wir beschliessen auf der engen Sandpiste zu wenden, nach ein paar Minuten ist dieses Unterfangen erledigt und wir zuckeln brav auf die Teeerstrasse zurück. In Hanksville noch schnell etwas teures (USD 2.80) Benzin gebunkert, in Torrey wird es noch mehr kosten. Der RV Park macht keinen wirklich einladenden Eindruck und so kurven wir 12 Meilen weiter westwärts zu ‘unserem’ Boondock Platz bei der North Caineville Mesa. Der Wetter ist mittlerweile recht lausig, es drückt ein Sturm von Mexico herauf. Den Platz gibt es noch, die Toilette ist ebenfalls noch da und so richten wir uns gemütlich ein. Nach 10 Minuten kommt ein 5th Wheel angeprescht und campiert ebenfalls hier, lässt uns aber doch 50 Meter Freiraum. Dies tun die nachfolgenden Holländer leider nicht und parkieren ihren Minivan gleich hinter unserem Fahrzeug, hat man noch Töne! Als ob dies nicht genug wäre kommt noch ein Camper mit (falschen) Bündner Nummernschildern angebraust und stellt sich ebenfalls in unsere unmittelbare Nähe. Wir sind wirklich sprachlos! Wie auf einem ‘normalen’, engen Campingplatz sieht es hier nun aus, vorbei das Gefühl der endlosen Weite und Einsamkeit. Na ja, ich habe Stubenarrest und arbeite das Tagebuch auf. Der Himmel wird immer schwärzer und es beginnt zum Glück nur leicht zu regnen, stehen wir hier doch auf auf ‘wackligem’ oder eher weichem Grund. Trotz Gedränge wird der Abend schön ruhig.

Boondocking beim Factory Butte, westlich von Hanksville, UT

Boondocking beim Factory Butte, westlich von Hanksville, UT

22. September 2015 – Blanding, UT

Um 6:12 Uhr geht der Wecker, erinnert mich irgendwie an frühere, weniger angenehme Zeiten. Es hat etliche bis sehr viele Wolken, hoffentlich lohnt sich die Nachtarbeit auch. Ich marschiere zügig los, kenne ja jetzt den Standort. Na ja, das Predawn leider sehr mager, so warte ich meine nächste Chance ab, den eigentlichen Sonnenaufgang. Doch die Wolken am Osthimmel lassen der Sonne kaum Platz. Es wird mir ein Zeitfenster von gerade mal 30 Sekunden gewährt, das Pano muss durchgezogen werden, beim letzten Bild ist die Sonne schon wieder hinter der nächst höheren Wolkenbank verschwunden. Ich warte geduldig, aber vergeblich. Halb zufrieden geht es zurück, wo, in Anbetracht des eher mageren Wetters, das Frühstück drinnen serviert wird. Noch Dumpen und Frischwasser, alles im ‘Package Preis’ von USD 23 enthalten, kann die Fahrt südwärts losgehen. Das famose Hanksville streifen wir nur ganz am Rand, der 95 East biegt vor dem eigentlichen ‘Kaff’ links weg. Hier hat es nur gerade zwei offene und zwei bankrotte Tankstellen, welche teuren Sprit an den Mann/Frau bringen wollen (nicht die bankrotten, natürlich). Die ersten 20 Meilen eher langweilig, einzig die rechts neben uns aufragenden Henry Mountains sorgen für etwas Augenschmaus. Nach 20 Meilen käme die Abzweigung zum Little Egypt, nun sogar ausgeschildert und somit kein Geheimtipp mehr. Doch auch die normale Strasse durchfährt nun immer bessere Landschaft: rote Sandsteinburgen, einmal mehr. Leider muss ich mich zum x-ten Male wiederholen: die Landschaft hier in Südost-Utah wirklich vom Allerfeinsten! Die Strasse durch den relativen engen North Wash wurde erst 1976 asphaltiert, manche Leute erachten dieses Stück als ‘One of the Most Scenic Roads in America’. Für mich zumindest in den Top Five! Es geht in die Höhe, dem schrumpfenden Lake Powell entgegen. Der obligate Stopp oben mit Blick runter auf die ehemalige Hite Marine, nun mitten in der Wüste gelegen. Man sagte uns, der See sei nur noch halb so gross wie in den besten Zeiten, aber immer noch riesig und habe mächtig viel Wasser. Zweckoptimismus? Runter in die Tiefe, zuerst über den Dirty Devil, dann über den Colorado und es geht wieder in die Höhe. Das Landschafterlebnis nun etwas weniger obersappertonihaft gut. Wir näheren uns dem White Canyon, der zu unserer linken auftaucht, so folgt die kurvige Strasse immer dem Canyonrand, da und dort erhascht man einen kurzen Blick in die Tiefe. Wer hinunter will, tut dies dann im bald folgenden Natural Bridges National Monument mit den drei bekannten Steinbrücken. Wir versuchen unser Glück und kurven die paar Meilen zum Monument, es herrscht hier plötzlich ein emsig Treiben. Und wie es das Schicksal so will, schnappt ein Kalifornier die letzten beiden Site vor unserer Nase weg. Dies trotz 26 Fuss Limit (inkl. Zugfahrzeug), der Airstream und der Riesen-Pickup natürlich etliches über dem Limit, doch wenn’s kümmert’s? So bekommt der Trailer ein Site, der Pick-up das andere und der Laden ist voll. Wir kurven weiter zum Parkplatz bei der filigransten der drei Brücken, Owachomo Bridge. Hier nun verdiente Mittagsrast und Besprechung über das weitere Vorgehen. Beschluss gefasst: weiter nach Blanding. 35 Meilen durch sehr ansprechende Gegend, natürlich durchfahren wir auch die pittoreske Comb Ridge. Es geht rauf und runter und rauf und runter und wir erreichen den altbekannten 191er, kurz vor Blanding. Nun noch vier Meilen nordwärts und unser Tagesziel ist erreicht. Das Städtchen etwas gewachsen (pop. 3,300, elev. 6,100’) aber noch nicht Moabhafte Dimension und Hektik. Der Supermarket nicht schlecht, das Benzin erstaunlich günstig und der angpeilte Blue Mountain RV Park sehr gut (USD 35.70), die Facilities klein, aber blitzsauber, unser Site weit abseits der Durchgangsstrasse und der Ausblick aus dem Stubenfenster in die Weite hinaus auch nicht zu verachten. Oh, und WiFi hat’s auch, funktioniert sogar ganz gut. Tagebuchaufarbeitung ist angesagt und natürlich Bilder sichten/löschen. Das Wetter bessert sich gegen Abend, die nächsten Tage sollen sehr schön und angenehm warm (nicht mehr heiss) werden. Schweinefilet mit Salat unser Nachtessen, gefolgt von unserer kustomaren Flasche YT. Morgen wollen wir unser Glück herausfordern und einmal mehr den Squaw Flat Campground heimsuchen. Die Chancen zu dieser Jahreszeit sehr gering, momentan ist Hochsaison. Aber: Needles Outpost hat neue Besitzer und ist seit Labor Day wieder geöffnet. Die Vorgängerin war ja eine mehr als nur schillernde Persönlichkeit, man google Tracey Napoleone, viel Spass. So könnten wir auch dort nächtigen (USD 30, ohne Strom, inkl. einer Dusche pro Nase), sind ja nur wenige Meilen bis zu den Nadeln. Der Abend wird entspannend ruhig, unsere englischen und kanadischen Nachbarn benehmen sich sehr gesittet.

Blue Mountains RV Park, Blanding, UT

Blue Mountains RV Park, Blanding, UT